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"Als Department Store kannst du nicht der Günstigste sein, du musst der Beste sein"

Franco Savastano ist seit einem Jahr CEO beim Luxury Department Store Holt Renfrew. Welche Erfahrungen macht der Schweizer Warenhaus-Manager in Kanada? Und wie schaut der ehemalige CEO von Globus und Jelmoli mit zeitlichem und geografischen Abstand auf die europäische Warenhausszene?

Du hast Dei­ne Kar­rie­re in der euro­päi­schen Luxus­bran­che gemacht und bist nun CEO eines kana­di­schen Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens. Dafür gibt es nicht vie­le Vor­bil­der. Was kann ein Schwei­zer Retail-Pro­fi bes­ser als es ein kana­di­scher CEO könn­te?

Die Schweiz ist nicht nur eines der reichs­ten Län­der in Euro­pa. Es hat auch die dich­tes­te Retail-Land­schaft mit einem enor­men Wett­be­werb. Ich den­ke, die Idee war, jeman­dem zu holen, der sich damit aus­kennt, sehr spit­ze Sor­ti­men­te zu füh­ren. Außer­dem schaut man in Kana­da ger­ne nach Euro­pa.

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Depart­ment Store von Holt Ren­frew in Toron­to:

Du kann­test die Inha­ber­fa­mi­lie Wes­t­on wahr­schein­lich vor­her schon.

Es gab einen Search. Ich habe eigent­lich nicht damit gerech­net, nach Glo­bus noch­mal so etwas zu machen. Ich bin jetzt 60. In der Schweiz bist du ab 55 zu alt. Hier in Kana­da spielt das kei­ne Rol­le. Man such­te jeman­den mit ganz viel Erfah­rung.

Was hat Dich an die­ser Auf­ga­be am meis­ten gereizt? So eine Ent­schei­dung trifft man ja nicht leicht­fer­tig.

Nach Glo­bus wäre ich mit ein paar Board-Man­da­ten hap­py gewe­sen. Die Fami­lie Wes­t­on ist der größ­te Arbeit­ge­ber hier im Land mit vie­len ver­schie­de­nen Akti­vi­tä­ten. Holt Ren­frew ist mit sei­nen 1,4 Mil­li­ar­den Umsatz eine ver­gleichs­wei­se klei­ne Betei­li­gung, aber groß genug, um im Fokus zu sein. Es geht um eine erfolg­rei­che Wei­ter­ent­wick­lung. Wir sind der Lea­der in Luxu­ry in Kana­da und einer der gro­ßen Play­er in die­sem Seg­ment in Nord­ame­ri­ka. Ein Qua­li­täts­an­bie­ter seit 190 Jah­ren. Die­ser Qua­li­täts­an­spruch war für mei­ne Ent­schei­dung, hier­her zu kom­men, auch ganz wich­tig. Für mich war letzt­lich aber die Kul­tur von Holt Ren­frew ent­schei­dend.

Das heißt?

Kana­da ist 250-mal grö­ßer als die Schweiz, und hier leben gera­de mal 40 Mil­lio­nen Men­schen. Das Land ist jung, mul­ti­kul­ti, und alle ver­su­chen, sich gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen. Der Zusam­men­halt ist enorm. Ich hät­te nicht erwar­tet, dass ich so net­te, zuvor­kom­men­de und fried­vol­le Men­schen tref­fen wür­de

"Möglicherweise wollten die Inhaber mit der Verpflichtung eines europäischen CEOs auch etwas mehr Speed bekommen"

Es ist ja wahr­schein­lich nicht nur für Dein Team eine kul­tu­rel­le Her­aus­for­de­rung, einen Schwei­zer zum Chef zu haben, son­dern auch für Dich, in die­sem ande­ren Umfeld zu arbei­ten?

Ich muss­te ler­nen, dass am Wochen­en­de kei­ner Emails liest. Work-Life-Balan­ce spielt hier eine grö­ße­re Rol­le. Was nicht heißt, dass die Leis­tung nicht stimmt. Aber die Men­schen sind von ihrer Men­ta­li­tät her schon laid back. Mög­li­cher­wei­se woll­ten die Inha­ber mit der Ver­pflich­tung eines euro­päi­schen CEOs auch etwas mehr Speed bekom­men.

