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KI or not KI?

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Jür­gen Mül­ler

Muss, wer in einem Laden arbei­tet, fürch­ten, dass sein Job dem­nächst von einer KI oder einem Robo­ter ersetzt wird?

Eher schon müs­sen Mit­ar­bei­ten­de fürch­ten, dass ihr Manage­ment dies für mög­lich hält.

So gese­hen ent­behrt es nicht der Iro­nie, dass dem­nächst womög­lich auch die Ent­schei­der selbst über­flüs­sig wer­den könn­ten.

In San Fran­cis­co hat unlängst der Andon Mar­ket eröff­net, ein Con­cept Store in bes­ter Lage, der voll­stän­dig von einer KI geführt wird. Das berich­tet der Spie­gel. Aus­ge­stat­tet mit einem Bud­get von 100.000 Dol­lar hat die Künst­li­che Intel­li­genz namens Luna das Store­kon­zept ent­wi­ckelt, vom Sor­ti­ment bis zur Laden­aus­stat­tung, das Sys­tem erle­digt den Ein­kauf, macht die Prei­se und das Ban­king, führt das Team und steu­ert den Per­so­nal­ein­satz.

Ein Modell für die Zukunft? Noch nicht. Dem Umsatz von 21.000 Dol­lar nach vier Mona­ten ste­hen dem Spie­gel zufol­ge Kos­ten allein für Rech­ner­leis­tung in sel­ber Höhe gegen­über. Und dass die KI das Sor­ti­ment vor­zugs­wei­se bei Ama­zon ein­kau­fe, dürf­te auch nicht eben zu einem Wett­be­werbs­vor­teil füh­ren.

Eine wild­ge­wor­de­ne KI mag, wie die Tech-Bros die­se Woche dra­ma­tisch wie nie zuvor warn­ten, den Welt­un­ter­gang ein­läu­ten kön­nen. Einen Laden zu füh­ren, scheint die Tech­nik noch zu über­for­dern. Aber war­ten wir's ab.

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In ande­ren Berei­chen sorgt KI indes schon heu­te für Ver­wer­fun­gen. Beson­ders betrof­fen ist die Mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on. Die gro­ßen Online Retail­er haben ihre bis­he­ri­gen Kata­log­mo­dels samt Sty­lis­ten und Foto­gra­fen in kür­zes­ter Zeit ent­sorgt. Zalan­do hat sei­ne Aus­ga­ben für Web­site-Con­tent damit um 90 Pro­zent redu­zie­ren kön­nen. Kik wirbt seit Mona­ten mit kom­plett KI-gene­rier­ten Spots in TV und Social Media. Inwie­weit Deich­mann bei sei­ner aktu­el­len 'High Fashion'-Kampagne KI ein­ge­setzt hat, ist nicht ersicht­lich. Das The­ma 'Cho­co­la­te Brown' trifft den­noch in vie­ler­lei Hin­sicht den aktu­el­len Zeit­geist.

Wie man die Tech­no­lo­gie intel­li­gent ein­setzt, um eine Sto­ry zu erzäh­len, zeigt S.Oliver. In der neu­en Herbst-Kam­pa­gne begeg­net Hei­di Klum ihrem jün­ge­ren Ich aus den 90ern. Die jugend­li­che Hei­di ist natür­lich künst­lich erzeugt. Die Hand­lung ist so banal wie die tech­ni­sche Umset­zung ver­blüf­fend. Nicht zuletzt illus­triert die dop­pel­te Hei­di sehr schön den neu­en Cla­im ‚Casu­al Sin­ce Fore­ver‘. Und es fällt kei­ne Gage für Leni Klum an!

About You, ansons­ten Tech­no­lo­gie gegen­über stets auf­ge­schlos­sen, eröff­net die Sai­son dage­gen mit einem klas­sisch pro­du­zier­ten Spot. Mit Lena Gerckes Weih­nachts­baum ist man auch so sei­ner Zeit vor­aus.

Die Kol­le­gen von Zalan­do brin­gen für den Herbst erneut ihre „glo­ba­le Mar­ken­bot­schaf­te­rin“ Lily Coll­ins zum Ein­satz. Ob es für den 'Inner Voices'-Spot der eher wenig bekann­ten Desi­gne­rin Bel­la Freud und des noch unbe­kann­te­ren „Red Car­pet Cor­re­spon­dent“ Nicky Cam­pell bedurft hät­te? Offen­kun­dig war man bei Zalan­do der Mei­nung, dass die Uren­ke­lin des berühm­ten Psy­cho­ana­ly­ti­kers die Kom­pe­tenz mit­bringt, Lily Coll­ins bei der Bewäl­ti­gung ihrer Klei­der-Kri­se zu hel­fen. Ob das die Ziel­grup­pe nach­voll­zie­hen wird? Ansons­ten ist der Schrank der Schau­spie­le­rin so voll, wie man es von ‚Emi­ly in Paris‘ erwar­tet. War­um man dann jetzt noch mehr Kla­mot­ten bei Zalan­do ein­kau­fen soll­te, bleibt indes unklar.

Dass Mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on auch kom­plett ana­log funk­tio­nie­ren kann, zeigt Sel­fri­d­ges. An der Oxford Street sitzt neu­er­dings Paul Smith im Schau­fens­ter. Angeb­lich nicht nur ein­ma­lig für das Foto, das die­se Woche über­all zu sehen war. Was man nicht so alles mit­macht, wenn man Geld braucht. Sei­ne Fir­ma schreibt seit Jah­ren rote Zah­len. Dass Sel­fri­d­ges im kom­men­den Früh­jahr Syd­ney Sweeney in sei­nen Cor­ner Shop setzt, ist frei­lich ein Gerücht. Das – aus Grün­den – die­se Woche Auf­trieb erhielt.

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Ana­lo­ge Events wie Moden­schau­en schei­nen im KI- Zeit­al­ter nach wie vor von Bedeu­tung. Viel­leicht sogar mehr denn je. Exklu­siv ist an den Defi­lees frei­lich nur noch die Kulis­se. Viel wich­ti­ger ist die digi­ta­le Reich­wei­te, die die Begehr­lich­keit bei denen stei­gern soll, die nie­mals ein­ge­la­den wer­den.

Die­se Reich­wei­te wis­sen nicht nur Mode­mar­ken zu nut­zen. Was von den New Yor­ker Schau­en blei­ben wird, sind die Bil­der des PETA-Pro­tests. CFDA-Chef Ste­ven Kolb tat den Tier­schüt­zern den Gefal­len, hand­greif­lich zu wer­den. Er ist zurecht frei­ge­stellt.

Nie­der­ge­run­gen zu wer­den, ist nicht schön, aber am Ende war die Ran­ge­lei das Bes­te, was den Akti­vis­ten pas­sie­ren konn­te. Jetzt weiß die gan­ze Welt, dass es nichts Schlim­me­res auf der Welt gibt als: Wol­le. Nach­dem PETAs Anti­pelz-Aktio­nen auf gan­zer Linie Erfolg hat­ten und kaum noch eine Mode­mar­ke nicht pelz­frei ist, brau­chen die Tier­schüt­zer jetzt ein neu­es The­ma, um ihre Exis­tenz zu recht­fer­ti­gen.

Dazu lie­ße sich Eini­ges sagen. Aber das heben wir uns für ein ande­res Mal auf.