Wie geht’s, Ingo Wilts?

Sehr gut! Im August ver­gan­ge­nen Jah­res tausch­te Ingo Wilts sei­ne Met­zin­ger Woh­nung für ein schi­ckes 180 Qua­drat­me­ter-Loft im New Yor­ker Sze­ne­vier­tel SoHo. Inzwi­schen ist er in eine für ihn prak­ti­sche­re Woh­nung nach Chel­sea umge­zo­gen. Das Foto ent­stand auf der Dach­ter­ras­se sei­nes Appart­ment-Hau­ses. Es hät­te schlim­mer kom­men können. 

Nach (mit kur­zem Joop!-Intermezzo)insgesamt zehn Jah­ren bei Hugo Boss wech­sel­te der heu­te 45jährige zu Ken­neth Cole nach New York. Dort ist er als Vice Pre­si­dent und Crea­ti­ve Direc­tor fürs Pro­dukt ver­ant­wort­lich: für die diver­sen Bekleidungs‑, Schuh- und Acces­soires­li­ni­en sowie die sti­lis­ti­sche Koor­di­na­ti­on der unzäh­li­gen Lizenz­pro­duk­te, die unter der Mar­ke in den Han­del kom­men. Er arbei­tet in die­ser Funk­ti­on eng mit dem 55jährigen Unter­neh­mens­grün­der und Chair­man Ken­neth Cole zusammen. 

Der Abschied von Hugo Boss ist Wilts sehr schwer gefal­len, schließ­lich war es für ihn dort stets berg­auf gegan­gen. Zuletzt ver­ant­wor­te­te er als Seni­or Vice Pre­si­dent die Lini­en Black, Selec­tion und Green und damit den Löwen­an­teil des Hugo Boss-Geschäfts. Den Füh­rungs­wech­sel in Met­zin­gen ist er loy­al mit­ge­gan­gen, das Ange­bot einer Head­hun­terin, die neue Auf­ga­be in New York zu über­neh­men, war per­spek­ti­visch dann aber doch zu verlockend. 

Er fand Ken­neth Cole in kei­ner ein­fa­chen Lage vor. Die Kri­se hat 2009 fast allen Unter­neh­men die Bilan­zen ver­ha­gelt, die ihr Geld mit dem US-Ver­brau­cher ver­die­nen. Der Umsatz von Ken­neth Cole brach um über 16 Pro­zent auf 410 Mill. Dol­lar ein, nach Steu­ern blie­ben 63 Mill. Dol­lar Mie­se. Doch schon im vier­ten Quar­tal ging es spür­bar auf­wärts, im ers­ten Quar­tal 2010 ver­dien­te Ken­neth Cole wie­der Geld. 

Die Arbeit in einem US-Unter­neh­men ist anders, erzählt Wilts: Schnel­ler, fle­xi­bler und fokus­sier­ter. “Wenn wir den­ken, dass wir aus einem Stoff eher einen Rock als wie geplant ein Kleid machen soll­ten, dann wird das gemacht.” Das ver­ti­ka­le Den­ken, das die deut­sche Indus­trie gera­de erst müh­sam erlernt, ist hier längst der Nor­mal­fall. Was ihm auch nicht fehlt, ist das Rei­sen. Zu Hugo Boss-Zei­ten schlief er fast häu­fi­ger im Flie­ger als in sei­nem Bett. Bei Ken­neth Cole ist er deut­lich weni­ger zwecks Tren­d­re­cher­che unter­wegs. “In New York musst Du nur mit offe­nen Augen durch die Sra­ßen gehen, dann weißt Du Bescheid.”