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Aus für Weltstadthäuser?

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Jür­gen Mül­ler

"Schau­en Sie sich in der Zwi­schen­zeit doch mal den neu­en P&C auf der Zeil an und sagen Sie uns, was Sie dar­über den­ken." Mit die­sem "Arbeits­auf­trag" hat­te Jörg Hintz das Bewer­bungs­ge­spräch unter­bro­chen, zu dem mich die Tex­til­Wirt­schaft nach Frank­furt ein­ge­la­den hat­te. Am Nach­mit­tag des­sel­ben Tages soll­te ich den TW-Chef­re­dak­teur ein wei­te­res Mal tref­fen. Ich bin anschlie­ßend mit einer Zusa­ge nach Hau­se gefah­ren. So ein­fach ging Recrui­ting Ende der Acht­zi­ger. Es hat der TW und mir nicht gescha­det.

Aber es soll hier nicht um mich oder die Tex­til­Wirt­schaft gehen, son­dern um P&C. Das "Welt­stadt­haus" in Frank­furt hat­te im Jahr zuvor eröff­net und in der Bran­che für gro­ßes Auf­se­hen gesorgt. Es war ein für die dama­li­gen Zeit uner­hört gro­ßes, sor­ti­ments­mä­ßig und bau­lich beein­dru­cken­des Geschäft, mit dem P&C in vie­ler­lei Hin­sicht in neue Dimen­sio­nen vor­ge­sto­ßen war. Frank­furt soll­ten ähn­lich kolos­sa­le Bau­ten in Ber­lin, Köln, Düs­sel­dorf und Wien fol­gen.

Die "Welt­stadt­häu­ser" waren in den 90er und 2010er Jah­ren die Aus­hän­ge­schil­der, die P&Cs Image in der Bran­che und nicht zuletzt das Bild der Mar­ke bei den Kun­den präg­ten. In den sei­ner­zeit selbst­stän­dig ope­rie­ren­den Häu­sern bil­de­te P&C künf­ti­ge Zen­tral­ein­käu­fer aus und zog sei­nen Füh­rungs­nach­wuchs her­an. Die fürst­lich bezahl­ten Geschäfts­füh­rer waren auch andern­orts begehrt. Nicht weni­ge saßen und sit­zen in den Füh­rungs­eta­gen von Han­del und Indus­trie. Vor allem aber waren die zwi­schen 11.000 und 16.000 m² gro­ßen Flagg­schif­fe die wich­tigs­ten Umsatz- und Pro­fit­brin­ger für P&C.

Das hat sich gründ­lich geän­dert, und man kann sich natür­lich fra­gen, war­um das so ist. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren haben die Düs­sel­dor­fer ihr Busi­ness zuneh­mend zen­tra­li­siert und stan­dar­di­siert. Die Rie­sen­häu­ser pass­ten nicht mehr ins Ras­ter. Das Ergeb­nis waren aus­tausch­ba­re Sor­ti­men­te und öde Flä­chen, auf denen man Ver­käu­fer suchen muss. Auch P&C‑Führungskräfte sind im Fach­han­del nicht mehr so gefragt, nach­dem man ihnen in den Augen vie­ler Mit­tel­ständ­ler das Unter­neh­me­ri­sche aus­ge­trie­ben hat.

Ein Stück weit sind die­se Pro­ble­me also haus­ge­macht. Wirk­lich auf­re­gen­der Ein­zel­han­del pas­siert lokal, maxi­mal kun­den­nah. Dem gegen­über ste­hen die Ska­lie­rungs­zie­le eines Zen­tral­ein­kaufs und die Kon­troll­be­dürf­nis­se einer Unter­neh­mens­lei­tung. So lokal wie mög­lich und so zen­tral wie nötig, das soll­te die Leit­li­nie sein. In den meis­ten Fili­al­sys­te­men set­zen sich dage­gen frü­her oder spä­ter die Risi­ko­scheu und damit die Zen­tra­lis­ten durch. Meist aus guten Grün­den, aber mit den Fol­gen, die wir jetzt bei P&C sehen.

