
Über mangelnde Frequenz können sie sich in den französischen Innenstädten zurzeit nicht beklagen. Leider anders als der Einzelhandel sich das wünscht.
Im Ernst: Die Bilder, die seit Tagen die Feeds fluten, sind dramatisch. Eingeschlagene Schaufenster, verwüstete Verkaufsräume, Plünderer, die Ware zur Tür raustragen, verzweifelte Ladenbesitzer, die sie daran hindern wollen. 3000 Läden sind an einem Wochenende nach offiziellen Angaben beschädigt worden. Der Schaden wird auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt. Die gestohlene Ware wird jetzt über Wiederverkaufsplattformen wie Vinted und Ebay verhökert. In Mailand, wo es ebenfalls massive Randale gab, haben die Luxury Brands ihre Stores in der Via Montenapoleone vorsorglich komplett leergeräumt.
Betroffen seien nicht nur Läden, sondern die Arbeitsplätze von Menschen, hat ein Manager sehr richtig festgestellt. Aber das scheint die Plünderer, die im Windschatten von an sich legitimen sozialen Protesten randalieren, nicht zu interessieren. Handelt es sich um einen besonders heftigen Ausbruch der legendären französischen Revolutionsmentalität? Oder steht hinter der Gewaltorgie, wie manche mutmaßen, gar organisiertes Verbrechen? Am Ende sind die Krawalle auch ein Symptom des wirtschaftlichen Niedergangs eines hochverschuldeten Landes und der zunehmenden Distanz zwischen einer abgehobenen politischen Klasse und einer veränderungsresistenten Bevölkerung.
Bleibt die Frage, ob uns so etwas auch in Deutschland droht?
Dass ein Bündnis namens 'Gen Z regelt' für den 31. Oktober zu landesweiten Protesten in 20 Städten aufgerufen hat, dürfte manchen Einzelhändler hierzulande besorgen. Ausgerechnet an Halloween, wo man maskiert zunächst gar nicht auffällt. Bis die ersten Steine fliegen. Zwar lehnen die Veranstalter Gewalt nach eigenen Angaben ausdrücklich ab. Aber das war in Frankreich nicht anders.
Kann uns beruhigen, dass man, wenn es nach 'Gen Z regelt' geht, ein Ticket zur Demonstration lösen sollte? Die scheinen ihren Lenin gelesen zu haben: "Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas. Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteinkarte."
Nichtsdestotrotz wird auch hierzulande immer dringlicher, dass die Regierung endlich entschlossen die Probleme angeht und damit – vor allem anderen – dafür sorgt, dass wieder Wirtschaftswachstum möglich wird. Der Investitionsgipfel am Dienstag in Berlin brachte vielleicht keine finanziellen Zusagen, die nicht eh schon geplant waren. Aber das Signal war dennoch wichtig. 800 Milliarden wollen die Unternehmen der Initiative 'Made in Germany' bis 2028 in Deutschland ausgeben.
Besonders beeindruckend ist das 16 Milliarden-Invest von Amazon. 16 Milliarden! Das ist mehr als der komplette deutsche Schuheinzelhandel im Jahr umsetzt. Dagegen muten die Summen, um die Galeria mit Gordon Brothers kämpfen musste, geradezu lächerlich an. Immerhin konnte der Insolvenzverwalter den US-Investor am Dienstag dazu bewegen, das 160 Millionen-Massedarlehen freizugeben, was Galeria im Weihnachtsgeschäft Luft verschafft.
Es gab in Frankreich im Übrigen in all dem Chaos auch positive Szenen: Rührend die Videoclips von Pariser Ladenbetreibern, denen ihre Kunden am Tag danach beim Aufräumen halfen. Von wegen, es gibt keine Kundenbindung mehr. Und in Köln verhüllte Apropos sein Schaufenster („Köln ist soviel besser als das“) und zeigte sich damit solidarisch mit den Kollegen in Paris und Mailand. Hoffentlich braucht es den Schutz nicht wirklich mal.