Zuviel Sommer. Ortegas Milliarden. Lidls Pop-up-Store.

img_0391Die Nachrichten dieser Woche sind alles in allem wenig erquicklich. Nach den ersten fünf Seiten legt man die TW frustriert beiseite: SinnLeffers insolvent. Wöhrls Kreditrating auf „CC, unbestimmt“ runtergestuft. Millionenverluste bei Wolford. Der Strenesse-Deal geplatzt. Filialschließungen und Entlassungen bei der insolventen Promod-Kette. Gerry Weber mit Gewinneinbruch. Selbst Primark verzeichnet Minus auf bestehender Fläche. Und dann die Umsatzstatistik: Minus 20 in der 36. Woche! 20%! Nach minus 4, minus 13 und minus 11 in den drei Wochen davor. „Zuviel Sommer“, so die unbeholfene Erklärung. Tja. Da kann man wohl nichts machen. Die Modeleute gehören zu den wenigen, die den Spätsommer nicht genießen können.

Wie zum Hohn melden die Zeitungen zugleich, dass Amancio Ortega Bill Gates überholt hat. Ein Modehändler ist jetzt der reichste Mensch der Welt. Auf fast 80 Milliarden Euro wird der 80jährige von Forbes taxiert. Ein Vermögenszuwachs von fast 50 Milliarden Euro in den vergangenen fünf Jahren. Das entspricht annähernd dem Jahresumsatz des gesamten deutschen Textileinzelhandels.

Und natürlich ist die Eröffnung des Lidl-Stores am Neuen Wall in Hamburg eine Provokation. Nicht nur für die Nachbarn von Patek Philippe bis Hermès. Sondern für die gesamte Modebranche. Über die Aldisierung habe ich mich hier bereits mehrfach ausgelassen. Gerade Lidl legt hier seit einigen Saisons erkennbaren Ehrgeiz an den Tag und macht es zweifellos gut. Und warum sollte es dem Discounter nicht erlaubt sein, eine Werbefläche an einer Nobelmeile zu eröffnen. Was anderes sind die Läden vieler Fashion Brands dort ja auch nicht.

Womöglich handelt es sich lediglich um eine Retourkutsche in Richtung Aldi. Die Blauen haben gerade die neue „Designerkollektion“ von Jette Joop beworben und vor zwei Jahren ebenfalls publicityträchtig einen Laden an der Düsseldorfer Kö eröffnet, wenn auch an dem Teil der Nobelmeile jenseits des Graf-Adolf-Platzes, wo sich kein Modemensch je hin verirrt. Lidls 200 m² großer Pop-up-Store ist dagegen wohl eher ein PR-Gag, den sich Fischer Appelt mit ausgedacht hat. Die nennen sich nicht umsonst „PR und Content-Marketing-Agentur“. Es hat bestens funktioniert. Jetzt weiß jeder, dass es bei Lidl neben Tomaten und Sahnejoghurt Cashmere-Pullover von Esmara für 49,99 Euro zu kaufen gibt.

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profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit Januar 2012 Managing Partner der Personalberatung Hartmann Consultants

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