Passiert large

Luxus geht immer?

Img
Jür­gen Mül­ler

Von wegen! Der Absatz von Super­yach­ten ging im ver­gan­ge­nen Jahr um 17 Pro­zent zurück, wie das Maga­zin Super­yacht-Times mit­teilt. Nicht dass wir sowas lesen, das stand in der SZ. Weil die rus­si­schen Olig­ar­chen als Käu­fer aus­blei­ben, erlebt die Bran­che einen Ein­bruch. Gleich­zei­tig ist es so, dass die Schif­fe immer grö­ßer (und teu­rer) wer­den. Die Scheichs ver­fü­gen durch­schnitt­lich über 62 Meter, die Rus­sen 61 Meter und die Ame­ri­ka­ner 54 Meter. Manch­mal kommt es eben doch auf die Län­ge an.

Aber war­um soll­te es den Werf­ten auch bes­ser gehen als der Luxus­in­dus­trie. Nach den die­se Woche vor­ge­leg­ten Ergeb­nis­sen ver­zeich­net LVM nur noch ein mick­ri­ges Wachs­tum von 3 Pro­zent, der Absatz vom Cham­pa­gner war sogar rück­läu­fig. An weni­ger Schiffstau­fen allein kann das nicht lie­gen. Die Fla­sche Ruin­art Rosé kos­te­te beim Wein­händ­ler um die Ecke unlängst noch 60 Euro, inzwi­schen sind es an die 90. Es gibt dort gott­sei­dank auch ordent­li­chen Cré­mant.

Auch Arnault-Riva­le Kering muss­te im ers­ten Halb­jahr ein hohes Umsatz­mi­nus und einen dras­ti­schen Gewinn­ein­bruch hin­neh­men. Schuld ist Guc­ci, des­sen Umsatz um 21 Pro­zent geschrumpft ist. Von der Cash-cow zur Crash-Cow sozu­sa­gen. Es ist ein wei­te­rer Beleg für das eher­ne Gesetz im Mode­busi­ness: Je grö­ßer der Hype, des­to schnel­ler geht’s mit einer Mar­ke wie­der run­ter. Saba­to de Sar­no scheint den Nie­der­gang einst­wei­len nicht auf­hal­ten zu kön­nen.

Sein Vor­gän­ger Ales­san­dro Miche­le wur­de bekannt­lich als neu­er Chef­krea­ti­ver von Valen­ti­no ver­pflich­tet. Nach den eben­falls die­se Woche vor­ge­leg­ten Jah­res­er­geb­nis­sen wis­sen wir jetzt auch, war­um man den lan­ge sehr erfolg­rei­chen Pier­pao­lo Pic­cio­li gegen den Ex-Guc­ci-Macher aus­ge­tauscht hat. Mal sehen, ob die exal­tier­te Miche­le-Show bei Valen­ti­no ihre naht­lo­se Fort­set­zung erfährt. Viel­leicht ist Miche­le ja so klug, eine Sym­bio­se aus der ele­gan­ten Valen­ti­no-Heri­ta­ge und sei­nem insta­gra­ma­blen Floh­markt­look zu ver­su­chen.

Die Zah­len bestä­ti­gen im Übri­gen, wie sehr die Luxus­in­dus­trie mitt­ler­wei­le von Chi­na abhän­gig ist. LVMH und Kering haben die Kon­sum­lau­ne der Chi­ne­sen nega­tiv zu spü­ren bekom­men, auch Zegna ver­zeich­net bei ins­ge­samt guter Ent­wick­lung ein schlep­pen­des Geschäft im Reich der Mit­te. Bei Pra­da ist es umge­kehrt: die Haupt­li­nie und ihre klei­ne Schwes­ter Miu Miu haben von einer gestie­ge­nen Nach­fra­ge in Chi­na pro­fi­tiert. Um 16 Pro­zent ging es im ers­ten Quar­tal ins­ge­samt nach oben, Miu Miu wuchs sogar um 89 Pro­zent. Auch Her­mès konn­te die Erwar­tun­gen der Ana­lys­ten auf­grund eines über­ra­schend guten Chi­na-Plus im ers­ten Quar­tal über­tref­fen.

In einem politisch forcieren Derisking oder gar einem Decoupling liegt ein großes Risiko für LVMH & Co. Jeder Spion, der den Behörden ins Netz geht, muss die Risikomanager in Paris besorgen.

