
Muss, wer in einem Laden arbeitet, fürchten, dass sein Job demnächst von einer KI oder einem Roboter ersetzt wird?
Eher schon müssen Mitarbeitende fürchten, dass ihr Management dies für möglich hält.
So gesehen entbehrt es nicht der Ironie, dass demnächst womöglich auch die Entscheider selbst überflüssig werden könnten.
In San Francisco hat unlängst der Andon Market eröffnet, ein Concept Store in bester Lage, der vollständig von einer KI geführt wird. Das berichtet der Spiegel. Ausgestattet mit einem Budget von 100.000 Dollar hat die Künstliche Intelligenz namens Luna das Storekonzept entwickelt, vom Sortiment bis zur Ladenausstattung, das System erledigt den Einkauf, macht die Preise und das Banking, führt das Team und steuert den Personaleinsatz.
Ein Modell für die Zukunft? Noch nicht. Dem Umsatz von 21.000 Dollar nach vier Monaten stehen dem Spiegel zufolge Kosten allein für Rechnerleistung in selber Höhe gegenüber. Und dass die KI das Sortiment vorzugsweise bei Amazon einkaufe, dürfte auch nicht eben zu einem Wettbewerbsvorteil führen.
Eine wildgewordene KI mag, wie die Tech-Bros diese Woche dramatisch wie nie zuvor warnten, den Weltuntergang einläuten können. Einen Laden zu führen, scheint die Technik noch zu überfordern. Aber warten wir's ab.
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In anderen Bereichen sorgt KI indes schon heute für Verwerfungen. Besonders betroffen ist die Markenkommunikation. Die großen Online Retailer haben ihre bisherigen Katalogmodels samt Stylisten und Fotografen in kürzester Zeit entsorgt. Zalando hat seine Ausgaben für Website-Content damit um 90 Prozent reduzieren können. Kik wirbt seit Monaten mit komplett KI-generierten Spots in TV und Social Media. Inwieweit Deichmann bei seiner aktuellen 'High Fashion'-Kampagne KI eingesetzt hat, ist nicht ersichtlich. Das Thema 'Chocolate Brown' trifft dennoch in vielerlei Hinsicht den aktuellen Zeitgeist.
Wie man die Technologie intelligent einsetzt, um eine Story zu erzählen, zeigt S.Oliver. In der neuen Herbst-Kampagne begegnet Heidi Klum ihrem jüngeren Ich aus den 90ern. Die jugendliche Heidi ist natürlich künstlich erzeugt. Die Handlung ist so banal wie die technische Umsetzung verblüffend. Nicht zuletzt illustriert die doppelte Heidi sehr schön den neuen Claim ‚Casual Since Forever‘. Und es fällt keine Gage für Leni Klum an!
About You, ansonsten Technologie gegenüber stets aufgeschlossen, eröffnet die Saison dagegen mit einem klassisch produzierten Spot. Mit Lena Gerckes Weihnachtsbaum ist man auch so seiner Zeit voraus.
Die Kollegen von Zalando bringen für den Herbst erneut ihre „globale Markenbotschafterin“ Lily Collins zum Einsatz. Ob es für den 'Inner Voices'-Spot der eher wenig bekannten Designerin Bella Freud und des noch unbekannteren „Red Carpet Correspondent“ Nicky Campell bedurft hätte? Offenkundig war man bei Zalando der Meinung, dass die Urenkelin des berühmten Psychoanalytikers die Kompetenz mitbringt, Lily Collins bei der Bewältigung ihrer Kleider-Krise zu helfen. Ob das die Zielgruppe nachvollziehen wird? Ansonsten ist der Schrank der Schauspielerin so voll, wie man es von ‚Emily in Paris‘ erwartet. Warum man dann jetzt noch mehr Klamotten bei Zalando einkaufen sollte, bleibt indes unklar.
Dass Markenkommunikation auch komplett analog funktionieren kann, zeigt Selfridges. An der Oxford Street sitzt neuerdings Paul Smith im Schaufenster. Angeblich nicht nur einmalig für das Foto, das diese Woche überall zu sehen war. Was man nicht so alles mitmacht, wenn man Geld braucht. Seine Firma schreibt seit Jahren rote Zahlen. Dass Selfridges im kommenden Frühjahr Sydney Sweeney in seinen Corner Shop setzt, ist freilich ein Gerücht. Das – aus Gründen – diese Woche Auftrieb erhielt.
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Analoge Events wie Modenschauen scheinen im KI- Zeitalter nach wie vor von Bedeutung. Vielleicht sogar mehr denn je. Exklusiv ist an den Defilees freilich nur noch die Kulisse. Viel wichtiger ist die digitale Reichweite, die die Begehrlichkeit bei denen steigern soll, die niemals eingeladen werden.
Diese Reichweite wissen nicht nur Modemarken zu nutzen. Was von den New Yorker Schauen bleiben wird, sind die Bilder des PETA-Protests. CFDA-Chef Steven Kolb tat den Tierschützern den Gefallen, handgreiflich zu werden. Er ist zurecht freigestellt.
Niedergerungen zu werden, ist nicht schön, aber am Ende war die Rangelei das Beste, was den Aktivisten passieren konnte. Jetzt weiß die ganze Welt, dass es nichts Schlimmeres auf der Welt gibt als: Wolle. Nachdem PETAs Antipelz-Aktionen auf ganzer Linie Erfolg hatten und kaum noch eine Modemarke nicht pelzfrei ist, brauchen die Tierschützer jetzt ein neues Thema, um ihre Existenz zu rechtfertigen.
Dazu ließe sich Einiges sagen. Aber das heben wir uns für ein anderes Mal auf.