Billiger geht’s nimmer, sagt McKinsey. Außerdem Neues von C&A, Meissen, Bugatti und Wolfgang Urban.

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McK­in­sey hat die­se Woche eine inter­es­san­te Stu­die zum The­ma Beschaf­fungs-Kos­ten vor­ge­legt: Danach erwar­ten drei Vier­tel der befrag­ten Chef­ein­käu­fer stei­gen­de Prei­se im Sourcing, zwi­schen 2 und 4%, man­che auch bis zu 6%. Ins­be­son­de­re die Bil­lig­an­bie­ter sind von stei­gen­den Löh­nen und höhe­ren Roh­stoff­kos­ten betrof­fen. „Wir haben einen Wen­de­punkt erreicht“, so der Autor der Stu­die, Achim Berg.

Über Jahr­zehn­te war die Bran­che dar­an gewöhnt, dass es immer noch bil­li­ger ging. Die Pro­duk­ti­on such­te sich welt­weit die güns­tigs­ten Stand­or­te, und wenn ein Land zu teu­er wur­de, zog die Kara­wa­ne eben wei­ter. Die Ver­ti­ka­li­sie­rung sorg­te durch die Aus­schal­tung von Zwi­schen­stu­fen sowie durch eine zeit­nä­he­re und damit risi­ko­lo­se­re Pla­nung für mehr Effi­zi­enz in der soge­nann­ten “tex­ti­len Pipeline”.

Wenn man es posi­tiv for­mu­lie­ren möch­te, dann war die Beklei­dungs-Bran­che ein Vor­rei­ter und Antrei­ber der Glo­ba­li­sie­rung. Ande­rer­seits ist das Mode­ge­schäft damit heu­te ungleich stär­ker als frü­her den Schwan­kun­gen des Welt­markts aus­ge­lie­fert. Da geht es nicht nur um Wäh­rungs­re­la­tio­nen, Roh­stoff­prei­se oder Pro­duk­ti­ons- und Logis­tik­kos­ten. Auch das Mega-The­ma Nach­hal­tig­keit dräng­te erst in dem Maße auf die Agen­da, wie wirt­schaft­li­che Zwän­ge die Unter­neh­men in eine letzt­lich unkon­trol­lier­ba­re glo­ba­le Ver­net­zung getrie­ben haben. Solan­ge die Pro­duk­ti­on auf der Schwä­bi­schen Alb erfolg­te, brauch­te es kei­ne NGOs, die die Ein­hal­tung von Sozi­al- und Umwelt­stan­dards anmahnten.

Jahr­zehn­te­lang kann­ten die Prei­se im Han­del nur eine Rich­tung: nach unten. Hier scheint – und das belegt die McK­in­sey-Stu­die – eine Gren­ze erreicht. Bil­li­ger geht’s nimmer.

Ob im Umkehr­schluss die Prei­se für Beklei­dung dem­nächst stei­gen wer­den, ist den­noch frag­lich. Dass die Beschaf­fung teu­rer gewor­den ist, inter­es­siert die deut­schen Ver­brau­cher näm­lich herz­lich wenig. Sie erwar­ten güns­ti­ge Prei­se wie gehabt, haben ihre Vor­stel­lun­gen, was ein Hemd, eine Hose oder ein Man­tel kos­ten darf und über Jah­re hin­weg gelernt, dass es immer einen gibt, der noch güns­ti­ger anbie­tet. Nach oben ist des­we­gen wenig Spiel­raum, neue Eck­preis­la­gen wer­den eben­so schwer durch­setz­bar sein.

Wie also mit dem erhöh­ten Kos­ten­druck umgehen?

Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung bleibt ein The­ma. Die Arbeits­kos­ten in Chi­na wer­den wei­ter stei­gen, nicht zuletzt, weil ande­re Bran­chen im Reich der Mit­te bes­ser bezah­len. Das ist auch poli­tisch gewollt: die chi­ne­si­sche Regie­rung setzt auf Sek­to­ren mit höhe­rer Wert­schöp­fung als Tex­til. Län­der wie Ban­gla­desch pro­fi­tie­ren davon. Mit den bekann­ten skan­da­lö­sen Risi­ken und trau­ri­gen Nebenwirkungen.