Chi­na ist für west­li­che Anbie­ter Chan­ce und Risi­ko zugleich. Da geht es den fran­zö­si­schen und ita­lie­ni­schen Luxu­ry Brands nicht anders als der deut­schen Auto­in­dus­trie. So wie die Chi­ne­sen Beklei­dung fer­ti­gen kön­nen, beherr­schen sie inzwi­schen auch die kom­ple­xe­re Auto­pro­duk­ti­on, tech­nisch sind sie VW & Co sogar über­le­gen, wie man auf der ges­tern in Peking eröff­ne­ten Mes­se Auto Chi­na sehen kann.

Das Distink­ti­ons­po­ten­zi­al von euro­päi­schen Luxus­mar­ken basiert indes nicht nur pro­duk­ti­ons­tech­ni­schem Kön­nen, son­dern auch auf einer über Jahr­zehn­te gewach­se­nen Heri­ta­ge. Des­we­gen wer­den die chi­ne­si­schen Luxus-Kun­den bestimmt noch eine gan­ze Wei­le lie­ber Dior oder Pra­da tra­gen oder Mer­ce­des und Por­sche fah­ren.

Nichts­des­to­trotz liegt in einem poli­tisch for­cie­ren Deris­king oder gar einem Decou­pling ein gro­ßes Risi­ko für LVMH & Co. Jeder Spi­on, der den Behör­den im Wes­ten ins Netz geht, muss die Risi­ko­ma­na­ger in Paris sor­gen.

+++++

Was ist sonst noch so pas­siert im Luxus­busi­ness?

Gior­gio Arma­ni hat im Inter­view mit Bloom­berg einen Ver­kauf oder einen Bör­sen­gang nicht aus­ge­schlos­sen. „Es ist eine Opti­on, die hof­fent­lich in fer­ner Zukunft in Betracht gezo­gen wer­den kann“, for­mu­lier­te er etwas gewun­den. Fer­ne Zukunft? Der 89jähige hät­te auch sagen kön­nen: „Das wer­de ich nicht mehr erle­ben.“

Hedi Sli­ma­ne soll bei Celi­ne vor dem Absprung ste­hen. Angeb­lich ist ein Nach­fol­ger schon beru­fen. Ob dann der accent aigu wie­der­kommt?

Hand­ta­schen­de­si­gne­rin Nan­cy Gon­za­lez (71) wur­de in Miami zu 18 Mona­ten Haft ver­ur­teilt, weil sie jah­re­lang Taschen aus ver­bo­te­nem Kro­ko­le­der ins Land geschmug­gelt hat. Bis­lang waren Grau­im­por­te eine Domä­ne der Pos­ten­händ­ler.

Die US-Kar­tell­be­hör­de blo­ckiert die Fusi­on von Capri und Tapestry. Coach und Micha­el Kors könn­ten zusam­men eine markt­be­herr­schen­de Stel­lung bei Hand­ta­schen bekom­men und die Prei­se anhe­ben, so die Befürch­tung der Kar­tell­wäch­ter. Dabei hat der Rest des Mark­tes längst vor­ge­macht, dass Preis­er­hö­hun­gen auch ohne Fusio­nen mög­lich sind.

Vor ein paar Tagen hat Jaque­mus noch eine Braut­mo­den­kol­lek­ti­on lan­ciert. Jetzt wur­den er und sein Ehe­mann Väter von Zwil­lin­gen. So schnell kann‘s heut­zu­ta­ge gehen.

Phil­ipp Plein hat eine pom­pö­se Gen­der Reve­al-Par­ty gege­ben. „It’s a Boy!“, ver­kün­de­te er via Insta­gram. Der vier­te übri­gens. Es sah eigent­lich alles aus wie bei der Fei­er vor gut einem Jahr. Nur dass die Mut­ter, wenn man genau hin­schaut, eine ande­re ist. Am sel­ben Tag kuschel­te Pleins Ex Lucia Bar­to­li aus­nahms­wei­se unge­schminkt mit den bei­den Söh­nen Rocket und Rouge in einem put­zi­gen Clip, eben­so auf Insta­gram. Ob man im Plein-Uni­ver­sum für so sub­ti­le Bot­schaf­ten emp­fäng­lich ist?