“Natürlich ist die Mode nicht tot”

Trendforscherin Gundel Ekeldoort über die Zukunft der Mode.

Frau Ekel­doort, wie kön­nen Sie wis­sen, was die Zukunft bringt?

Das lässt sich ein­fach aus­rech­nen: Zukunft ist gleich Ver­gan­gen­heit plus X. Sie müs­sen die Glei­chung nur noch nach X auflösen.

Und dafür zah­len die Leu­te Ihnen Geld?

Sie brau­chen natür­lich noch eine stei­le The­se. Und eine gei­le Bril­le dazu.

Zuletzt pro­gnos­ti­zier­ten Sie, die Mode sei tot…

Das war kei­ne Pro­gno­se, son­dern eine Dia­gno­se. Abge­se­hen davon ist sie falsch.

Wie bit­te?

Natür­lich ist die Mode nicht tot. Sie wird nur von ande­ren Leu­ten gemacht als frü­her. Die Nost­al­gi­ker haben natür­lich applau­diert. Und die buchen mich vor allem.

Sie wer­den nicht bestrei­ten, dass das Mode­sys­tem Krea­ti­vi­tät geför­dert und zum Durch­bruch ver­hol­fen hat, und dass der von Ihnen beschrie­be­ne Zusam­men­bruch die­ses Mode­sys­tems eine Gefahr darstellt?

Eine Gefahr für wen? Die vie­len Mode­schu­len, die die Träu­me jun­ger Men­schen aus­beu­ten und Ihnen für einen Hau­fen Geld Din­ge ver­mit­teln, die kei­ner braucht? Die Schau­en, die sich als Kul­tur­er­eig­nis gerie­ren und am Ende vor allem der Pro­mo­ti­on von Auto­mar­ken die­nen? Die Desi­gner, die auf der einen Sei­te zu viel Arbeit bekla­gen und auf der ande­ren Sei­te wie Fuß­ball­trai­ner alle drei Sai­sons den Ver­ein wech­seln und dabei Mil­lio­nen­ga­gen einstreichen?

Aber ohne deren Ideen hät­ten H&M und Zara nichts zu kopieren.

Die kön­nen ja immer noch mich fra­gen… Doch im Ernst: Die Zei­ten sind längst vor­bei, in denen ein­zel­ne Desi­gner bestimmt haben, was die Men­schen anzu­zie­hen haben. Das gab es zuletzt in Chi­na, und Mao war noch nicht mal Designer.

Was ist mit Ales­san­dro Miche­le? Der hat uns mit Guc­ci doch die gan­zen deko­ra­ti­ven Loo­ks beschert.

Eine schlich­te Masche. Miche­le gibt ledig­lich den Anti-Ford: Jesus­look statt Öltol­le, Blüm­chen­sex statt Por­no­schick. Die­ses Kon­trast­pro­gramm zum Guc­ci-Über­va­ter hat Miche­le maxi­ma­le Auf­merk­sam­keit beschert, die sich aus­zu­zah­len scheint. Das eine ist so schmie­rig wie das ande­re. Und bei­des brillant.

Und Dem­na Gva­sa­lia? Ist der mit Vete­ments nicht super-einflussreich?

Eine ein­zi­ge Ver­ar­schung. Schickt Stra­ßen­mo­de über den Lauf­steg und ver­kauft den Mode­op­fern T‑Shirts für 300 Euro. Und die Feuil­le­tons arbei­ten sich an Hoo­dies und Par­kas ab. So eine Schaum­schlä­ge­rei muss jeman­dem wie mir sym­pa­thisch sein.

Frau Ekel­doort, Sie rau­ben uns alle Illusionen!

Die kön­nen Sie von mir zurück haben. Für einen Tagessatz.

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