
Es ist wie bei 'Und täglich grüßt das Murmeltier'. Nur nicht so lustig. Zum vierten Mal in sechs Jahren trat Galeria den Gang zum Amtsgericht an. Und natürlich haben es auch dieses Mal wieder alle schon vorher gewusst. Von einem absehbaren Schock spricht einer in der TW.
Wie es so weit kommen konnte, ist hinlänglich analysiert. Das hält die Experten indes nicht davon ab, sich erneut mit Erklärungen zu Wort zu melden.
"Man kann keine Kundennachfrage herbeisanieren", sagt Carsten Kortum im Spiegel-Interview. Aber "zwei Milliarden sind nicht Nichts." Ein gut gemachtes Kaufhaus habe in Innenstädten mit hoher Kaufkraft noch immer gute Chancen, so der Heilbronner BWL-Professor.
BBE-Berater Johannes Berentzen hält 40 bis 50 der 83 Standorte für überlebensfähig. Das habe er schon vor 20 Jahren prognostiziert, sekundiert Jörg Funder von der Hochschule Worms via dpa. Hätte Frank Kebekus mal auf Professor Funder gehört. Der Insolvenzverwalter darf nun zum dritten Mal Stunden in Rechnung stellen.
Jörg Funder gehört zu denen, die endlich einen Haken an die ewige Galeria-Misere machen wollen. "Es ist Zeit, von der Palliativstation ins Ruhebett überzusiedeln." Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg prognostiziert Galeria gegenüber dpa ein dauerhaftes Verschwinden in den nächsten Jahren. Das trifft, nicht wahr, früher oder später ja auf uns alle zu.
Natürlich seien es haarsträubende Managementfehler gewesen, die Galeria in die Pleite geführt haben, sagt die Gewerkschaft Verdi. Auch dieser Reflex ist mittlerweile eingeübt. Der SPD-Generalsekretär appelliert in Focus denn auch prompt an die CDU-Wirtschaftsministerin (und macht damit womöglich ein weiteres Fass im nervigen Koalitionszwist auf). Er erwarte, dass Katherina Reiche "dafür kämpft, eine Zukunft für Galeria und seine 12.000 Beschäftigten zu schaffen".
Bloß nicht, mischt sich, warum auch immer, Carsten Maschmeyer ein. "Keinen einzigen Cent Steuergeld mehr für Galeria", so Veronika Ferres' Ex gegenüber dpa. "Wer an dieses Konzept glaubt, soll sein eigenes Geld investieren." Dass der derzeitige Miteigentümer Bernd Beetz via BILD seinem Management die Schuld gibt, ist schlechter Stil und soll vermutlich von eigenen Versäumnissen ablenken.
Nicht ganz fünf Milliarden mussten Gläubiger und öffentliche Hand seit 2020 bei Galeria abschreiben, rechnet das Handelsblatt vor. "Vier Insolvenzen sind auch ein neues Geschäftsmodell", so Gerrit Heinemann in LinkedIn.
Selbst ein drastischer Schnitt, wie er auch jetzt wieder gefordert wird, wird womöglich nicht mehr helfen.
Ich habe in über 30 Jahren so gut wie jeden Karstadt‑, Kaufhof- oder Galeria-CEO kennengelernt, angefangen bei Walter Deuss. Alle haben sie vom Warenhaus der Zukunft erzählt. Wenn es so etwas geben sollte – und Formate wie Breuninger und zahlreiche lokale Platzhirsche liefern womöglich Blaupausen – dann ist Galeria im gegenwärtigen Zustand weiter denn je davon entfernt. Selbst ein drastischer Schnitt, wie er auch jetzt wieder gefordert wird, wird womöglich nicht mehr helfen. An Standorten wie dem Münchner Marienplatz, der Düsseldorfer Kö oder dem Berliner Alexanderplatz – Lagen, wo ein Warenhaus Geld verdienen kann – werden die Immobilieneigentümer längst Nutzungsalternativen durchspielen.
Enden die vier Insolvenzen nun unweigerlich in einem Todesfall?
Viel hängt fürs Erste von Gordon Brothers ab. Der US-Investor, der seinen 160 Millionen-Kredit durch das Warenlager besichern ließ, hat sich bislang nicht geäußert. Dabei muss man davon ausgehen, dass die auf Krisenfirmen spezialisierten Amerikaner damit gerechnet haben, dass genau dieser Fall eintritt.
Es trifft – mal wieder – alle anderen. Die Mitarbeiter können während der noch laufenden Planüberwachung noch nicht sicher sein, Insolvenzgeld zu erhalten. Die Lieferanten müssen zusehen, wie sie an ihr Geld kommen. Die Mitbewerber müssen mit einem gnadenlosen Ausverkauf im anstehenden Weihnachtsgeschäft rechnen. Und an vielen der 70 Galeria-Standorte wird das Gejammere um "unser Warenhaus" wieder losgehen. Wären die Kunden mal öfter reingegangen.
'Und täglich grüßt das Murmeltier' endet damit, dass die Zeitschleife durchbrochen wird, nachdem sich der von Bill Murray dargestellte misanthropische Wetteransager Phil Connors zu einem besseren Menschen gewandelt hat.
Ob es Galeria ebenso gelingt, die Zeitschleife zu durchbrechen? Ganz bestimmt. Irgendwann. Auf die eine oder andere Art.