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"Menschen gehen zu Menschen"

Welche Zukunft hat der Fachhandel im Premium- und Luxus-Segment? Michael Meyer hat für sich eine Antwort gefunden. Der Unternehmer betreibt über 30 Stores, vorwiegend an Resort-Standorten, aber auch in Städten wie Kleve, Hameln und Hamm. Als Partner großer Marken wie Brunello Cucinelli, Max Mara oder Marc Cain und mit seinen13 Multilabel-Stores gehört er in Deutschland zu den führenden Adressen für Luxusmode. Welche Perspektiven sieht er für das Business?

Als vor 13 Jah­ren Eick­hoff sei­ne Türen schloss und Dior den Stand­ort über­nahm, hieß es, das Mul­ti­la­bel-Busi­ness im Luxu­ry-Seg­ment habe kei­ne Zukunft. Nicht zuletzt, weil die Luxu­ry Brands per­spek­ti­visch auf D2C set­zen. Eick­hoff war zudem nicht der Ein­zi­ge, der dicht­ge­macht hat. Du hast seit­dem rund 20 Geschäf­te eröff­net. Was machst Du bes­ser als die Eick­hoffs?

Ich glau­be, als Ein­zel­händ­ler Ver­mie­ter und Mie­ter in einer Per­son zu spie­len, ist schwie­rig. Die Ren­di­ten im Tex­til­ein­zel­han­del, so wie er momen­tan bespielt wird, ste­hen nicht mehr im Ein­klang mit den Mie­ter­war­tun­gen der Immo­bi­li­en­ent­wick­ler in 1A-Lagen. Ich glau­be, das muss man tren­nen. In einer eige­nen Immo­bi­lie eige­nen Ein­zel­han­del zu betrei­ben, das ist ein schlech­tes Busi­ness­mo­dell. Auf der einen Sei­te besteht die Gefahr, dass du dir das ope­ra­ti­ve Geschäft schön­rech­nest. Auf der ande­ren Sei­te ver­zich­test Du auf mög­li­che Erträ­ge.

Das Ergeb­nis ist dann so wie bei P&C, wo der Ver­mie­ter Clop­pen­burg den Mie­ter Clop­pen­burg vor die Tür setzt?

Die Mar­gen im Mul­ti­la­bel­han­del ermög­li­chen eben nicht mehr die Mie­ten, die wir heu­te in den Top 1A-Lagen haben. Um auf Dei­ne Fra­ge nach Eick­hoff zurück­zu­kom­men: Wenn ich auf der Königs­al­lee einen Laden betrei­ben möch­te, geht das aus mei­ner Sicht nur über eine ver­ti­ka­le Struk­tur. Für einen Mul­ti­la­bel-Händ­ler wie uns dort ein Geschäft zu betrei­ben, das wird sich nicht rech­nen.

Einen Part­ner­s­to­re schon oder?

Ja. Wir sind da ja mit Bru­nel­lo Cuci­n­el­li. Wir haben uns aber seit mitt­ler­wei­le 20 Jah­ren neben den Stores, die wir Innen­stadt­la­gen haben, stra­te­gisch auf Resort-Stand­or­te kon­zen­triert. Auch weil wir wis­sen, dass die Mar­ken sel­ber dort nicht aktiv wer­den wol­len.

Michael meyer kampen aussenansicht
Micha­el Mey­er-Store in Kam­pen: Den Kun­den vor Ort ver­ste­hen.

Ihr betreibt Stores in Kitz­bü­hel, in Gstaad, am Tegern­see. Elf sind es allein auf Sylt, neben drei Micha­el Mey­er-Geschäf­ten sind es Part­ners­to­res mit Bot­te­ga Vene­ta, Max Mara, Juvia, Marc O’Polo, Marc Cain, Tod‘s, Loe­we und Bru­nel­lo Cuci­n­el­li. War­um über­las­sen die Brands Dir die­ses Geschäft?