Keine gute Nachricht für die Markenindustrie, die auf den Multilabel-Handel als Vertriebskanal angewiesen ist und nun ihre D2C-Bemühungen verstärken wird müssen.

So erscheint die Ver­mie­tung als die pro­fi­ta­ble­re Alter­na­ti­ve. Das kann man als ein­zel­händ­le­ri­sche Bank­rott­erklä­rung sehen, ent­springt aber dem öko­no­mi­schen Kal­kül eines unsen­ti­men­ta­len Unter­neh­mers, der schon mit der über­ra­schen­den Insol­venz im März 2023 gezeigt hat, dass er zu radi­ka­len Ent­schei­dun­gen imstan­de ist. Was das mit den Mit­ar­bei­ten­den und der Arbeit­ge­ber­mar­ke macht, steht auf einem ande­ren Blatt. Es wirkt ein wenig so, als räu­me Patrick Clop­pen­burg zudem mit dem Ver­mächt­nis sei­nes Vaters auf, der sich mit den von Star-Archi­tek­ten ent­wor­fe­nen Häu­sern auch Denk­mä­ler gesetzt hat.

"200 Mil­lio­nen, Herr Mül­ler!", sag­te Har­ro Uwe Clop­pen­burg, als wir im Sep­tem­ber 2011 beim Ope­ning vor dem Welt­stadt­haus in Wien zusam­men­stan­den. Dar­in schwang durch­aus Sor­ge mit, das Invest kön­ne sich womög­lich nicht aus­zah­len. Der damals 71jährige wuss­te, dass der ver­ti­ka­le Wett­be­werb auch dem kraft­strot­zen­den P&C gefähr­lich wer­den konn­te. "Wenn ich die Zeil run­ter­ge­he und sehe, wie sich die Ärsche bei H&M rei­ben, wäh­rend bei uns deut­lich weni­ger los ist, dann stimmt mich das schon nach­denk­lich", sag­te er mir ein­mal bei ande­rer Gele­gen­heit. Die Ver­su­che, Eigen­mar­ken wie McNe­al, Review oder Chris­ti­an Berg zu ver­ti­ka­len Brands zu ent­wi­ckeln, schei­ter­ten indes an der eige­nen, unwil­li­gen Orga­ni­sa­ti­on und kurz­fris­ti­gen Ren­di­te­er­war­tun­gen. Dass jetzt aus­ge­rech­net der ver­ti­ka­le Bran­chen­pri­mus Indi­tex Mie­ter in sei­nen Welt­stadt­häu­sern wer­den wür­de, muss der 2023 ver­stor­be­ne Patri­arch nicht mehr erle­ben.

Man kann es als Mene­te­kel sehen, als "Unter­gang des tex­ti­len Abend­lan­des", wie einer auf Lin­ke­dIn etwas wind­schief schrieb. Nach­dem der inha­ber­ge­führ­te Fach­han­del längst aus den 1a-Lagen der Groß­städ­te ver­schwun­den ist, wer­den jetzt die gro­ßen Mul­ti­la­bel-Filia­lis­ten ver­drängt. Die­se Woche hat auch Gale­ria 33 sei­ner 83 Häu­ser zur Dis­po­si­ti­on gestellt. Das sind kei­ne guten Nach­rich­ten für die Mar­ken­in­dus­trie, die auf den Mul­ti­la­bel-Han­del als Ver­triebs­ka­nal ange­wie­sen ist und nun ihre D2C-Bemü­hun­gen ver­stär­ken wird müs­sen.

Die Nach­richt, die Jörg Nowi­cki für die TW recher­chiert hat, wur­de von P&C wie von Indi­tex übri­gens nicht bestä­tigt. Aber auch nicht demen­tiert. Gehen wir mal davon aus, dass mein Ex-Kol­le­ge kei­ner Ente auf­ge­ses­sen ist. Er ist schließ­lich von einer kom­pe­ten­ten Chef­re­dak­ti­on ein­ge­stellt wor­den.

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