Chi­na als wich­tigs­te Näh­fa­brik der Welt ist – wenn über­haupt – aber nicht von heu­te auf mor­gen zu erset­zen. Zwar gin­gen die Impor­te aus Chi­na 2012 laut AVE um 9,4% zurück, mit 1,17 Mrd. Euro bezie­hen wir aber immer noch mehr als vier­mal so viel Ware von dort als etwa aus Ban­gla­desch. Schon reden man­che von Afri­ka als künf­ti­gem Bil­lig-Pro­duk­ti­ons­stand­ort. Das wird dau­ern, nicht nur wegen der poli­ti­schen und sozia­len Insta­bi­li­tät auf dem schwar­zen Kontinent.

So bleibt kurz­fris­tig nur ein ver­schärf­tes Kos­ten­ma­nage­ment und eine wei­te­re Opti­mie­rung der Pro­zes­se in Unter­neh­men und Sup­ply Chain. Und natür­lich die Opti­on, am Waren­ein­satz und an den Qua­li­tä­ten zu dre­hen. Was – sie­he Esprit – nicht unge­fähr­lich ist.

Beson­ders groß ist der Druck sicher­lich für die Bil­lig­an­bie­ter. Gut mög­lich, dass die Dis­coun­ter ihre Prei­se auch über höhe­re Men­gen durch schma­le­re Sor­ti­men­te und/oder durch eine for­cier­te Expan­si­on zu hal­ten ver­su­chen werden.

Gott­lob ist es so, dass für die meis­ten Kun­den der Preis nicht allein ent­schei­dend ist. Gera­de bei Mode ist die Qua­li­täts­wahr­neh­mung sehr sub­jek­tiv und durch Mar­ke­ting beein­fluss­bar. Wie­so kau­fen wir bei Aber­crom­bie & Fitch, wenn es die ver­gleich­ba­re T‑S­hirt-Qua­li­tät neben­an zum hal­ben Preis gibt? Wes­halb glau­ben wir, dass Sport­schu­he mit drei Strei­fen bes­ser sind als ohne? War­um wer­den die Mädels H&M dem­nächst die Bude ein­ren­nen und Over­si­ze-Sweat­shirts von Isa­bel Marant kau­fen, die es als Kopie bei den Schwe­den schon vor einem Jahr viel bil­li­ger gab?

Beson­de­re Pro­duk­te wer­den immer beson­de­re Prei­se erzie­len. Auch Krea­ti­vi­tät bringt Marge.

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Und sonst?

Kämpft Wolf­gang Urban jetzt gegen Pira­ten. Sei­ne neue Fir­ma Sea Con­trol 360 will für Sicher­heit auf See sor­gen, schreibt das Han­dels­blatt. Das erin­nert mich an eine Begeg­nung zu Kar­stadt­Quel­le-Zei­ten: Urban hat­te in den erst­klas­sig aus­ge­stat­te­ten Wein­kel­ler von Kar­stadt in Dort­mund ein­ge­la­den: “Was ist die teu­ers­te Fla­sche hier unten?” frag­te er die ver­sam­mel­ten Jour­na­lis­ten. “Ich!” Urban hat selbst am lau­tes­ten gelacht.

Hat nach Kar­stadt auch C&A in Düs­sel­dorf ein Pilot­haus eröff­net. Bei der TW sieht man, wie Brenninkmey­ers Ant­wort auf Pri­mark aus­sieht. Der eröff­net dem­nächst schräg gegen­über an der Schadowstraße.

Will Auto­her­stel­ler Bug­at­ti mit einer Mode­kol­lek­ti­on Gas geben. Das wird man bei der Bug­at­ti Hol­ding (Brink­mann) in Her­ford nicht lus­tig fin­den. „Ich den­ke nicht, dass Ver­wechs­lungs­ge­fahr besteht“, so der Bug­at­ti-Chef in Mai­land. Der heißt übri­gens Fer­ra­ri, ausgerechnet.

Star­tet die Por­zel­lan-Manu­fak­tur Meis­sen eine Cou­ture-Kol­lek­ti­on. Desi­gne­rin Fri­da Wey­er darf die Cock­tail­klei­der zum Kaf­fee­ge­schirr machen. Offen­sicht­lich gibt es außer­halb der Bran­che nicht weni­ge, die glau­ben, mit Mode lie­ße sich Geld verdienen.

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