
Mike Ashley hat sein Ziel erreicht: Frasers hält jetzt die Mehrheit an Hugo Boss. Damit kann der britische 5,3 Milliarden-Konzern seine Bilanz mit dem Metzinger 4,3 Milliarden-Unternehmen schmücken. Die Klage, dass wieder mal ein Traditionsunternehmen ins Ausland verkauft wird, ist unbegründet. Hugo Boss ist schon seit 1991 kein deutsches Unternehmen mehr. Damals haben die Holys die Mehrheit an den italienischen Marzotto-Konzern verkauft, 2005 übernahm die Valentino Fashion Group, später Finanzinvestor Permira. Frasers baute seine Beteiligung ab 2020 auf.
Was der Firmensammler Mike Ashley mit seiner jüngsten Trophäe vor hat, weiß nur er selbst. Seine Akquisitionsstrategie wirkt von außen bisweilen erratisch und teilweise opportunitätsgetrieben.
In den vergangenen Jahren hat die Frasers Group eine Vielzahl von Modeunternehmen übernommen, darunter den Luxusmodehändler Flannels, den Sportswearanbieter Jack Wills, die Department Stores House of Fraser und Harvey Nichols, den Herrenausstatter Gieves & Hawkes, die Onlineplayer Missguided und Matches, die australische Accent Group, Sportmaster in Dänemark, den US-Filialisten Eastern Outfitters und Maxi Sports in Italien. Außerdem hält Frasers Anteile an Mulberry, Burberry, Asos, Puma und Under Armour. In ihre Hugo Boss-Aktien dürften die Briten über die Jahre eine hohe Milliardensumme investiert haben, genau beziffern lässt sich das nicht. Stand heute ist der 50,08%-Anteil 1,31 Milliarden wert.
Was ändert sich jetzt für Hugo Boss?
Man wolle CEO Daniel Grieder bei der Verfolgung einer nachhaltigen Wachstumsstrategie und beim weiteren Aufbau des Markenwerts und Investitionen unterstützen, heißt es in der Stimmrechtsmitteilung. Was man zu solchen Anlässen halt so schreibt. Mit Robert Palmer wird ein weiterer Frasers-Vertreter in den Aufsichtsrat einziehen, dem seit Mitte September Mike Ashleys Schwiegersohn Michael Murray vorsitzt.
Die Achillesferse von CEO Daniel Grieder ist der seit Langem dümpelnde Aktienkurs
Trotz Verstärkung im Aufsichtsgremium – durchregieren geht bei einer deutschen AG nicht mal eben so. Aber natürlich haben die Briten über die Besetzung des Vorstandes einen entscheidenden Hebel. Man wolle erst Einfluss nehmen, „sofern künftig Positionen frei werden“, lässt Frasers verlauten. Das sollte die Metzinger Chefetage nicht beruhigen. „Frei werden“ können solche Positionen auf die eine wie die andere Weise. CFO Yves Müller hat sein Vorstandsmandat vor vier Wochen niedergelegt, offiziell auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen. Ivica Maric, zuvor in der zweiten Reihe für Business Operations zuständig, rückte nach.
Die Achillesferse von CEO Daniel Grieder ist der seit Langem dümpelnde Aktienkurs. Dieser hat sich seit dem Höchststand im Juli 2023 praktisch halbiert, nachdem der „Messias von Metzingen“ (Manager-Magazin) zuvor für eine Kursexplosion gesorgt hatte. In den vergangenen beiden Jahren war die Hugo Boss AG dann ein Lieblingsziel der Leerverkäufer. Dass derzeit an der Börse auch die meisten anderen Modeunternehmen mies performen – inklusive der kompletten Luxus-Liga und selbst Branchenstar Inditex – ist kein Trost für die Eigentümer.
Die Frage ist zugleich, ob ein anderer Manager bei den aktuellen Rahmenbedingungen daran etwas ändern könnte. Nicht nur der Eigentümerwechsel sorgt zurzeit intern für Unruhe. Das Unternehmen wird reorganisiert. Fraser ist gut beraten, Grieder seinen Touchdown vollenden zu lassen, um mit Auslaufen des Vertrags 2028 als Gewinner abtreten zu können.