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Krawallige Weihnachten?

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Jür­gen Mül­ler

Wo sich in New York Hei­di Klum als Eis­kal­tes Händ­chen zu Hal­lo­ween mal wie­der selbst über­trof­fen hat, waren die Mas­kie­run­gen in Frank­furt und Köln weni­ger ori­gi­nell, aber dafür umso bedroh­li­cher. Wie die Poli­zei bei den Kra­wall­ma­chern von "erleb­nis­ori­en­tier­ten Jugend­li­chen" zu spre­chen, ist dann doch etwas euphe­mis­tisch. Das ist jeden­falls nicht gemeint, wenn in der Bran­che von „Erleb­nis­han­del“ die Rede ist.

"Irgend­wie auch beru­hi­gend, dass unse­re ver­arm­te und per­spek­tiv­lo­se Jugend zumin­dest den Anstand und Geschmack hat, ihre Mar­ken­gar­de­ro­be zu die­sem fried­vol­len Event zu tra­gen", schreibt Claus Vocke auf Lin­ke­dIn zu einem FAZ-Foto von plün­dern­den Talahons. Die Iro­nie ist amü­sant, jeden­falls soweit man – wie der Sulin­ger Ein­zel­händ­ler – nicht von Kra­wal­len betrof­fen ist.

Doch es gibt auch Gewin­ner, dar­an erin­nert Ger­hard Mat­zig in der SZ. Zum Bei­spiel der Bau­stoff­han­del und die Bau­märk­te, die mehr Span­plat­ten ver­kau­fen als üblich. Auch Hand­werk und Mon­ta­ge­diens­te sind aus­ge­las­tet. Die pri­va­te Sicher­heits­wirt­schaft boomt ohne­hin; ihr Umsatz habe sich zwi­schen 2015 und 2024 ver­dop­pelt.

Das ist natür­lich eine zyni­sche Betrach­tung. Aber es geht dem SZ-Archi­tek­tur­kri­ti­ker um etwas ande­res. Für Mat­zig sind die ver­na­gel­ten Läden vor allem das Sym­ptom einer tie­fer­ge­hen­den Kri­se: „Noch nie in sei­ner viel­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te war das Elend der Stadt so greif­bar wie heu­te. Und das Elend war sel­ten so pla­ka­tiv und gut sicht­bar hin­ter not­dürf­tig errich­te­ten Bret­ter­wän­den ver­steckt wie an die­sem Wochen­en­de.“ Ob die­se Erfah­rung bei den für die Attrak­ti­vi­tät einer Innen­stadt maß­geb­li­chen Akteu­ren etwas aus­löst?

Dem Ein­zel­han­del in den betrof­fe­nen Cities hat das alles jeden­falls gera­de noch gefehlt. Zumal die Demons­tra­tio­nen wei­ter­ge­hen sol­len. Und das zum Start des so wich­ti­gen Weih­nachts­ge­schäfts. Ins­be­son­de­re für die inter­na­tio­na­len Brands, die in etli­chen euro­päi­schen Metro­po­len Filia­len betrei­ben, dürf­te das erheb­li­che Ein­schrän­kun­gen und Umsatz­ein­bu­ßen mit sich brin­gen.

Zu allem Über­fluss wer­den jetzt auch noch Kühl­tru­hen in Super­märk­ten von Hackern atta­ckiert. Da wur­den Ede­ka & Co sozu­sa­gen kalt erwischt. Und in Süßig­kei­ten fin­den sich in ganz Deutsch­land plötz­lich Nadeln und Eltern fahn­den mit Magne­ten in Bon­bon­tü­ten. Wären wir Ver­schwö­rungs­schwurb­ler, wür­den wir Putin mit sei­nen zer­set­zen­den KGB-Metho­den hin­ter die­sen Atta­cken auf die Kon­sum­ge­sell­schaft ver­mu­ten.

Der Han­dels­ver­band HDE blickt trotz allem zuver­sicht­lich auf das anste­hen­de Weih­nachts­ge­schäft. "Es gibt Anzei­chen dafür, dass Weih­nach­ten der Kri­se trot­zen kann", so Alex­an­der von Preen. Abge­se­hen davon, dass der HDE-Prä­si­dent wahr­schein­lich das Weih­nachtsgeschäft meint – rich­ti­ger Opti­mis­mus klingt anders. Den posi­ti­ven Aus­blick gibt der HDE im Übri­gen jedes Jahr. Die Unter­neh­men wür­den den Ver­bands­funk­tio­nä­ren auch eins hus­ten, soll­ten sie die Kon­sum­stim­mung  noch schlech­ter reden.

Eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung ist jetzt die Bud­get­pla­nung für 2027. Plä­ne sind in die­sen Zei­ten meist bereits über­holt, ehe man rich­tig ange­fan­gen hat. "Müs­sen wir immer wach­sen?", fragt sich eine Run­de von Kauf­leu­ten, die sich aus die­sem Anlass auf Ein­la­dung der TW getrof­fen hat (nach­zu­le­sen in der aktu­el­len Aus­ga­be).

Bei allem Ver­ständ­nis für die schwie­ri­gen und unbe­re­chen­ba­ren Rah­men­be­din­gun­gen (und den höhe­ren Pro­vo­ka­ti­ons­ge­halt die­ser Head­line) – müss­te die Fra­ge nicht bes­ser lau­ten: "Wie kön­nen wir wie­der wach­sen?" Und dabei natür­lich pro­fi­ta­bler wer­den.