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Zuviel Sommer. Ortegas Milliarden. Lidls Pop-up-Store.

ImgDie Nach­rich­ten die­ser Woche sind alles in allem wenig erquick­lich. Nach den ers­ten fünf Sei­ten legt man die TW frus­triert bei­sei­te: Sinn­Lef­fers insol­vent. Wöhrls Kre­dit­ra­ting auf „CC, unbe­stimmt“ run­ter­ge­stuft. Mil­lio­nen­ver­lus­te bei Wol­ford. Der Stren­es­se-Deal geplatzt. Fili­al­schlie­ßun­gen und Ent­las­sun­gen bei der insol­ven­ten Pro­mod-Ket­te. Ger­ry Weber mit Gewinn­ein­bruch. Selbst Pri­mark ver­zeich­net Minus auf bestehen­der Flä­che. Und dann die Umsatz­sta­tis­tik: Minus 20 in der 36. Woche! 20%! Nach minus 4, minus 13 und minus 11 in den drei Wochen davor. „Zuviel Som­mer“, so die unbe­hol­fe­ne Erklä­rung. Tja. Da kann man wohl nichts machen. Die Mode­leu­te gehö­ren zu den weni­gen, die den Spät­som­mer nicht genie­ßen können.

Wie zum Hohn mel­den die Zei­tun­gen zugleich, dass Aman­cio Orte­ga Bill Gates über­holt hat. Ein Mode­händ­ler ist jetzt der reichs­te Mensch der Welt. Auf fast 80 Mil­li­ar­den Euro wird der 80jährige von For­bes taxiert. Ein Ver­mö­gens­zu­wachs von fast 50 Mil­li­ar­den Euro in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren. Das ent­spricht annä­hernd dem Jah­res­um­satz des gesam­ten deut­schen Textileinzelhandels.

Und natür­lich ist die Eröff­nung des Lidl-Stores am Neu­en Wall in Ham­burg eine Pro­vo­ka­ti­on. Nicht nur für die Nach­barn von Patek Phil­ip­pe bis Her­mès. Son­dern für die gesam­te Mode­bran­che. Über die Aldi­sie­rung habe ich mich hier bereits mehr­fach aus­ge­las­sen. Gera­de Lidl legt hier seit eini­gen Sai­sons erkenn­ba­ren Ehr­geiz an den Tag und macht es zwei­fel­los gut. Und war­um soll­te es dem Dis­coun­ter nicht erlaubt sein, eine Wer­be­flä­che an einer Nobel­mei­le zu eröff­nen. Was ande­res sind die Läden vie­ler Fashion Brands dort ja auch nicht.

Womög­lich han­delt es sich ledig­lich um eine Retour­kut­sche in Rich­tung Aldi. Die Blau­en haben gera­de die neue „Desi­gner­kol­lek­ti­on“ von Jet­te Joop bewor­ben und vor zwei Jah­ren eben­falls publi­ci­ty­t­räch­tig einen Laden an der Düs­sel­dor­fer Kö eröff­net, wenn auch an dem Teil der Nobel­mei­le jen­seits des Graf-Adolf-Plat­zes, wo sich kein Mode­mensch je hin ver­irrt. Lidls 200 m² gro­ßer Pop-up-Store ist dage­gen wohl eher ein PR-Gag, den sich Fischer Appelt mit aus­ge­dacht hat. Die nen­nen sich nicht umsonst „PR und Con­tent-Mar­ke­ting-Agen­tur“. Es hat bes­tens funk­tio­niert. Jetzt weiß jeder, dass es bei Lidl neben Toma­ten und Sah­ne­jo­ghurt Cash­me­re-Pull­over von Esma­ra für 49,99 Euro zu kau­fen gibt.

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