Das neue Store Design von Esprit: Karl Schwitzke ist skeptisch



Wir tra­fen den renom­mier­ten Laden-Archi­tek­ten vor­ges­tern zufäl­lig beim Store Check im neu­en Esprit-Flagship in Düs­sel­dorf. Das Geschäft wur­de am Mitt­woch nach Umbau wie­der­eröff­net und ist nach Olden­burg das zwei­te, in dem die Mode­mar­ke ihr neu­es Store­de­sign-Kon­zept umge­setzt hat. Die­ses setzt auf maxi­ma­le Fle­xi­bi­li­tät und Varia­bi­li­tät. Statt wie üblich den Laden alle paar Jah­re teu­er umzu­bau­en, ist geplant, den Look sechs­mal im Jahr kom­plett zu ver­än­dern. Ein guter und rich­ti­ger Gedan­ke. Denn so wird man den Kun­den künf­tig immer wie­der mit einem fri­schen Auf­tritt über­ra­schen, statt sie – wie das lei­der Got­tes vie­ler­orts der Fall ist –  zu lang­wei­len. Nach den Vor­stel­lun­gen von Esprit-CEO Ronald Van der Vis soll damit nicht nur mehr Sen­sa­ti­on am POS krei­iert und damit der Ver­kauf ange­kur­belt wer­den, unter dem Strich soll das Gan­ze auch noch kos­ten­güns­ti­ger kom­men. Noch mehr (Profi-)Fotos bei Tex­til­Wirt­schaft Online.

 

Laden­bau-Pro­fi Schwitz­ke, der selbst für Esprit gear­bei­tet hat und des­sen Büro über vie­le Jah­re die Store-Ent­wick­lungs­ar­beit für die Ratin­ger geleis­tet hat, bezwei­felt letz­te­res. Und das nicht, weil er das Kon­zept nicht ent­wi­ckelt hat. Den Ansatz der Kol­le­gen vom Stutt­gar­ter Design­bü­ro Lig­a­no­va fin­det er gut, die Aus­füh­rung in Düs­sel­dorf indes nicht überzeugend.

Dem kann man sich anschlie­ßen. Der Laden wirkt mit sei­nem domi­nan­ten Grau ein wenig düs­ter. Der mono­chro­me Rah­men und die unauf­fäl­li­gen Waren­trä­ger brin­gen die Pro­duk­te zwar schön zu Gel­tung, die Akzent­be­leuch­tung könn­te aller­dings dra­ma­ti­scher aus­fal­len. Das Store-Lay­out ist unüber­sicht­lich und ver­win­kelt, der Blick zu oft von künst­li­chen Wän­den ver­stellt. Der Sor­ti­ments­auf­bau im EG erschließt sich einem nicht auf Anhieb. Auf man­chen Flä­chen ballt sich die Ware, dazwi­schen guckt man immer wie­der auf graue Leer­flä­chen, graue Türen und graue Wän­de. Bes­ser und kla­rer sieht es im Mens Collec­tion-Bereich im OG aus. Sehr anspre­chend gemacht ist die Kindermode-Abteilung.

 Eine gute Idee ist der lounge-arti­ge War­te­be­reich bei den Umklei­den. So rich­tig gemüt­lich ist die Ecke aber lei­der nicht. Mei­ne auf­merk­sa­me Kol­le­gin Tes­sa Sauer­es­sig wies mich dar­auf hin, dass aus­schließ­lich Frau­en­zeit­schrif­ten zum Lesen aus­lie­gen, die die war­ten­den Män­ner garan­tiert nicht inter­es­sier­ten. Hübsch auch die The­ke mit rosa Donuts, wobei nicht ganz klar ist, ob man sich ein­fach bedie­nen darf. Man darf, sagt Karl Schwitz­ke. Die Krin­gel schme­cken extrem süß.

Wir belausch­ten eine Kun­din, die einer Freun­din am Han­dy von ihrer Ent­täu­schung über den neu­en Esprit-Laden berich­te­te. So ging es uns auch ein wenig. Aber die nächs­te Umge­stal­tung ist ja schon bald, da kann Esprit es dann wie­der bes­ser machen.

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