Leinwand der Eitelkeiten: Carine Roitfeld auf Zelluloid

mademoiselle

Der berühmte Mode-Psychiater Prof. Dr. Hochheimer über Fabien Constants Dokumentarfilm über Carine Roitfeld:

Herr Professor Hochheimer, dieser Tage kam „Mademoiselle C.“ in Frankreich in die Kinos…

Oh la la… Das klingt wie eine dieser schlüpfrigen Sadomaso-Fantasien, „Die Geschichte der C.“, „50 shades of R“ oder „Carine Society“.

Nichts dergleichen. In dem Film geht es um eine Chefredakteurin, Carine Roitfeld, die man bei der französischen Vogue nicht mehr wollte und die jetzt ihr eigenes Magazin herausgibt.

Schade eigentlich. Aber das tut vermutlich genauso weh.

Vor drei Jahren gab es so was schon mal: da ging es um die Chefredakteurin der US-Vogue.

Bekam Meryl Streep nicht einen Oscar dafür?

Nein, das war „Der Teufel trägt Prada“, und es hat auch nur zur Nominierung gereicht. Ich meine den Dokumentarfilm „The September Issue“ über Anna Wintour. Die soll Roitfeld ja in herzlicher Abneigung verbunden sein. Tragen die Damen ihre Rivalität jetzt über die Leinwand aus?

Denkbar. So wie seinerzeit bei Roosevelt und de Gaulle. Ich denke, es geht viel mehr um etwas anderes: Wenn die Front Row das Ego nicht mehr befriedigt, sucht es das Scheinwerferlicht des Catwalks – einmal selbst der Star sein, statt immer nur über anderer Leute roten Teppich staksen. In jedem Fall handelt es sich um eine Art medialen Eskapismus: Heutzutage erzielt jedes 16jährige Blogger-Girlie mehr Reichweite als die Hochglanzmagazine. Hübsch anzusehen sind sie auch noch. Da versuchen die Print-Stars ihren Ruhm auf Zelluloid zu bannen, solange sie noch einer kennt. Am liebsten in Cinemascope.

Ist es nicht eine Frage der Zeit, bis auch die Blogger-Story von Tavi Gevinson verfilmt wird?

Kleines Mädchen setzt sich in der Erwachsenenwelt durch und gewinnt am Ende die Herzen. Das ist ja überhaupt nichts Neues und wurde vielfach verfilmt: „Paper Moon“ 1973 mit der 10jährigen Tatum O’Neal oder „Taxi Driver“ 1976 mit der 13jährigen Jodie Foster. Natalie Portmann war 13, als sie bei „Leon der Profi“ mitspielte, Hailee Steinfeld 14 bei „True Grit“. Sophia Coppola trat sogar als zehn Wochen altes Baby bei „Der Pate“ auf. Tavi dagegen muss sich nicht gegen durchgeknallte Killer und versoffene Cowboys durchsetzen, sondern nur gegen ein paar zickige Sonnenbrillen-Trägerinnen. Dramaturgisch wäre das selbst nach Hollywood-Maßstäben ziemlich flach. Was die Zuschauer mitnähmen, wäre lediglich die Erkenntnis, dass der Modezirkus ein Kindergarten und Modejournalismus zunehmend ein Kinderspiel ist.

Und wer übernähme Tavis Rolle?

Wie hieß doch gleich der Typ aus „Der Hobbit“?

Jetzt mal im Ernst: Wo kämen wir hin, wenn über jeden Ex-Chefredakteur ein Film gedreht würde?

Sie sind ja nur neidisch.

Dann reden wir doch mal über Inhalte. Im Film treten zahlreiche Designer von Karl Lagerfeld über Donatella Versace bis hin zu Tom Ford auf…

Der wird wissen, warum er Roitfeld in seinem Film nicht besetzen wollte. Wahrscheinlich hätte sie ihn gezwungen „A Single Woman“ daraus zu machen.

Wäre das nicht angemessen gewesen? Schließlich preisen die Designer Mademoiselle C. durchweg in den höchsten Tönen.

Beissen Sie die Hand, die Sie füttert? Die leben alle von medialer Aufmerksamkeit.

Roitfeld Junior bezeichnet seine Mutter in dem Film als ‚Milf‘, auf gut Deutsch als „mother I’d like to f…“. Was würde Freud dazu sagen?

Ödipus lässt grüßen. Monsieur Roitfeld sollte sich in Acht nehmen.

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Und:

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Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

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