Dass kleine und mittelgroße Handelsunternehmen sich keine Forschungs- und Entwicklungsabteilung leisten können, ist ein struktureller Nachteil gegenüber kapitalstarken Konzernen. Erst recht in einer Situation wie heute, in der der Einsatz innovativer Technologien zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor wird.
Vor diesem Hintergrund ist das Engagement der Günther Rid-Stiftung gar nicht hoch genug zu loben. Im Rahmen des 'Future Retail Store'-Projekts wurden diverse Projekte unterstützt, die neue Geschäftsmodelle und digitale Technologien im Praxisbetrieb testeten, wissenschaftlich begleitet durch das Fraunhofer Institut.
Nach drei Jahren wurde vergangene Woche Bilanz gezogen, und die Unternehmen berichteten von ihren Erfahrungen. Den kompletten Überblick gibt es unter futureretailstore.de. Erste Eindrücke hier:

Bereichern virtuelle Realitäten den Point of Sale? Das war die Frage, die sich Möbelhändler Cairo stellte. So experimentierte man mit einer Live-Hologram-Übertragung, was sich dann aber als sehr aufwändig erwies. "Wir haben uns einen Wow-Effekt versprochen", Cairo-CEO Gero Furchheim. Auch der Einsatz von VR-Brillen war im Handling schwierig. Sinnvoll dagegen der Einsatz von Augmented Reality, mit der interessierte Kunden Cairo-Möbel virtuell in ihre eigenen Räume platzieren können.

Jakob und Valentin Kiefl haben im Münchner Rathaus am Marienplatz ein innerstädtisches Gartencenter eröffnet. In dem 600 m² großen 'Urban Gardeners'- Store auf der ehemaligen Sport Münzinger-Fläche gab es u.a. Vasen aus dem 3D-Drucker. Der für den Store entwickelte KI-Chatbot ist jetzt im elterlichen Gartencenter in Gauting im Einsatz. Nicht zuletzt haben die beiden eifrig Content für Social Media produziert.

Wie macht man am POS sichtbar, was ein Raumaustatter so alles draufhat? "Wir können alles", so Sahar Essmann. "Aber was ist dieses Alles?" Dieses Alles versuchte Wohnwerk aus Marktschwaben auf 60 m² am Wiener Platz in München zu zeigen. Dazu wurde die Verkaufsfläche neu gedacht, digitale Medien integriert und interne Prozesse digital weiterentwickelt. "Wir sind das Mini-IKEA." Inzwischen ist Wohnwerk indes auf eine etwas größere Fläche an der Ludwigstraße umgezogen.

"Technologie ist nur eine Facette", sagt Klaus Gutknecht, der mit seiner Beratung Elaboratum Wohnwerk begleitet hat. "Innovation entsteht erst durch die Menschen."

Bei Experimenten ist der Weg das Ziel, meint Nadja Hossbach-Zimmermann vom Fraunhofer Institut. "Man kann auch mit unfertigen Lösungen auf die Fläche gehen. Man muss halt sehen, was verzeiht der Kunde?"