Börsenliebling Lahrs

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Die Bör­se war Hugo Boss-Chef Claus-Diet­rich Lahrs heu­te aus­nahms­wei­se weni­ger gewo­gen. Nach der Bilanz­pres­se­kon­fe­renz in Met­zin­gen ging der Kurs erst­mal run­ter – 1,25% weni­ger waren es bei Bör­sen­schluss, was bei einem ins­ge­samt nahe­zu unver­än­der­ten DAX natür­lich kein Bein­bruch ist. Lahrs’ Aus­blick war den Anle­gern wohl nicht posi­tiv genug. Dabei stell­te er für 2010 wie­der ein Wachs­tum bei Umsatz und Ertrag in Aussicht.

Die mie­sen Ergeb­nis­se für 2009 waren zuvor schon bekannt: Ein Umsatz­mi­nus von 7%, in Euro­pa gar um 11%. Zwei­stel­li­ge Umsatz­rück­gän­ge bei Oran­ge und Selec­tion. 15% weni­ger Umsatz im Who­le­sa­le, was selbst durch das sat­te Wachs­tum von 13% im eige­nen Retail nicht auf­ge­fan­gen wer­den konn­te. Ein Minus beim ope­ra­ti­ven Ergeb­nis von 17%, unter dem Strich ein um 7% gesun­ke­ner Kon­zern­ge­winn. Für ein erfolgs­ver­wöhn­tes Unter­neh­men wie Hugo Boss eine Katastrophe.
 
Der Geschäfts­be­richt benennt erst­mals kon­kret die dras­ti­schen Spar­maß­nah­men, mit denen Lahrs für viel Unru­he unter Mit­ar­bei­tern, Lie­fe­ran­ten und Kun­den gesorgt hat. Nur ein paar Schlag­lich­ter aus dem heu­te vor­ge­leg­ten Werk: Rund 30 Mill. Euro weni­ger bei den Ver­triebs- und Mar­ke­ting­auf­wen­dun­gen. 70 Mill. Euro weni­ger bei den Inves­ti­tio­nen (die damit auf dem nied­rigs­ten Niveau seit etli­chen Jah­ren sind). Über 500 Stel­len wur­den abge­baut und damit über 20 Mill. Euro ein­ge­spart, mit gut 9000 Mit­ar­bei­tern ist die Zahl der Beschäf­tig­ten bei Hugo Boss damit erst­mals seit Jah­ren rück­läu­fig.
 
Die Bör­se hat die­se Linie in den ver­gan­ge­nen Mona­ten hono­riert: Der Akti­en­kurs von Hugo Boss hat sich unter Claus-Diet­rich Lahrs seit dem Früh­jahr 2009 ver­drei­facht. Vom his­to­ri­schen Höchst­stand 2008 (über 48 Euro) sind die Met­zin­ger aktu­ell (ca. 28 Euro) aber noch weit ent­fernt. Boss-Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter Per­mi­ra kann mit dem neu­en Boss-Chef den­noch zufrie­den sein. Hof­fen wir nur, dass Claus-Diet­rich Lahrs nicht nur die Inter­es­sen des Finanz­in­ves­tors im Blick hat. Die­se sind bekannt­lich nicht zwangs­läu­fig deckungs­gleich mit dem Inter­es­se von Mit­ar­bei­tern, Lie­fe­ran­ten und Kun­den an einer nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung von Unter­neh­men und Mar­ke Hugo Boss.
 
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