Online handeln (7): Commerce, Content und Community sind die Innovationstreiber

Das Inter­net ist der wich­tigs­te Trei­ber von inno­va­ti­ven For­ma­ten. Das Schlag­wort von Com­mer­ce, Con­tent und Com­mu­ni­ty ist arg abge­grif­fen. Aber das ist tat­säch­lich der Nähr­bo­den, auf dem immer wie­der neue Geschäfts­mo­del­le entstehen.

Ein Unter­neh­men wie Spreadshirt war vor der Erfin­dung des World Wide Web undenk­bar. Auch der glo­ba­le Floh­markt, der Ebay ein­mal war, konn­te so nur im Inter­net groß wer­den. Ven­te Pri­vee hat ein so genia­les wie erfolg­rei­ches Modell für die Über­hang­ver­mark­tung ent­wi­ckelt, das mitt­ler­wei­le etli­che Nach­ah­mer wie Brands4Friends, Buy­Vip, Best Secret oder Liman­go gefun­den hat. Neu­er­dings eta­blie­ren sich hier Anbie­ter, die sich auf bestimm­te Kate­go­rien kon­zen­trie­ren, bekann­tes­tes Bei­spiel ist wahr­schein­lich der Möbel-Schnäpp­chen­markt Westwing.

Eines der am schnells­ten wach­sen­den Inter­net-Unter­neh­men in USA ist der Vin­ta­ge-Ver­käu­fer Nas­ty Gal. Kürz­lich ist mit Byro­nes­que ein wei­te­rer Anbie­ter mit Second Hand-Desi­gner­wa­re gestar­tet. Über Etsy und Dawan­da fin­den die Bast­ler und Heim­wer­ker ihren Markt; das Gott­lieb Dutt­wei­ler Insti­tut wid­me­te den Makers die letz­te Aus­ga­be sei­nes lesens­wer­ten Wis­sen­ma­ga­zins GDI Impuls.

Modo­mo­to, Chic­chick­club, Shoe­dazz­le und Mode­meis­ter ver­su­chen mit cura­ted shop­ping die Lücke zu fül­len, die der per­so­nal­spa­ren­de Fach­han­del zuneh­mend lässt, das Vor­bild aus den USA ist Trunk­club. Bei Social Com­mer­ce-Platt­for­men wie Sty­lefruits und Sty­light bera­ten sich die Kun­den gegen­sei­tig. Abo-Com­mer­ce wie bei Sty­lem­int (Mode der Olsen-Sis­ters) oder Man­packs (Socken, Hem­den, Kon­do­me etc.) hal­ten man­che für das nächs­te gro­ße Ding. Bei Mar­ve­lous-shoes und Sca­ros­so kann man Schu­he selbst kon­fi­gu­rie­ren. Bei Sugar Shape ent­schei­den die Kun­din­nen mit, wie die nächs­te Wäsche-Kol­lek­ti­on aus­se­hen soll (das Start­ka­pi­tal besorg­ten sich die bei­den Grün­de­rin­nen mit­tels Crowd­fun­ding). Ähn­lich funk­tio­nie­ren Crowd­sour­cing-Kon­zep­te wie Thre­ad­less und Modcloth. Bei Zufalls­shirt über­lässt man das Design eben­je­nem. Eine Platt­form wie Of A Kind ver­steht sich weni­ger als Ein­zel­händ­ler denn als Dienst­leis­ter für Desi­gner, denen mit Kun­den­kon­tak­ten und ‑daten gehol­fen wird, ihr Geschäft auf­zu­bau­en. Start-ups wie Juva­lia und Pip­pa & Jean ver­knüp­fen den Web­shop mit Off­line-Shop­ping­par­tys. In Japan macht die Event-Serie Tokyo Girls Collec­tion bereits seit 2005 Furo­re – Moden­schau­en, bei denen man in Echt­zeit mobil shop­pen kann. Auf Platt­for­men wie Unser Klei­der­schrank geht es gar nicht mehr ums Geld­ver­die­nen, son­dern um Tausch­ge­schäf­te und Sharing. Bei Klei­der­krei­sel wer­den zur­zeit über 2 Mil­lio­nen Klei­dungs­stü­cke ange­bo­ten. Bei Bag Bor­row or Ste­al, Fashion­lend oder Rent the Run­way kann man Mode mieten.

Far­fetch, Luxo­do und FashionHub ver­su­chen sich als Bou­ti­quen-Netz­werk. Net a por­ter ist genau­so ein Web-Kauf­haus wie ein Mode­ma­ga­zin; der CEO nennt sich dort Edi­tor in Chief. Ich will mich jetzt hier gar nicht über die zuneh­men­de Ver­mi­schung von Medi­en- und Han­dels­ge­schäft und die Revo­lu­ti­on in der Mode-Kom­mu­ni­ka­ti­on, die Blog­ger und den Jour­na­lis­mus aus­las­sen. Das ist ein wei­te­res Seri­en-The­ma. Das Ver­la­ge wie Han­dels­un­ter­neh­men glei­cher­ma­ßen betrifft.

Die Lis­te der neu­en Unter­neh­men lie­ße sich bei­na­he end­los fort­set­zen. Vie­le die­ser neu­en Geschäfts­mo­del­le wer­den schei­tern. Man­che, wie zum Bei­spiel die Design it yourself-Platt­form Style­sha­ke, sind bereits tot. Der Social­com­mer­ce-Shop Seven Trends oder auch der Maß­kon­fek­ti­ons­an­bie­ter You­tailor wackeln. Ande­re, wie zum Bei­spiel der ehe­ma­li­ge Hand­ta­schen­ver­leih Fashio­net­te haben ihr Geschäfts­mo­dell geän­dert. Aber eini­ge wer­den sich durch­set­zen. Sie wer­den den Wett­be­werb ver­än­dern. Und die Han­dels­land­schaft bereichern.

Fol­ge 1: Was, wenn es ein­mal 50% sind?

Fol­ge 2: Neue Nach­barn im Glo­bal Village

Fol­ge 3: Der Preis ist heiß

Fol­ge 4: Der Sarg­na­gel für den Land-Handel

Fol­ge 5: Der Gene­ra­list gewinnt. Die Spe­zia­lis­ten auch.

Fol­ge 6: Vom Wett­be­werb auf den ‑Stu­fen zur Kon­kur­renz der Wertschöpfungsketten

Fol­ge 7: Com­mer­ce, Con­tent und Com­mu­ni­ty sind die Innovationstreiber

(Foto: Goog­le-Daten­cen­ter)

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