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„Texte und Textilien sind beide kunstvolle Gewebe”…

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…hat Bar­ba­ra Vin­ken neu­lich dem Zeit-Maga­zin ver­ra­ten. Wenn das stimmt, ran­giert ihr neu­es Buch defi­ni­tiv in der Hau­te Cou­ture: es ist anspruchs­voll und detail­ver­ses­sen, kom­plex und exklu­siv. Exklu­siv des­we­gen, weil nicht alle, die etwas von Mode ver­ste­hen, die Münch­ner Pro­fes­so­rin ver­ste­hen wer­den. Und gott­sei­dank auch nicht müs­sen. „Ange­zo­gen“ ist die intel­lek­tu­el­le Aus­ein­an­der­set­zung mit einem kul­tu­rel­len und ästhe­ti­schen Phä­no­men. Der prak­ti­sche oder gar kom­mer­zi­el­le Nutz­wert hält sich in Gren­zen. Was Vin­kens Buch nicht weni­ger span­nend macht.

In „Ange­zo­gen“ beschäf­tigt sich die Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin auf klu­ge und manch­mal sogar unter­halt­sa­me Wei­se mit dem Mode­wan­del. Die­ser ist für sie kei­ne unvor­her­seh­ba­re Lau­ne der Kul­tur, son­dern hat Sys­tem: „Es ist mög­lich, die Mode zu den­ken. Der Mode­wan­del folgt bestimm­ten Geset­zen.“ Dum­mer­wei­se – und das ist die schlech­te Nach­richt für alle, die mit Mode Geld ver­die­nen wol­len – ist die Mode trotz­dem nicht vor­her­seh­bar. Son­dern nur im Nach­hin­ein inter­pre­tier­bar. „Der Rück­griff etwa auf einen his­to­ri­schen Mode­fun­dus ist weder belie­big noch bedeu­tungs­los“, schreibt Vin­ken. „Auch wenn wir, die wir die­se Moden tra­gen, meis­tens natür­lich kei­ne Ahnung davon haben, was wir tun, wenn wir uns anzie­hen: Mode­wan­del hat Sys­tem.“ Vin­ken ver­wen­det 250 Sei­ten dar­auf, die­ses „Geheim­nis der Mode“ zu ergrün­den. Sie schlägt dar­in vie­le wei­te Bögen: von New York bis in den Ori­ent, von Marie Antoi­net­te bis Michel­le Oba­ma, von Nietz­sches Mode­kri­tik bis zu Görings Fuß­nä­geln. Mit “Ange­zo­gen” zeigt sich Bar­ba­ra Vin­ken erneut als Deutsch­lands bes­te Modeversteherin.

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Eine Kost­pro­be von „Ange­zo­gen“ gab es vor­ges­tern bei einer Lesung im Münch­ner Lite­ra­tur­haus. Neben Vin­ken saßen Desi­gne­rin Iris von Arnim und Autor Tho­mas Mein­ecke auf dem Podi­um. Die eine, weil sie neben­an einen Laden betreibt. Der ande­re, weil er vor 35 Jah­ren mal die Lite­ra­tur­zeit­schrift „Mode und Ver­zweif­lung“ grün­de­te, aus der dann, wie Wiki­pe­dia zu ent­neh­men ist, die kaum weni­ger unbe­kann­te Band F.S.K. ent­stand. Tja. Die drei rede­ten denn auch mun­ter anein­an­der vor­bei, was nicht zuletzt an der sym­pa­thisch über­for­der­ten Mode­ra­to­rin lag.

Das Buch hat Vin­ken übri­gens ihrer Mut­ter gewid­met „und all den Tex­til­ar­bei­te­rin­nen, die in den ver­schie­de­nen Wel­len des Ruins der euro­päi­schen Tex­til­in­dus­trie ihre Arbeit ver­lo­ren haben und bis heu­te in der glo­ba­len Ver­la­ge­rung der Aus­beu­tung zu Tode kom­men“. „Ange­zo­gen – Das Geheim­nis der Mode” gibt’s bei Klett-Cot­ta (255 Sei­ten, 19,95 Euro).

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