
Manche wollen im Ausscheiden der Nationalmannschaft ein Symptom für den Niedergang einer ganzen Nation sehen. Schau'n mer mal, würde Franz Beckenbauer sagen.
Faktisch haben wir es zunächst mit einem Niedergang der Umsätze im Einzelhandel zu tun. Wer noch kein Deutschland-Trikot gekauft hat, der wird dies nun wohl kaum mehr tun. Da werden auch die Rabatte von 15 bis 30 Prozent, die es seit Montag gibt, nicht viel helfen. Hoffen wir mal, dass die Fußball-Fans ihre überteuerten Leibchen nicht allesamt aus Frust entsorgen. Es schwebt genug Plastik in den Meeren.
Der Kurs der Adidas-Aktie ist prompt eingebrochen. CEO Björn Gulden hatte noch vergangene Woche von einem Rekordgeschäft geschwärmt. Die V‑Trikotflocks, die Adidas nachbestellen musste, werden jetzt womöglich zu Ladenhütern.
Auch bei Zalando wird man sich ärgern, dass das Logo jetzt nicht mehr so häufig im TV zu sehen sein wird. Der aktuelle Kurseinbruch dort hatte indes andere Gründe.
Besonders nachdenklich dürfte man last but not least in Beaverton sein. Nike wird bekanntlich ab 2027 der neue DFB-Ausstatter. Die Amerikaner wollen acht Jahre lang jeweils die unfassbare Summe von 100 Millionen Euro nach Frankfurt überweisen. Der Weltmarktführer hat Adidas ausgestochen, nicht nur, um dem deutschen Rivalen in seinem Stammrevier eins auszuwischen, sondern auch im Vertrauen darauf, sich mit einer Premiummarke zu verbinden, die Weltspitze ist. Dieses DFB-Produkt erweist sich aktuell als Mogelpackung.
Nur gut, dass CEO John Donahoe bereits ausgeschieden ist. Und sein Nachfolger Elliot Hill hat, wie bei der Vorlage der Quartalsergebnisse diese Woche deutlich wurde, zurzeit noch ganz andere Probleme.
Wir Zuschauer können uns jetzt ganz entspannt zurücklehnen und uns den wirklich wichtigen sportlichen Großereignissen zuwenden. Wie zum Beispiel der allem Anschein nach an diesem Wochenende stattfindenden Hochzeit eines berühmten American Football-Profis mit einem noch berühmteren Popstar an der Heimspielstätte der Basketballer von den New York Knicks.
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Apropos Probleme. Die Galeria-Krise geht in die nächste Runde. Wenn nicht 12.000 Arbeitsplätze und das Geschäft von etlichen Lieferanten betroffen wären, würde man dieses Thema am liebsten auslassen. Nach einer wochenlangen Hängepartie scheint die 160 Millionen-Finanzspritze durch Gordon Brothers nun sicher. Wie es aussieht, werden damit zu einem guten Teil Verbindlichkeiten bei anderen Kapitalgebern bedient. Wenn der Verkauf nicht anspringt und niemand Geld nachschießt, wird der Liquiditätsengpass womöglich bald zurückkommen. Es ist jedenfalls nicht auszuschließen, dass das Unternehmen im Verein mit Kommunen, Gewerkschaften und Gläubigern am Ende wieder nach staatlicher Hilfe rufen wird. Der Goodwill in Berlin dürfte nach drei Insolvenzen in vier Jahren indes ziemlich aufgebraucht sein. Zumal die Regierung ebenfalls knapp bei Kasse ist.
Zu wünschen wäre übrigens, dass das lokale Gejammere endlich mal aufhört. Vielerorts wird beklagt, dass "unser" Warenhaus bald schließt, es gab im Zuge der Insolvenzen deswegen sogar schon Menschenketten in den Fußgängerzonen. Statt zu jammern, sollte die Kundschaft vielleicht einfach häufiger und mehr im örtlichen Warenhaus einkaufen gehen.
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Es gibt sie im Übrigen noch, die guten Nachrichten: New Yorker hat ein weiteres Rekordjahr hinter sich. Als sei 2025 kein schlechtes Jahr für den Konsum gewesen. Die Braunschweiger melden im Bundesanzeiger ein zweistelliges Umsatzplus auf 3,56 Milliarden und einen Gewinnsprung von 253 auf sagenhafte 680 Millionen Euro. Die Ebit-Marge ist mit 25,5 Prozent ein Spitzenwert in der Branche. New Yorker hat inzwischen ein Eigenkapital von 2,2 Milliarden angehäuft und braucht Banken nur für Überweisungen.
Diese Profitabilität ist wohl auch, aber bestimmt nicht ausschließlich der Tatsache zu verdanken, dass New Yorker konsequent sein Format weiterentwickelt und auf einen kostentreibenden Onlinevertrieb bis auf weiteres verzichtet. Vielleicht war Fritz Knapp doch nicht der Geisterfahrer, für den jene ihn gehalten haben, die sich im Gegenverkehr auf dem richtigen Weg wähnen. Wir reden ständig über die chinesische Billigkonkurrenz von Shein& Co. Aber auch stationär sind niedrige Preise gefragt, wenn sie sexy verpackt sind.