Es sind schon sehr spe­zi­el­le Stand­or­te. Urlaubs­re­gi­on, das hört sich so ein­fach an. Ist es aber nicht. Du hast dort eine extre­me Sai­so­na­li­tät. In Gstaad machen wir in zwei­ein­halb Mona­ten 80 Pro­zent unse­res Jah­res­um­sat­zes. Das ist auch eine logis­ti­sche Her­aus­for­de­rung. Die Mit­ar­bei­ter­struk­tur ist ganz anders. Wir haben allein auf Sylt 18 Woh­nun­gen, die wir unse­ren Mit­ar­bei­tern zur Ver­fü­gung stel­len. Dies stellt eine zusätz­li­che Miet­be­las­tung dar. Wir haben einen Fun­dus an Sai­son­kräf­ten, die teil­wei­se rei­sen. Aber man braucht auch einen fes­ten Stamm. Wir wol­len unse­re Geschäf­te ganz­jäh­rig geöff­net hal­ten. Dadurch, dass wir schon rela­tiv lan­ge an die­sen Stand­or­ten sind, haben wir eine ganz gute Kun­den­ba­sis. Und die Mar­ken brau­chen natür­lich auch an die­sen Stand­or­ten einen Zugang zum Kun­den.

Die Brands scheu­en den Auf­wand?

Die Umsatz­er­war­tun­gen der gro­ßen Mar­ken an ein Mono­brand-Geschäft, die sind heu­te exor­bi­tant. Da gibt es nur weni­ge Orte, wo es sich lohnt, dass sie es selbst machen. Und das sind meis­tens dann inter­na­tio­na­le Hot­spots. Unse­re Stand­or­te sind ja von der Kun­den­struk­tur her rela­tiv deutsch.

Neben der Resort-Lagen habt Ihr auch noch Mul­ti­la­bel-Läden in Bochum, in Kle­ve, in Hamm, in Hameln. Das sind jetzt nicht gera­de als Luxus­stand­or­te bekann­te Desti­na­ti­ons. Wie geht das Geschäft denn dort?

Das ist unse­re Basis. Da kom­men wir her, und ich glau­be auch, dass das die Grund­la­ge ist für die Art, wie wir Kun­den­ser­vice leben. In der klei­nen Stadt bekommt man den Kun­den nicht auf dem Sil­ber­ta­blett prä­sen­tiert. Son­dern da muss man wirk­lich ganz stark am Kun­den arbei­ten und ihm etwas bie­ten, damit er immer wie­der­kommt. An den Resort-Stand­or­ten haben wir wöchent­lich auto­ma­tisch neue Kun­den. In Bochum bedie­ne ich immer den glei­chen Klei­der­schrank. Pre­mi­um in Ver­bin­dung mit einem guten Kun­den­ser­vice funk­tio­niert nach wie vor.

Was ist Dir das lie­be­re Geschäft? Mul­ti­brand oder Mono­la­bel?

Ach das weiß ich gar nicht. Ich ver­glei­che das gar nicht so. Was ist schö­ner: Kitz­bü­hel oder Sylt? Ich fin­de,  bei­des macht Spaß.

Ich den­ke mir, dass Mul­ti­la­bel mehr Arbeit macht.

Es ist über­all viel Arbeit. Wir hat­ten nie eine homo­ge­ne Fili­al­struk­tur, son­dern wir haben uns immer mit jedem Store, mit jeder Loca­ti­on, mit jedem Markt sehr indi­vi­du­ell aus­ein­an­der­ge­setzt. Unser Store am Tegern­see sieht ganz anders aus als unser Store in Kitz­bü­hel, und auch von der Sor­ti­ments­struk­tur sind sie völ­lig unter­schied­lich. Wir ver­su­chen immer, den Kun­den vor Ort zu ver­ste­hen.

Gar kei­ne Syn­er­gien?

Es steht über­all Micha­el Mey­er drü­ber, und somit erwar­tet der Kun­de auch eine bestimm­te Aus­sa­ge und den­sel­ben hohen Anspruch. Aber im Detail kön­nen wir uns schon sehr indi­vi­du­ell auf die unter­schied­li­chen Stand­or­te ein­stel­len.

"Entscheidend ist, den Kunden am Point of Sale ein gutes Gefühl zu geben. Der Kunde kommt auch zu uns, weil er Teil unserer Story sein möchte, der freut sich, ihm vertraute Mitarbeiter wiederzusehen. Nur ein teures Produkt hinzuhängen und an der Preisschraube der Positionierung wegen zu schrauben, das wird nicht funktionieren."

