
Sollte die Zahl der verkauften Trikots ein Indiz für die Chancen eines Teams sein, dann besteht Hoffnung. Immerhin rangiert der DFB-Dress im FIFA-Webshop unter den meistverkauften Artikeln. USA, Argentinien, Portugal und England sind allerdings bereits ausverkauft. Was mit besonders loyalen Fans zusammenhängen mag. Oder mit schlechtem Bestandsmanagement. Tatsächlich lässt sich mit den Trikotumsätzen lediglich das Ausmaß der Enttäuschung prognostizieren. Denn Weltmeister, nicht wahr, wird am Ende nur einer.
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Das Design des DFB-Trikots wird allgemein gelobt. Im Spiegel rangiert es, wen wunderts bei einem deutschsprachigen Medium, auf Platz 1 der schönsten Leibchen, vor Mexiko und Neuseeland. Liebe macht halt blind. Denn letztlich handelt es sich um einen Abklatsch der Weltmeistertrikots von 1990 und 2014. Damit passt es perfekt zur allgemeinen Stimmungslage der Deutschen, die sich nach vermeintlich besseren alten Zeiten sehnen. Wahrscheinlich drücken sie im Berliner Regierungsviertel dem DFB-Team ganz besonders fest die Daumen, wo die Politik allein daran scheitert, den dringenden Stimmungsumschwung herbeizuführen.
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Es ist, wie die TAZ sehr schön schreibt, "Das letzte Hemd". Denn ab dem kommenden Jahr ist nicht mehr Adidas, sondern Nike der DFB-Lieferant. Als reichte es nicht schon, dass wir auch bei Social Media und KI von den Amerikanern abgehängt wurden.
Von Tradition kann man sich bekanntlich nichts kaufen, und Nationalismus liegt uns fern. Aber dass ein US-Konzern den deutschen Ausstatter ausstechen konnte, der quasi symbiotisch mit der deutschen Nationalmannschaft verbunden war, zeigt, dass auch im DFB ein paar Infantinos gibt. Abgesehen davon ist es ein Marketing-Desaster, dass Adidas nicht hätte passieren dürfen.
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Nike, man muss es leider sagen, sticht Adidas auch aus, wenn es um die aktuelle WM-Kampagne geht. Da ist der sensationelle, sechsminütige Spot, ein rasant geschnittenes, KI-unterstütztes Dribbling durch ein TV-Studio, in dem so ziemlich jeder Fußball-Superstar seinen Auftritt hat. Sogar Kim Kardashian ist dabei, obwohl sie doch neuerdings ein Faible für die Formel 1 hat. Der einzige Deutsche ist übrigens Jamal Musiala, der freilich bereits ein Nike-Trikot trägt.
Auch bei den Modekollektionen zur WM hat Nike den kreativeren Ansatz. Die X2 Capsule Collection bringt sieben Nationalteams mit Designern aus den jeweiligen Ländern zusammen, in Frankreich z.B. mit Jacquemus. Adidas Originals beschränkt sich indes in gewohnter Manier auf die Neuinterpretation von Produktklassikern. Was sich am Ende besser verkauft, ist freilich noch nicht raus. Auch was die Zahl der ausgestatteten Teams angeht, hat Adidas (14) die Nase gegenüber Nike (12) vorn.
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Eine WM ist natürlich ein geldwerter Vorteil für Sportartikler. Aber auch andere Brands nutzen das Event für einen Reibach. Bei Check 24, Edeka oder Tedi gibts Fanleibchen sogar gratis als Zugabe. Was sagt es über den Wert von Textilien, wenn ich bei Tedi beim Kauf von 5 Euro-Krimskrams ein T‑Shirt geschenkt bekomme?
Warum Tommy Hilfiger anlässlich der WM mit dem FC Liverpool wirbt, ist allerdings unklar. Die Reds haben sich bekanntlich nicht qualifiziert. Aber bei 48 Teams kann man schon mal den Überblick verlieren.
Zalando und Marc O'Polo gehört als DFB-Ausstatter/Sponsoren sicherlich die größte Aufmerksamkeit. Die Outfits, in denen sich die Spieler aktuell zeigen, gerieten freilich arg cremig. Looksmaxxing sieht jedenfalls anders aus. Ein Kommentator sprach dieser Tage sogar von "Clean Girl-Ästhetik". Die ist angeblich schon wieder out, dabei haben wir den Begriff gerade zum ersten Mal gehört.
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Apropos Girls. Warum haben die DFB-Männer größtenteils so fiese Frisuren, während die Spielerinnen des Frauen-Nationalteams sich lediglich an der Haarfarbe unterscheiden lassen? Nick Woltemades 'Short Shag' ist angeblich der heisseste Scheiß, den man jetzt auf dem Kopf tragen kann. Schon paradox: Während der Fußballplatz vielen immer noch als Männerdomäne gilt, dominieren stilistisch längst die Regeln, denen jenseits der Arenen die Frauen glauben, sich unterwerfen zu müssen.
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Vielleicht ist es zwecks Aufmerksamkeitsgenerierung nicht das Dümmste, sich dem WM-Rummel einfach zu entziehen. So wie Gucci, das sein Logo jetzt auf Formel 1‑Boliden klebt. Oder Prada, das gerade seine Astronauten-Unterwäsche präsentiert hat. Nach dem erfolgreichen Börsengang von Elon Musks Space‑X entsteht dort ja nun ein neuer Markt.
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