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Per­so­nal Shop­ping: Mil­lio­nen­um­sät­ze mit High Value Cus­to­mers

Wel­che Dei­ner Erfah­run­gen aus der euro­päi­schen Luxus­bran­che las­sen sich auf den kana­di­schen Markt über­tra­gen, wel­che nicht?

Was hier super läuft, ist das High Value Cus­to­mer-Pro­gramm. Wir haben ein­zel­ne Per­so­nal Shop­per, die machen Mil­lio­nen­um­sät­ze. Die haben zu den Kun­den eine Bezie­hung, das habe ich in der Schweiz so noch nicht gese­hen. Was die Mit­ar­bei­ten­den hier ler­nen kön­nen, ist das Arbei­ten mit den Kun­den, die ein­fach so zur Tür rein­kom­men und von denen man nicht weiß, ob sie Geld aus­ge­ben wol­len oder nicht. Und das Visu­al Mer­chan­di­sing. Das machen in Euro­pa vie­le Ein­zel­händ­ler bes­ser.

Du hast gesagt, die Inha­ber wün­schen sich mehr Speed. Wie viel Ver­än­de­rung ver­trägt ein Unter­neh­men mit einer fast 190-jäh­ri­gen Geschich­te, ohne sei­ne Iden­ti­tät zu ver­lie­ren?

Es sind die klei­nen Schrit­te, auf die es ankommt. Ich bin nicht nach dem typi­schen CEO-Play­book vor­ge­gan­gen – hun­dert Tage, das ist die Stra­te­gie und das zie­hen wir jetzt durch. Son­dern ich habe ein­fach mal mit der Arbeit ange­fan­gen, mir einen Über­blick ver­schafft, und jetzt dre­hen wir per­ma­nent an allen mög­li­chen Stell­schrau­ben und ent­wi­ckeln zusam­men die The­men.

Zum Bei­spiel?

Nimm das The­ma Digi­tal. Kana­da ist ein sehr gro­ßes Land mit enor­men Ent­fer­nun­gen. Der Ver­sand spielt hier seit jeher eine wich­ti­ge Rol­le.

Wie weit lie­gen Eure sechs Depart­ment Stores aus­ein­an­der?

Die wei­tes­te Ent­fer­nung sind über 3000 Kilo­me­ter. Hier bin ich mit dem Flie­ger ger­ne mal vier, fünf Stun­den unter­wegs. Plus Zeit­ver­schie­bung. Aber das ist hier ganz nor­mal.

"Man muss vom Kunden her denken und ihnen Gründe geben, ins Haus zu kommen. Einfach nur Ware zeigen, das reicht schon lange nicht mehr."

Wie lau­fen die Geschäf­te für Holt Ren­frew?

Wenn Du ein paar Pro­zent wächst, dann ist das schon gut. Der Markt ist auch hier nicht ein­fach. Nord­strom hat sich zurück­ge­zo­gen, Saks Fifth Ave­nue und Hud­son Bay sind dicht. Alle drei aus unter­schied­li­chen Grün­den. Wir blei­ben. Das hat mich bei die­sem Unter­neh­men eben­falls gereizt. Man denkt lang­fris­tig, setzt auf nach­hal­ti­ges Wachs­tum und nicht kurz­fris­tig auf Rabat­te.

Wer sind denn nach dem Abgang der ande­ren Depart­ment Stores Eure wich­tigs­ten Wett­be­wer­ber?

Das sind zuneh­mend die Luxu­ry Online­händ­ler wie Mythe­re­sa. Unser Vor­teil ist, dass die kana­di­schen Kun­den sehr stark kana­di­sche Unter­neh­men unter­stüt­zen. Hier hält man wie gesagt zusam­men.

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Womens­wear-Abtei­lung in Mont­re­al

Man sieht das ja auch beim Streit mit dem US-Prä­si­den­ten, der das Land zusam­men­rü­cken ließ.

Ja, das stimmt.

Wie schaust Du mit dem geo­gra­fi­schen und zeit­li­chen Abstand auf den Schwei­zer Markt und die euro­päi­sche Waren­haus­sze­ne?

Ich füh­le mich letzt­lich bestä­tigt, dass das Geschäft nicht über Pro­mo­ti­ons lau­fen darf, son­dern man auf Qua­li­tät set­zen muss.

In Deutsch­land ist gera­de Gale­ria zum vier­ten Mal insol­vent.

Ich fürch­te, so ein Kon­zept wird in die­ser Form nicht mehr funk­tio­nie­ren. Als Depart­ment Store kannst Du nicht der Güns­tigs­te sein, Du musst der Bes­te sein.

