
Kununu scheint mittlerweile die bevorzugte Recherchequelle junger Spiegel-Redakteure zu sein. Besonders schlimm geht es demnach in der Modebranche zu. Nach Vetements, dem feministischen Vorzeige-Start-up The Female Company und H&M wegen der Schließung in Nürnberg bekommt jetzt Armedangels sein Fett weg. Ex-Mitarbeitende berichten von hohem Druck, herablassender Behandlung und rücksichtslosen Kündigungen. Nicht gut.
Man soll Fehlverhalten nicht beschönigen oder relativieren. Aber es ist ja nicht so, dass es so etwas nicht auch anderswo in der Branche gäbe. Wir alle kennen die Namen und entsprechend wilde Geschichten. Es scheint leider so, dass hinter vielen großen Wachstumsstories häufig Charaktere stehen, für die Menschen in erster Linie Mittel zum Zweck sind – human resources eben – und die zur Erreichung ihrer Ziele niemanden schonen. In der Regel übrigens auch sich selbst nicht. Diese Macher halten New Work für einen schlechten Witz von Ponyhof-Betreibern.
Früher ist man damit durchgekommen. Mit den Gehältern floss auch Schmerzensgeld. Heute sind die Verhältnisse indes andere. Arbeitnehmer wollen fair und respektvoll behandelt werden, und Verstöße landen via Social Media am digitalen Pranger. Auch wenn der Arbeitsmarkt aktuell gerade in Richtung Arbeitgebermarkt kippt, wird dies ein Wettbewerbsfaktor bleiben.
Im Fall von Armedangels ist die Fallhöhe besonders eklatant. Die Social Fashion Company trägt den eigenen Anspruch schon im Firmennamen. Gut möglich auch, dass die Mitarbeitenden bei Armedangels, von denen viele sicher auch aus inhaltlicher Überzeugung in Köln angeheuert haben, besonders sensibel für Dissonanzen sind. Der im Spiegel-Beitrag hart kritisierte Mitgründer Martin Höfeler hat jedenfalls richtig reagiert. Er hat Verantwortung übernommen und Besserung gelobt. Auch wenn es ihn gejuckt haben sollte, einzelne Vorwürfe zu dementieren, ist es besser, das Feuer auszutreten, statt es weiter anzufachen.
Die Frage ist jetzt: Ist die Marke Armedangels beschädigt?
Hilfreich ist so eine Negativ-PR nie. Man sollte die Reichweite des Spiegel aber auch nicht überschätzen, selbst wenn die Redakteure Kurzfassungen produziert und über Social Media geteilt haben. Über Kauf oder Nicht-Kauf entscheiden immer noch Design und Preis/Leistung der Produkte und nicht die Bewertung auf Kununu. So zynisch das klingen mag, aber hat es Primark oder Mango geschadet, dass sie im Rhana Plaza produzieren ließen? Dort gab es über 1100 Tote und nicht bloß Tränen in Meetings. Schon eher ist der Fall Armedangels geeignet, all jene zu bestätigen, die nachhaltige Mode seit jeher für einen Schwindel halten. Was mit Blick auf die Produkte der Kölner ungerechtfertigt wäre.
Beschädigt dürfte dagegen die Employer Brand Armedangels sein. Die Trigger-Warnung des Spiegel wird die Arbeit des Recruitings jedenfalls nicht erleichtern.
Armedangels hat übrigens einen mittelprächtigen Kununu-Score von 3,7. Der Spiegel wird mit 3,5 schlechter bewertet. Vielleicht sollten die Redakteure mal ihre eigenen Kollegen fragen, wo es in ihrem Verlagshaus denn so hapert.