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Armedangels am Pranger

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Jür­gen Mül­ler

Kun­unu scheint mitt­ler­wei­le die bevor­zug­te Recher­che­quel­le jun­ger Spie­gel-Redak­teu­re zu sein. Beson­ders schlimm geht es dem­nach in der Mode­bran­che zu. Nach Vete­ments, dem femi­nis­ti­schen Vor­zei­ge-Start-up The Fema­le Com­pa­ny und H&M wegen der Schlie­ßung in Nürn­berg bekommt jetzt Arme­dan­gels sein Fett weg. Ex-Mit­ar­bei­ten­de berich­ten von hohem Druck, her­ab­las­sen­der Behand­lung und rück­sichts­lo­sen Kün­di­gun­gen. Nicht gut.

Man soll Fehl­ver­hal­ten nicht beschö­ni­gen oder rela­ti­vie­ren. Aber es ist ja nicht so, dass es so etwas nicht auch anders­wo in der Bran­che gäbe. Wir alle ken­nen die Namen und ent­spre­chend wil­de Geschich­ten. Es scheint lei­der so, dass hin­ter vie­len gro­ßen Wachs­tumssto­ries häu­fig Cha­rak­te­re ste­hen, für die Men­schen in ers­ter Linie Mit­tel zum Zweck sind – human resour­ces eben – und die zur Errei­chung ihrer Zie­le nie­man­den scho­nen. In der Regel übri­gens auch sich selbst nicht. Die­se Macher hal­ten New Work für einen schlech­ten Witz von Pony­hof-Betrei­bern.

Frü­her ist man damit durch­ge­kom­men. Mit den Gehäl­tern floss auch Schmer­zens­geld. Heu­te sind die Ver­hält­nis­se indes ande­re. Arbeit­neh­mer wol­len fair und respekt­voll behan­delt wer­den, und Ver­stö­ße lan­den via Social Media am digi­ta­len Pran­ger. Auch wenn der Arbeits­markt aktu­ell gera­de in Rich­tung Arbeit­ge­ber­markt kippt, wird dies ein Wett­be­werbs­fak­tor blei­ben.

Im Fall von Arme­dan­gels ist die Fall­hö­he beson­ders ekla­tant. Die Social Fashion Com­pa­ny trägt den eige­nen Anspruch schon im Fir­men­na­men. Gut mög­lich auch, dass die Mit­ar­bei­ten­den bei Arme­dan­gels, von denen vie­le sicher auch aus inhalt­li­cher Über­zeu­gung in Köln ange­heu­ert haben, beson­ders sen­si­bel für Dis­so­nan­zen sind. Der im Spie­gel-Bei­trag hart kri­ti­sier­te Mit­grün­der Mar­tin Höfe­l­er hat jeden­falls rich­tig reagiert. Er hat Ver­ant­wor­tung über­nom­men und Bes­se­rung gelobt. Auch wenn es ihn gejuckt haben soll­te, ein­zel­ne Vor­wür­fe zu demen­tie­ren, ist es bes­ser, das Feu­er aus­zu­tre­ten, statt es wei­ter anzu­fa­chen.

Die Frage ist jetzt: Ist die Marke Armedangels beschädigt?

Hilf­reich ist so eine Nega­tiv-PR nie. Man soll­te die Reich­wei­te des Spie­gel aber auch nicht über­schät­zen, selbst wenn die Redak­teu­re Kurz­fas­sun­gen pro­du­ziert und über Social Media geteilt haben. Über Kauf oder Nicht-Kauf ent­schei­den immer noch Design und Preis/Leistung der Pro­duk­te und nicht die Bewer­tung auf Kun­unu. So zynisch das klin­gen mag, aber hat es Pri­mark oder Man­go gescha­det, dass sie im Rha­na Pla­za pro­du­zie­ren lie­ßen? Dort gab es über 1100 Tote und nicht bloß Trä­nen in Mee­tings. Schon eher ist der Fall Arme­dan­gels geeig­net, all jene zu bestä­ti­gen, die nach­hal­ti­ge Mode seit jeher für einen Schwin­del hal­ten. Was mit Blick auf die Pro­duk­te der Köl­ner unge­recht­fer­tigt wäre.

Beschä­digt dürf­te dage­gen die Employ­er Brand Arme­dan­gels sein. Die Trig­ger-War­nung des Spie­gel wird die Arbeit des Recrui­tin­gs jeden­falls nicht erleich­tern.

Arme­dan­gels hat übri­gens einen mit­tel­präch­ti­gen Kun­unu-Score von 3,7. Der Spie­gel wird mit 3,5 schlech­ter bewer­tet. Viel­leicht soll­ten die Redak­teu­re mal ihre eige­nen Kol­le­gen fra­gen, wo es in ihrem Ver­lags­haus denn so hapert.

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