Dinner mit Scott Schuman: Vom „Sartorialist“ zum Modemacher

Was mag im Kopf von Scott Schuman vorgegangen sein, als er gestern im Wertheim Village einen Auftritt absolvierte? Der Mann mit Wohnsitz in New York, der für seinen berühmten Blog „The Sartorialist“ an allen Hotspots der Modewelt unterwegs ist, in dem pittoresken Outlet-Center in der unterfränkischen Provinz? Zu dem Podiumsgespräch eingeladen waren andere Modeblogger und Modestudenten. Ein wenig skuril war das schon. Aber warum soll so was auch immer nur in Berlin stattfinden. Ob die Schnäppchenjäger im Wertheim Village realisiert haben, worum es bei der Convention ging?

Der Outlet-Center-Betreiber Value Retail will seine Fabrikverkaufszentren modisch positionieren. Die neun europäischen Standorte vermarktet man unter der Dachmarke „Chic Outlet Shopping“. Dazu gehören solche Termine. Das Kalkül ist wohl, dass die von den PR-Profis von Haeberlein & Maurer eingeladenen Blogger anschließend munter berichten. Ich bin ihnen hiermit schon mal auf den Leim gegangen.

Scott Schuman schlägt aus seinem vielzitierten Status als einer der „Top100-Meinungsführer im Designbereich“ (Time Magazine) Kapital. Nach 15 Jahren in der Modeindustrie sattelte er 2005 auf Fotografie um und gründete „The Sartorialist„: Dort zeigt Schuman großartige Fotos von interessant gekleideten Menschen – Leute, von denen sich die Kreativen aus dem Business und viele  Modeinteressierte inspirieren lassen. Der Sartorialist war einer der ersten Streetstyle Blogs und ist bis heute wohl einer der einflussreichsten. Angeblich 60.000 schauen sich jeden Tag an, was Scott postet. Schuman hat es mit seiner Arbeit nicht zuletzt zu etlichen Aufträgen von GQ über Vogue bis hin zu Saks Fifth Avenue gebracht. Und eben nach Wertheim.  

Am Abend luden Value Retail und Haeberlein & Maurer einen kleineren Kreis zum Dinner mit Scott Schuman ins Goldman 25 Hours Hotel nach Frankfurt ein. Es war, wie man sieht, ziemlich dunkel. Jedenfalls ist Schuman definitiv ein besserer Fotograf als ich. Er erzählte uns von seinen neuesten Plänen. So hat er gerade die Pilotsendung für eine eigene TV-Show abgedreht, die demnächst anlaufen soll. Zweites Projekt ist eine eigene Kollektion, die er in Lizenz unter dem Namen ‚Sartorialist‘ produzieren lassen und online über seine Website vertreiben will. Schuman wäre damit der erste Blogger, der vom Modegucker zum Modemacher würde. 

Ob er vor fünf Jahren gedacht hätte, dass so etwas aus der Blog-Idee werden könnte? Ja, sagt Scott Schuman spontan und mit dem unnachahmlichen Nachdruck eines amerikanischen Businessmans. Er habe immer mit voller Power und Enthusiasmus an seinem Projekt gearbeitet. Man kann gar nicht anders, als ihm das abzunehmen.

 

 

profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

7 thoughts on “Dinner mit Scott Schuman: Vom „Sartorialist“ zum Modemacher

  1. Nice! Very nice!! …ja, ich bin etwas neidisch. Verfolge seinen Blog etwas länger und „knipsen“ kann er einfach. 😉

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