Aber auch Pre­mi­um ist kein Selbst­läu­fer. Die Kade­We Group kämpft. Breu­nin­ger war nicht zu ver­kau­fen.

Breu­nin­ger macht es trotz­dem ganz her­vor­ra­gend.

Wie denkst Du rück­bli­ckend über Dei­ne Zeit bei Jel­mo­li und Glo­bus? Das waren ins­ge­samt 13 Jah­re. Was hät­test Du anders machen sol­len?

Wir hat­ten bei Glo­bus wegen der Ben­ko-Kri­se kei­ne leich­te Zeit. Wir konn­ten das auch mit Hil­fe unse­rer Lie­fe­ran­ten sehr gut mana­gen. Dann hat mir unser Eigen­tü­mer eröff­net, dass wir künf­tig nach Ita­li­en berich­ten soll­ten. Die Ita­lie­ner haben dann ent­schie­den, dass wir ab sofort beim Black Fri­day mit­ma­chen soll­ten, was das Ver­trau­en bei der Indus­trie und den Kun­den natür­lich erschüt­tert hat. Ich bin dann drei Mona­te spä­ter gegan­gen. Man sieht ja, was jetzt pas­siert. Jede Woche Rabat­te, das ist ein­fach unge­sund.

Wenn Du heu­te einen neu­en Holt-Ren­frew-Stand­ort eröff­nen wür­dest: Wäre das wie­der ein klas­si­sches Waren­haus?

Natür­lich. Aber was heißt klas­si­sches Waren­haus? Wir hat­ten bei Jel­mo­li eine Schön­heits­kli­nik drin. Wir hat­ten aber auch Zara als Mie­ter. Holt Ren­frew eröff­net im kom­men­den Jahr in zwei Häu­sern Beau­ty-Kli­ni­ken. Wir betrei­ben über­all Restau­rants, nächs­tes Jahr kom­men drei dazu. Es gibt schon vie­le Mög­lich­kei­ten, eine Flä­che inter­es­sant zu bespie­len. Man muss vom Kun­den her den­ken und ihnen Grün­de geben, ins Haus zu kom­men. Ein­fach nur Ware zei­gen, das reicht schon lan­ge nicht mehr.

Ver­ste­he.

Für uns sind die Ver­käu­fer der ent­schei­den­de Fak­tor. Das sind unse­re Influen­cer. Das haben wir im Han­del viel­fach ver­nach­läs­sigt. Du gehst in der Regel ja nicht zu einem Arzt. Du gehst zu Dei­nem Arzt.  Du musst eine Kul­tur schaf­fen, die all das för­dert.

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Holt Ren­frew Restau­rants: Invest in Auf­ent­halts­qua­li­tät

Ihr habt in Kana­da sechs Häu­ser. Gibt es noch Wunsch­stand­or­te?

Wir sind bei­spiels­wei­se in Edmon­ton noch nicht ver­tre­ten. Die Shop­ping Malls haben hier eine ande­re Bedeu­tung. Ich sehe im Übri­gen auch noch Poten­zi­al im Home & Living-Bereich. Vie­le Kana­di­er haben gro­ße, schö­ne Häu­ser. Ich könn­te mir schon so einen rich­tig tol­len Luxu­ry Home Deco-Store vor­stel­len. Aber zunächst wol­len wir uns auf das fokus­sie­ren, was wir haben und das noch bes­ser machen.

Wir beschwe­ren uns ja immer über die Uni­for­mi­tät der Fuß­gän­ger­zo­nen. Wenn Du mich mit ver­bun­de­nen Augen in einem x‑beliebigen Luxu­ry Depart­ment Store aus­set­zen wür­dest, ich hät­te wahr­schein­lich eben­so Pro­ble­me, die­sen zu iden­ti­fi­zie­ren. Was macht die Ein­zig­ar­tig­keit eines Waren­hau­ses aus? Wie viel Exklu­si­vi­tät kann ein Waren­haus heu­te noch bie­ten, wenn die­sel­ben Mar­ken welt­weit mit nahe­zu iden­ti­schen Kon­zep­ten auf­tre­ten?

