
…über eine Technologie, von der alle reden, die die wenigsten verstehen, und von der aber die meisten wahre Wunder erwarten. Weswegen das Buzzword aktuell nicht fehlen darf, wo es darum geht, Wachstumsfantasien zu wecken und Profiterwartungen zu schüren oder sich auch bloß als innovativ zu profilieren.
…über Effizienzsteigerungspotenziale, die zu heben in der andauernden Konsumkrise dringlich wird: datenbasierter Trendresearch, nachfragegerechtes Design, schnellere Produktentwicklung, treffsicherere Forecasts, bessere Planung, billigerer Content, personalisierte Angebote, individuelle Kundenansprache, optimierte Bestandssteuerung, automatisierte Prozesse – das alles kann positive Effekte nicht nur auf die Bilanzen haben, sondern auch ein nachhaltigeres Wirtschaften ermöglichen. Jedenfalls soweit man den riesigen Energiebedarf der Serverfarmen außer acht lässt.
…über Programmierer und IT-Spezialisten, die sich selbst überflüssig machen. Über Servicemitarbeiter, die durch Bots sowie Lagerarbeiter und Näherinnen, die durch Roboter ersetzt werden. Über KI-Assistenten, die die Arbeit von Sachbearbeitern und Managern übernehmen. Über Models, Stylisten, Fotografen und Influencer, die nicht mehr gebucht werden. Und Medien wie Instagram, die Agenturen und Marketingmitarbeiter ersetzen, indem sie Kampagnen nicht nur ausspielen, sondern mit KI-Hilfe gleich selbst konzipieren, testen und produzieren.
…über die ungeklärte Frage, woher Unternehmen künftig ihre Führungskräfte hernehmen sollen, wenn Einsteigerpositionen wie im Moment gestrichen werden. Wie soll Problemlösungskompetenz ausgebildet werden, wenn KI bereits in den Schulen eingesetzt wird, statt Kindern selbstständiges Denken beizubringen und Wissen zu vermitteln? Ist KI, wie Max Muth es neulich in der SZ formuliert hat, womöglich „ein gigantisches Dequalifizierungsprojekt (der Tech-Konzerne), das zuerst das Wissen der Menschheit einmal raubkopiert, um die Menschheit danach zu verdummen und anschließend auszubeuten“?
…über Kommunikationsplattformen wie LinkedIn, die mittlerweile von KI-generierten Texten zu Personal Branding- oder Akquisezwecken geflutet werden. Slop, der wahrscheinlich weniger gelesen als gelikt wird, weshalb sich die Autoren mal besser nichts auf ihre „Gedanken“ einbilden sollten. Blabla, das– sofern es überhaupt zu einem Lead führt – im real life vielfach und im wahrsten Sinne des Wortes zu Enttäuschungen führen wird. Warum sollte das in LinkedIn anders sein als auf Tinder?
… über eine Technologie, die insbesondere den Online Retailern weitere Wettbewerbsvorteile gegenüber den Stationären bringen kann. Zugleich werden die Spielregeln und Mechanismen im E‑Commerce neu definiert. Was eine Gefahr für die etablierten Player auf diesem Feld ist und mit Sicherheit unerwartete neue Konkurrenz und damit Chancen für kleine Unternehmen und Start-ups birgt.
…über Marken, die nicht nur ein Image, sondern, wie Stefan Wenzel sagt, künftig auch eine maschinelle Identität brauchen, um von KI-Agenten gefunden zu werden. Mit Agentic Commerce entsteht eine gnadenlos rationale und datenbasierte Konkurrenz, was zugleich die Notwendigkeit verstärkt, noch mehr als bisher die eigene Marke zu profilieren. Dieses Branding geschieht bekanntlich nicht nur im digitalen Raum.
…über die paradoxe Vorstellung, dass KI-generierte Angebote künftig von KI-Agenten – und nicht mehr von Menschen – geshoppt werden. Datengetriebene Digitalos treiben diese Idee vor allem deswegen voran, weil sie es können. Was indes die Frage ignoriert, ob die Konsumenten einen Einkaufsassistenten überhaupt wollen, und wenn ja, wofür, und die verkennt, dass Verkaufen gerade in gesättigten Märkten weniger über die Ratio als über Emotionen, Inspiration und Erlebnisse funktioniert. Worin wiederum eine Chance für gut gemachte stationäre Geschäfte liegt. Und die Frage aufwirft, ob wir neben künstlicher Intelligenz nicht vor allem mehr künstlerische Intelligenz brauchen.
Aber ich habe heute leider keine Zeit….