
Manchmal überholt die Realität die Fantasie. Vor vier Jahren hatte ich in einem Beitrag spekuliert, dass Mike Ashley seine Anteile an der Hugo Boss AG aufstocken wolle. Daraufhin rief die Pressestelle aus Metzingen an, woher ich das denn wisse. Ich wusste es gar nicht. Es handelte sich um einen Nebensatz in einem Aprilscherz, den ich mir gelegentlich erlaube. Boomer-Humor halt. Am selben Nachmittag schlugen die Briten zu und erhöhten ihre Beteiligung signifikant. Es war reiner Zufall.
Ich sollte der PR-Mitarbeiterin später dann noch schriftlich bestätigen, dass es sich um einen Aprilscherz handelte. Ich dachte eigentlich, das sei offensichtlich; in der abstrusen "Nachricht" ging es um Agent Provocateur-Wäsche für die Bundeswehr. Aber bei Insidergeschäften hört der Spaß halt auf.
Nachdem die Frasers Group seit Jahren in Metzingen zukauft, konnte es eigentlich keine Überraschung sein, dass irgendwann die Schwelle für das gesetzlich vorgeschriebene Pflichtangebot erreicht sein würde. Der Vorstoß sei nicht abgestimmt gewesen, ließ Hugo Boss dennoch etwas pikiert verlauten. Aktienrückkäufe zur Kurspflege braucht es fürs Erste jetzt nicht mehr. So konnte der Großaktionär dem Aufsichtsratsvorsitzenden denn auch großherzig das Vertrauen aussprechen, das zuvor im Streit um die Dividendenpolitik doch so erschüttert worden war.
Der Zeitpunkt der Fraser-Intervention ist günstig und ungünstig zugleich. Der Konzernumbau in Metzingen läuft auf Hochtouren. Viele Mitarbeitende finden sich im Organigramm an anderer Stelle wieder, etliche müssen auch physisch in neue Büros umziehen, einige müssen gehen. In so einer Situation kann der Vorstand keine weitere Unruhe gebrauchen.
Dafür mag es faktisch keinen Grund geben. Denn noch ist nicht raus, ob die anderen Aktionäre auf das wenig attraktive Angebot eingehen. Und wenn, dann müsste man sich um das Unternehmen Hugo Boss wohl kaum Sorgen machen. Der Retail-Konzern Fraser hat anders als ein reiner Finanzinvestor auch strategische Interessen. Was ein möglicherweise veränderter Shareholderansatz für den einzelnen Mitarbeiter bedeutet, steht indes auf einem anderen Blatt.
Günstig ist der Zeitpunkt aus Sicht der Frasers Group. Der Aktienkurs der Hugo Boss AG hatte sich zuletzt etwas erholt, liegt aber immer noch um rund 50 Prozent unter dem Höchststand 2023. Die Leerverkäufer, die dem Vorstand seit Monaten im Nacken sitzen, haben ihre Positionen jetzt stark reduziert. All das spricht dafür, dass der Kurs sich nach oben entwickeln könnte.
Hier treffen sich die Interessen von Aktionären und Vorstand. 2026 markiert für Hugo Boss ein Jahr des Übergangs. Das Unternehmen macht sich fit, um dann 2027 wieder glänzende Ergebnisse melden zu können. CEO Daniel Grieder optimiert Hugo Boss nicht zuletzt auf seinen persönlichen Exit. Sein Vertrag läuft im Dezember 2028 aus.
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Und sonst?
…verkündet die Unitex, dass L&T von der Katag zur Zentralregulierung nach Neu-Ulm wechselt. Üblicherweise wird sowas nicht in die Öffentlichkeit getragen. Immerhin hatte man den Anstand, die Nachricht nicht vor der Katag-Cheftagung zu verkünden. Dass man das renommierte Unternehmen des BTE-Präsidenten vom Marktführer loseisen konnte, ist ein ziemlicher heftiger Tritt vors Schienbein der Bielefelder. Die Intersport-Connection, die Unitex wie L&T haben, dürfte eine wesentliche Rolle bei der Anbahnung der Partnerschaft gespielt haben.
.…wirbt Hirmer im Münchner Lokalradio mit 30% auf Alles. Wegen Wasserschadens. Den Rabatt gibt's auch im Onlineshop.
…ist Adidas vorübergehend das V ausgegangen. Deswegen konnte man keine Trikots von Undav, Pavlovic und Havertz mehr beflocken. Das kann schon mal passieren, schließlich gehört das V im Deutschen zu den seltenen Buchstaben (Platz 22 von 26). Nur gut, dass Xhaka, Yunus Musah und Zaire-Emery nicht in Adidas auflaufen.