Die Leu­te wol­len die gro­ßen Luxu­ry Brands bei uns kau­fen. Die müs­sen wir bie­ten. Das Dif­fe­ren­zie­rungs­po­ten­zi­al liegt im own buy, also den Sor­ti­men­ten, die wir selbst zusam­men­stel­len. Und in der Art und Wei­se, wie wir etwas anbie­ten, dem Enter­tain­ment. Wir ver­an­stal­ten Kon­zer­te, Lesun­gen, haben DJs. Wir neh­men loka­le Fes­ti­vals zum Anlass für Events. In Mont­re­al sind wir Teil der For­mel 1‑Welt. In Cal­ga­ry ist es das welt­größ­te Rodeo. In Van­cou­ver, wo wir extrem viel chi­ne­si­sche Kund­schaft haben, fei­ern wir Chi­ne­se New Year. Wir müs­sen einen Begeg­nungs­ort schaf­fen und ein Teil der Stadt sein. Das ist schließ­lich auch die ursprüng­li­che Idee vom Waren­haus.

"Als etablierte Adresse haben wir einen Vertrauensvorschuss bei den Kunden"

Brau­chen umge­kehrt die Luxus­mar­ken über­haupt noch ein Waren­haus wie Holt Ren­frew?

Es gibt zwei Grün­de. Zum einen über­schnei­den sich die Kun­den in den Stand-alo­ne-Stores mit denen im Waren­haus-Shop-in-shop nach unse­ren Unter­su­chun­gen ledig­lich zu 20 Pro­zent. Das heißt, die Luxus­mar­ken holen bei uns einen Kun­den ab, der gar nicht zu ihnen kommt. Weil er Schwel­len­angst hat, weil er unver­bind­lich brow­sen möch­te. Gera­de die jün­ge­ren Kun­den schät­zen das.

Und der zwei­te Grund?

Das ist lei­der ein trau­ri­ger. Die Städ­te wer­den immer unsi­che­rer, Kri­mi­na­li­tät und Obdach­lo­sig­keit neh­men zu. Das schreckt vie­le Kun­den ab, in die Städ­te zu kom­men und ist ein Argu­ment für uns und die Shop­ping Malls. Wir haben in jedem Haus Valet Par­king. Du fährst vor, gibst Dein Auto ab und bist sicher.

Der Online­han­del hat die Spiel­re­geln ver­än­dert. Wie wich­tig ist die­ses Geschäft für Euch?

Der Web­shop ist wie gesagt ein zuneh­mend wich­ti­ger Bereich. Wir inves­tie­ren hier und haben gera­de mei­nen Ex-Kol­le­gen von Glo­bus bei uns als Digi­tal­chef in die Geschäfts­füh­rung geholt. Kana­da ist ein ver­sand­han­dels­af­fi­ner Markt. Du siehst hier kaum mehr Leu­te mit gro­ßen Ein­kaufs­wa­gen, weil die gan­zen Con­ve­ni­ence-Pro­duk­te nach Hau­se bestellt wer­den. Wir agie­ren online in ers­ter Linie als Mar­ket­place.

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Beau­ty-Abtei­lung in Mont­re­al

Was bie­tet Ihr, was ein Mythe­re­sa nicht kann?

Als eta­blier­te Adres­se haben wir einen Ver­trau­ens­vor­schuss bei den Kun­den. Unse­re Per­so­nal Shop­per gehen zu den High Value-Kun­den nach Hau­se. Wir schi­cken bei Bedarf auch einen Schnei­der vor­bei. Die bes­ten Kun­din­nen laden wir sogar zu den Fashion Shows nach Paris oder Mai­land ein.

Wie frü­her, als die Schau­en aus­schließ­lich den wohl­ha­ben­den Kun­din­nen vor­be­hal­ten waren.

Genau. Dafür müs­sen jetzt die Influen­cer wie­der Platz machen.

Wir in Euro­pa schau­en ja ger­ne über den Atlan­tik, wenn es um Retail­trends geht. Ist das noch gerecht­fer­tigt? Oder soll­ten wir lie­ber nach Asi­en schau­en?