Was sind für Dich aktu­el­le Her­aus­for­de­run­gen, mit Blick auf den Ver­kauf und mit Blick auf Dei­ne Mar­ken-Part­ner?

Grund­sätz­lich muss man sagen, sind wir ganz zufrie­den. Ein The­ma ist aber auch für uns, exter­ne Mit­ar­bei­ter zu fin­den. Im Ver­kauf ist das ganz, ganz schwie­rig. Wir müs­sen heu­te viel mehr für unse­re 200 Mit­ar­bei­ter tun und aus­bil­den, was wir auch in Koope­ra­ti­on mit der LDT Nagold machen. Men­schen gehen zu Men­schen. Dar­auf Fokus zu legen, das muss unse­re Auf­ga­be sein.

Das kos­tet.

Natür­lich. Es wird schwie­ri­ger. Wir haben ja in allen Berei­chen eine Kos­ten­ex­plo­si­on. Wenn ich den Ser­vice­le­vel bei­be­hal­ten möch­te, und im Luxus­seg­ment ist das ganz ent­schei­dend, dann brau­che ich auch eine ent­spre­chen­de Mar­ge.

Da dürf­ten die star­ken Mar­ken, mit denen Ihr zusam­men­ar­bei­tet, weni­ger offen sein, oder?

Die Mar­ken haben ja das glei­che Pro­blem der stei­gen­den Kos­ten, und natür­lich ist da wenig Spiel­raum.

Was ist die Lösung?

Ich den­ke, dass auch die Lie­fe­ran­ten umden­ken müs­sen und ihre Kol­lek­ti­ons­struk­tu­ren und Kol­lek­ti­ons­rhyth­men unbe­dingt bes­ser an den Markt anpas­sen müs­sen.

Machen die das nicht jede Sai­son?

Vie­le den­ken immer noch zu sehr aus einer Ver­triebs­kol­lek­ti­ons­ent­wick­lung und nicht vom End­kun­den. Das machen die Ver­ti­ka­len und auch ein Shein bes­ser. Wür­de es stär­ker nach­fra­ge­ge­steu­ert lau­fen, hät­ten wir nicht so vie­le Über­hän­ge und Restan­ten. Dort ver­liert man am Ende ja das Geld.

In den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren wur­de viel über die Kri­se der Luxus­bran­che gere­det. Glo­bal ist das wegen des ein­bre­chen­den Chi­na-Geschäfts und dem Iran-Krieg sicher der Fall. In Euro­pa war das Busi­ness aber eini­ger­ma­ßen sta­bil. Wie stellt sich das aus Dei­ner POS-Sicht dar? 

Gene­rell ist das sicher­lich rich­tig. Aber es gibt auch tol­le Aus­nah­men. Schau Dir Bru­nel­lo Cuci­n­el­li an. Die brin­gen ein exzel­len­tes Pro­dukt, sind kon­sis­tent in ihrer Mar­ken­füh­rung, tref­fen den Life­style ihrer Kun­den an allen Touch­points. Ent­schei­dend ist nicht zuletzt, den Kun­den am Point of Sale ein gutes Gefühl zu geben. Das ist bei uns im Mul­ti­la­bel-Busi­ness nicht anders. Der Kun­de kommt auch zu uns, weil er Teil unse­rer Sto­ry sein möch­te, der freut sich, ihm ver­trau­te Mit­ar­bei­ter wie­der­zu­se­hen. Nur ein teu­res Pro­dukt hin­zu­hän­gen und an der Preis­schrau­be der Posi­tio­nie­rung wegen zu schrau­ben, das wird nicht funk­tio­nie­ren. Dafür ist der Kun­de heu­te zu mün­dig.

Du spielst dar­auf an, dass die Prei­se in die Kri­tik gera­ten sind. Die Skan­dal­be­rich­te aus Ita­li­en, wo Luxu­ry Brands ihre Taschen in Sweat­shops bil­lig zusam­men­schrau­ben las­sen, haben auch nicht gehol­fen.

