Passiert large

Der Ball rollt. Rollt der Rubel?

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Jür­gen Mül­ler

Soll­te die Zahl der ver­kauf­ten Tri­kots ein Indiz für die Chan­cen eines Teams sein, dann besteht Hoff­nung. Immer­hin ran­giert der DFB-Dress im FIFA-Web­shop unter den meist­ver­kauf­ten Arti­keln. USA, Argen­ti­ni­en, Por­tu­gal und Eng­land sind aller­dings bereits aus­ver­kauft. Was mit beson­ders loya­len Fans zusam­men­hän­gen mag. Oder mit schlech­tem Bestands­ma­nage­ment. Tat­säch­lich lässt sich mit den Tri­ko­tum­sät­zen ledig­lich das Aus­maß der Ent­täu­schung pro­gnos­ti­zie­ren. Denn Welt­meis­ter, nicht wahr, wird am Ende nur einer.

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Das Design des DFB-Tri­kots wird all­ge­mein gelobt. Im Spie­gel ran­giert es, wen wun­derts bei einem deutsch­spra­chi­gen Medi­um, auf Platz 1 der schöns­ten Leib­chen, vor Mexi­ko und Neu­see­land. Lie­be macht halt blind. Denn letzt­lich han­delt es sich um einen  Abklatsch der Welt­meis­ter­tri­kots von 1990 und 2014. Damit passt es per­fekt zur all­ge­mei­nen Stim­mungs­la­ge der Deut­schen, die sich nach ver­meint­lich bes­se­ren alten Zei­ten seh­nen. Wahr­schein­lich drü­cken sie im Ber­li­ner Regie­rungs­vier­tel dem DFB-Team ganz beson­ders fest die Dau­men, wo die Poli­tik allein dar­an schei­tert, den drin­gen­den Stim­mungs­um­schwung her­bei­zu­füh­ren.

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Es ist, wie die TAZ sehr schön schreibt, "Das letz­te Hemd". Denn ab dem kom­men­den Jahr ist nicht mehr Adi­das, son­dern Nike der DFB-Lie­fe­rant. Als reich­te es nicht schon, dass wir auch bei Social Media und KI von den Ame­ri­ka­nern abge­hängt wur­den.

Von Tra­di­ti­on kann man sich bekannt­lich nichts kau­fen, und Natio­na­lis­mus liegt uns fern. Aber dass ein US-Kon­zern den deut­schen Aus­stat­ter aus­ste­chen konn­te, der qua­si sym­bio­tisch mit der deut­schen Natio­nal­mann­schaft ver­bun­den war, zeigt, dass auch im DFB ein paar Infan­ti­nos gibt. Abge­se­hen davon ist es ein Mar­ke­ting-Desas­ter, dass Adi­das nicht hät­te pas­sie­ren dür­fen.

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Nike, man muss es lei­der sagen, sticht Adi­das auch aus, wenn es um die aktu­el­le WM-Kam­pa­gne geht. Da ist der sen­sa­tio­nel­le, sechs­mi­nü­ti­ge Spot, ein rasant geschnit­te­nes, KI-unter­stütz­tes Dribb­ling durch ein TV-Stu­dio, in dem so ziem­lich jeder Fuß­ball-Super­star sei­nen Auf­tritt hat. Sogar Kim Kar­da­shi­an ist  dabei, obwohl sie doch neu­er­dings ein Fai­ble für die For­mel 1 hat. Der ein­zi­ge Deut­sche ist übri­gens Jamal Musia­la, der frei­lich bereits ein Nike-Tri­kot trägt.

Auch bei den Mode­kol­lek­tio­nen zur WM hat Nike den krea­ti­ve­ren Ansatz. Die X2 Cap­su­le Coll­ec­tion bringt sie­ben Natio­nal­teams mit Desi­gnern aus den jewei­li­gen Län­dern zusam­men, in Frank­reich z.B. mit Jac­que­mus. Adi­das Ori­gi­nals beschränkt sich indes in gewohn­ter Manier auf die Neu­in­ter­pre­ta­ti­on von Pro­dukt­klas­si­kern. Was sich am Ende bes­ser ver­kauft, ist frei­lich noch nicht raus. Auch was die Zahl der aus­ge­stat­te­ten Teams angeht, hat Adi­das (14) die Nase gegen­über Nike (12) vorn.

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Eine WM ist natür­lich ein geld­wer­ter Vor­teil für Sport­ar­tik­ler. Aber auch ande­re Brands nut­zen das Event für einen Rei­bach. Bei Check 24, Ede­ka oder Tedi gibts Fan­leib­chen sogar gra­tis als Zuga­be. Was sagt es über den Wert von Tex­ti­li­en, wenn ich bei Tedi beim Kauf von 5 Euro-Krims­krams ein T‑Shirt geschenkt bekom­me?

War­um Tom­my Hil­fi­ger anläss­lich der WM mit dem FC Liver­pool wirbt, ist aller­dings unklar. Die Reds haben sich bekannt­lich nicht qua­li­fi­ziert. Aber bei 48 Teams kann man schon mal den Über­blick ver­lie­ren.

Zalan­do und Marc O'Polo gehört als DFB-Aus­stat­ter/­Spon­so­ren sicher­lich die größ­te Auf­merk­sam­keit. Die Out­fits, in denen sich die Spie­ler aktu­ell zei­gen, gerie­ten frei­lich arg cre­mig. Looks­ma­xxing sieht jeden­falls anders aus. Ein Kom­men­ta­tor sprach die­ser Tage sogar von "Clean Girl-Ästhe­tik". Die ist angeb­lich schon wie­der out, dabei haben wir den Begriff gera­de zum ers­ten Mal gehört.

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Apro­pos Girls. War­um haben die DFB-Män­ner größ­ten­teils so fie­se Fri­su­ren, wäh­rend die Spie­le­rin­nen des Frau­en-Natio­nal­teams sich ledig­lich an der Haar­far­be unter­schei­den las­sen? Nick Wol­te­ma­des 'Short Shag' ist angeb­lich der heis­ses­te Scheiß, den man jetzt auf dem Kopf tra­gen kann. Schon para­dox: Wäh­rend der Fuß­ball­platz vie­len immer noch als Män­ner­do­mä­ne gilt, domi­nie­ren sti­lis­tisch längst die Regeln, denen jen­seits der Are­nen die Frau­en glau­ben, sich unter­wer­fen zu müs­sen.

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Viel­leicht ist es zwecks Auf­merk­sam­keits­ge­ne­rie­rung nicht das Dümms­te, sich dem WM-Rum­mel ein­fach zu ent­zie­hen. So wie Guc­ci, das sein Logo jetzt auf For­mel 1‑Boliden klebt. Oder Pra­da, das gera­de sei­ne Astro­nau­ten-Unter­wä­sche prä­sen­tiert hat. Nach dem erfolg­rei­chen Bör­sen­gang von Elon Musks Space‑X ent­steht dort ja nun ein neu­er Markt.

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