
Familiendramen allenthalben. Allein diese Woche: Da beschwert sich Helene Mercier-Arnault in Interviews über ihren kontrollwütigen Mann, der seine Familie offenbar ebenso streng führt wie den LVMH-Konzern. In Lugano streitet sich Philipp Plein mit seiner Ex über das Sorgerecht f0r die Kinder. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Christian Haub wegen Meineids im Zusammenhang mit dem amtlich festgestellten Tod seines Bruders, der sich gerüchteweise in Moskau seines Lebens erfreuen soll. Und in Barcelona verhaftet die Polizei Jonathan Andic, den Sohn des Mango-Gründers Isak Andic, nachdem Zweifel am Unfalltod des Vaters bei einer gemeinsamen Wandertour aufgetaucht sind.
Okay, das war jetzt eine etwas verwegene Hinführung zum eigentlichen Thema. In dem freilich ebenfalls Vater und Sohn eine Rolle spielen. Eine positive: Gerhard und Xaver Albrecht haben Ulm auf die Landkarte der Modebranche gesetzt. Zuvor war die Unitex für die meisten in Handel und Industrie lediglich eine Rechnungsadresse und Bankverbindung. Vom Warengeschäft hatte sich das Unternehmen vor Jahren verabschiedet und sich im Wesentlichen auf die Zentralregulierung fokussiert.
Mit dem Eintritt von Xaver Albrecht änderte sich das. Geschickt stieß die Unitex in die Lücke, die sich nach der Pandemie in der deutschen Modemessen-Landschaft aufgetan hatte und betätigt sich seither als Community Organizer. Ganz ähnlich wie die Katag es mit ihrer Cheftagung und dem Markentag macht.
Auch wenn das Fashion Festival im Gewand einer Messe daher kommt (was bei Älteren womöglich so etwas wie CPD-Vibes auslöst), hat die Veranstaltung mit einer klassischen Modemesse nichts zu tun. Orderfähiges, neue Produkte oder modische Trendinformationen findet man dort nicht. Dafür ist es auch der falsche Termin. In diversen Masterclasses wird How-to vermittelt. In den Hallen geht es vor allem anderen um Meet & Greet. Und abends und zum Lunch wird es laut wie auf einer zünftigen Familienfeier.
Wenn wir ehrlich sind, war das in Berlin kaum anders. Der Kontrast ist eher ein kultureller. Während die Bartträger in Tempelhof Kettenkarussell fuhren, natürlich mit dem notwendigen ironischen Abstand, und die Crowd zu The Hives abrockte, tritt in Ulm ganz unironisch ein Männerchor auf und grölen die Mädels die Schlager von Roy Bianco & den Abbrunzati Boys mit. Xaver Albrecht käme wahrscheinlich auch nicht auf die Idee, die Veranstaltung wie Karlheinz Müller im Affenkostüm (oder war es ein Bär?) zu eröffnen. Die Frage ist, welcher Approach näher an dem Handel und der Industrie ist, wie sie in Deutschland nun mal sind.
Obwohl für Einzelhändler dort alles umsonst ist, ist das Fashion Festival keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Bei 180 zahlenden Ausstellern dürfte unter dem Strich etwas für die Unitex-Kasse übrig bleiben. Vor allem wird es der Unitex um Kundenbindung gehen. Und um Neukundengewinnung. 800 Einzelhändler und 700 Industriepartner sind der Zentralregulierung bereits angeschlossen. Mit dem Erfolg in Ulm wächst etwas, worüber sich der Platzhirsch in Bielefeld Gedanken machen muss. Zumal mit der Intersport neuerdings ein potenter Player in Neu-Ulm die Kontrolle hat