Ich den­ke schon, dass die Leu­te sich heu­te viel mehr mit den Mar­ken aus­ein­an­der­set­zen, die sie inter­es­sie­ren. Und wer sieht, was hin­ter einem Pro­dukt wie Bru­nel­lo Cuci­n­el­li steckt, der darf den Preis ja gar nicht mehr in Fra­ge stel­len. Da kau­fe ich ein biss­chen mehr als nur Ware.

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Micha­el Mey­er-Store in Kam­pen: Noch stär­ker am Kun­den arbei­ten und für einen exzel­len­ten Ser­vice sor­gen.

Wir reden die gan­ze Zeit über Luxus. Du betreibst aber auch Stores mit Marc O‘ Polo und zwei Juvia- Läden auf Sylt. Wie passt das denn in die­ses Port­fo­lio?

Grund­sätz­lich den­ke ich, dass man sich als Unter­neh­men breit auf­stel­len muss. War­um nicht auch unter­schied­li­che Seg­men­te bespie­len. Am Ende zählt für mich das Mensch­li­che. Marc O‘ Polo passt sehr gut zu unse­ren Wer­ten. Das ist ein­fach ein tol­les Unter­neh­men, und es macht auch in der Zusam­men­ar­beit wahn­sin­nig viel Spaß. Wir müs­sen uns ja auch immer die Fra­ge stel­len, wel­che Unter­neh­men auch in zehn Jah­ren noch gut daste­hen. Und ich glau­be, da bie­tet Marc O‘ Polo gro­ße Chan­cen.

Siehst Du noch wei­te­re Brands, mit denen es Spaß machen könn­te?

Auf neue Brands sind wir jetzt nicht so scharf, ehr­lich gesagt. Das ist auch eine Fra­ge der Effi­zi­enz. Wir sind ja kein klas­si­scher Filia­list und des­we­gen ope­ra­tiv schon sehr kom­plex.

Wei­te­re Marc O’Polo-Stores?

Wenn wir dort Chan­cen sehen, dann schau­en wir uns das sicher­lich an.

Wei­te­re Resort-Stand­or­te?

Wir schau­en uns zunächst die Stand­or­te, an denen wir bereits sind, sehr gut an. Wir haben auf Sylt auch mit einem Laden vor 20 Jah­ren ange­fan­gen, und mitt­ler­wei­le sind es drei­zehn. Wir schau­en nicht zwin­gend nach neu­en Stand­or­ten. So vie­le gibt es auch gar nicht, die in Fra­ge kom­men, und wir füh­len uns an den Stand­or­ten in drei Län­dern, an denen wir momen­tan sind, wohl.

Auch über das The­ma E‑Commerce haben wir noch nicht gespro­chen. Ihr arbei­tet ja mit Far­fetch gear­bei­tet. Wie läuft das?

Wir sind dort wie­der stär­ker aktiv, und das wächst auch sehr schön. Wir haben das bewusst eine Zeit­lang run­ter­ge­fah­ren, weil die Mar­gen­si­tua­ti­on dort kei­ne Ren­di­te mehr zuließ. Das sieht mitt­ler­wei­le wie­der anders aus. Man ist dort sehr koope­ra­tiv.

Ist ein eige­ner Web­shop für Dich vor­stell­bar? Hast Du jemals dar­an gedacht? Oder bist Du froh, dass Du den Schritt nicht gegan­gen bist. Die­ses Feld hat sich ja ziem­lich kon­so­li­diert: YNAP, Matches, Lui­sa Via Roma – alle­samt in der Kri­se oder ver­kauft.

Eige­ner Online­han­del ist defi­ni­tiv kein The­ma. Mythe­re­sa hat dort eine ganz tol­le Erfolgs­ge­schich­te geschrie­ben. Es wäre ein biss­chen anma­ßend, da jetzt noch antre­ten zu wol­len.

Wie geht es wei­ter mit Micha­el Mey­er? Was sind Eure Plä­ne für die nächs­ten drei bis fünf Jah­re?

Wich­tig ist jetzt, dass wir noch stär­ker am Kun­den arbei­ten und für einen exzel­len­ten Ser­vice sor­gen. Wir müs­sen den Kun­den ganz stark in den Fokus stel­len und haben da sehr, sehr vie­le Mög­lich­kei­ten. Dafür muss ich nicht unbe­dingt expan­die­ren.

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