Passiert large

Das war’s mit Berlin

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Jür­gen Mül­ler

Die Absa­ge der Pre­mi­um bedeu­tet auch das Aus für die Mode­mes­sen­stadt Ber­lin. Die auf Upper Street­wear und Urban­wear fokus­sier­te Seek passt zwar dort­hin und wur­de zuletzt auch gut bespro­chen. Aber die­se Ver­an­stal­tung wird mit ihrer nischi­gen Aus­rich­tung nie und nim­mer die­sel­be Anzie­hungs­kraft auf so vie­le Ein­käu­fer haben wie die Ber­li­ner Mes­sen in ihren bes­ten Zei­ten. Güns­tigs­ten­falls kann die Seek so etwas wie der Nukle­us für einen Wie­der­auf­stieg sein. Wahr­schein­li­cher ist sie das Requi­em.

Dass man sich im Janu­ar nicht ein­mal auf einen gemein­sa­men Ter­min mit der Fashion Week eini­gen konn­te, wird am Ende allen in der Haupt­stadt gescha­det haben. Ohne markt­re­le­van­te Mode­pro­fis wird die­ses B2C-Event noch mehr als bis­her als Sub­ven­ti­ons­be­trieb der Ber­li­ner Fashion Bubble erschei­nen.

Das alles ist sehr bedau­er­lich, und wer hät­te das vor 20 Jah­ren gedacht. Damals haben Ein­käu­fer und Brands aus aller Welt Ber­lin für ein paar Sai­sons zur deut­schen Mode­haupt­stadt gemacht. Pre­mi­um und Bread & But­ter haben Düs­sel­dorf und Köln etwas auf­re­gend Neu­es ent­ge­gen­ge­setzt. Mit der Fashion Week wähn­ten sich man­che bereits auf Augen­hö­he mit Mai­land und Paris.

Seit­her ist viel pas­siert. Letzt­lich lei­der in die fal­sche Rich­tung. Der Nie­der­gang hat nicht nur kon­zep­tio­nel­le oder kon­junk­tu­rel­le, son­dern vor allem auch struk­tu­rel­le Grün­de. Es ist schlicht­weg so, dass ein sich ver­ti­ka­li­sie­ren­der Markt kei­ne auf Trans­ak­ti­on zwi­schen Indus­trie und Han­del aus­ge­rich­te­te Platt­for­men mehr trägt, schon gar nicht, wenn sie mit hohen Kos­ten und Auf­wand ver­bun­den sind. Ama­zon und Zalan­do kom­men auch ohne Mes­sen klar. Sich infor­mie­ren und mit ande­ren kom­mu­ni­zie­ren kann man auch über Medi­en, auf Fach­kon­gres­sen, Netz­werk­ver­an­stal­tun­gen wie dem Dach­mar­ken­fo­rum oder den Fashion­fes­ti­vals der Ver­bund­grup­pen. Dort trifft sich frei­lich vor allem, wer sich bereits kennt. Dass es nicht mehr die eine gro­ße Bran­chen­platt­form gibt, bekla­gen die­je­ni­gen am lau­tes­ten, die in den ver­meint­lich guten alten Zei­ten beruf­lich sozia­li­siert wur­den – als die Ige­do noch die welt­größ­te Mode­mes­se war und Hugo Boss auf der Köl­ner Her­ren­mo­de­wo­che gan­ze Hal­len ange­mie­tet hat.

Ein Schlüs­sel gegen den struk­tu­rell beding­ten Aus­stel­ler- und Besu­cher­schwund wäre eine Aus­wei­tung der inter­na­tio­na­len Reich­wei­te gewe­sen. Bleibt die Fra­ge, war­um das in Ber­lin nicht gelun­gen ist. Der pro­gres­si­ve Ein­zel­han­del und Who­le­sa­le-Brands, die Auf­nah­me in die hie­si­gen Sor­ti­men­te suchen, wer­den bis auf Wei­te­res den Umweg über Flo­renz, Kopen­ha­gen, Ams­ter­dam oder Paris neh­men müs­sen. Und Düs­sel­dorf hat wohl nicht zufäl­lig die­se Woche das Save the Date für Ende Janu­ar ver­schickt.

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Und sonst?

…ver­weist Bet­ty Bar­clay laut TW-Stu­die Adi­das und Hugo Boss im Arbeit­ge­ber­be­liebt­heits­ran­king auf die Plät­ze. Mode wird in Deutsch­land in Nuss­loch, Her­zo­gen­au­rach und Met­zin­gen gemacht.

…ver­kauft Esprit jetzt Pull­over für 469 Euro. Den Who­le­sa­le-Part­nern hat man die neue Pre­mi­um­li­nie nicht ange­bo­ten. Die hät­te eh kei­ner gekauft.

…gibt es bei McDo­nalds jetzt den Schuh zum Bur­ger, natür­lich von Crocs. Da haben sich die Rich­ti­gen gefun­den: Oben und unten elas­ti­sches Mate­ri­al und dazwi­schen eine wenig appe­tit­li­che Fleisch­ein­la­ge.