Durch­aus. Schau Dir bei­spiels­wei­se Gale­ria Seo­ul an. Ich fin­de aber auch groß­ar­tig, was ein Har­rods macht, und das seit Jahr­zehn­ten. Wenn ich jetzt rein auf das Sor­ti­ment, das own buy schaue, dann schät­ze ich wirk­lich sehr, was Loden­frey in Mün­chen macht. Davor habe ich einen rie­si­gen Respekt. Über­haupt lohnt sich der Besuch in Mün­chen, fin­de ich. Ich habe den VM-Ver­ant­wort­li­chen unse­rer sechs Häu­ser neu­lich einen Trip dort­hin spen­diert: zwei Tage Store Check, Über­nach­tung im Bay­ri­schen Hof. Wenn Du siehst, wie­vie­le Ideen und wie­viel Moti­va­ti­on die Kol­le­gen mit­ge­bracht haben – das erreichst Du mit hun­dert Work­shops nicht. Ich fin­de, vie­le deut­sche Ein­zel­händ­ler – ein Braun in Ham­burg, ein Fischer in Sin­gen – machen das her­vor­ra­gend. Ich bin ja nicht zuletzt gekom­men, um für mehr Euro­pa in Kana­da zu sor­gen.

Wir haben noch gar nicht über KI gespro­chen!

Für uns ist das ein ganz wich­ti­ges Instru­ment, wenn es um die Pla­nung unse­res own buys geht. Das meis­te Geld geben wir im Ein­kauf aus. Aber unse­re Abver­kaufs­quo­ten müs­sen bes­ser wer­den. KI kann hier sicher bei einer bes­se­ren Ein­kaufs­pla­nung hel­fen.

"Ich finde, wir haben im Handel viel zu viel ins Marketing investiert und viel zu wenig für die Verkäufer getan."

Wel­che Kom­pe­ten­zen brau­chen Füh­rungs­kräf­te im Luxus­re­tail heu­te, die vor zehn Jah­ren noch kei­ne ent­schei­den­de Rol­le gespielt haben?

HR muss sich kom­plett ändern. Wir müs­sen uns Zeit neh­men für Inter­views und das per­sön­li­che Ken­nen­ler­nen. Der CV allein sagt doch nichts aus, und manch­mal sind auch Leu­te mit weni­ger tol­len CVs super Ver­käu­fer.

Inter­es­sant, dass Du das sagst. Andern­orts wird über Auto­ma­ti­sie­rung und HR Tech nach­ge­dacht.

Wir haben ein neu­es Talent Team auf­ge­baut. Drei Leu­te, die den gan­zen Tag Inter­views füh­ren und erst­mal sehr offen ins Gespräch gehen. Ich fin­de, wir haben viel zu viel ins Mar­ke­ting inves­tiert und viel zu wenig für die Ver­käu­fer getan. Ich kom­me aus dem Ver­kauf und weiß, was Ver­käu­fer brau­chen. Die Vor­ge­setz­ten müs­sen sich Zeit für ihre Leu­te neh­men und auf der Flä­che und nicht im Büro sein. Füh­rungs­kräf­te sind heu­te viel zu viel mit Admi­nis­tra­ti­on und Sta­tis­ti­ken befasst. Am Ende geht es um Ein­kau­fen und Ver­kau­fen.

Was muss Holt Ren­frew in den nächs­ten drei Jah­ren errei­chen, damit Du Dei­ne Mis­si­on als CEO als Erfolg betrach­test?

Schau Dir die­sen One Pager an. Dar­auf ste­hen drei Din­ge: Ers­tens das Online Busi­ness aus­bau­en. Zwei­tens die Cus­to­mer Expe­ri­ence ver­bes­sern. Drit­tens own buy for­cie­ren, ins­be­son­de­re bei Her­ren.

Heißt own buy auch Eigen­mar­ken?

Dar­an glau­be ich über­haupt nicht. Klar, ein klei­nes Cash­me­re-Pro­gramm kannst Du immer machen. Aber als Ein­zel­händ­ler zu ver­su­chen, ech­te eige­ne Mar­ken auf­zu­bau­en, das wird nicht funk­tio­nie­ren. Das kann die Indus­trie bes­ser. Last but not least ist es übri­gens mei­ne Auf­ga­be, in den kom­men­den Jah­ren einen Nach­fol­ger für mich auf­zu­bau­en. Das hat jedes unse­rer sie­ben Geschäfts­lei­tungs­mit­glie­der in sei­ner Stel­len­be­schrei­bung ste­hen.

Das hat Dein Vor­gän­ger offen­sicht­lich ver­säumt.

Er hat die­sem The­ma weni­ger Beach­tung geschenkt.

Ist es für Dich vor­stell­bar, dass Du für immer in Kana­da bleibst?

Das weiß ich nicht. Mei­ne Frau ist hier. Unse­re Toch­ter ist in der Schweiz. Wir füh­len uns hier schon sehr wohl.

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