Drei Gedanken zur Fusion von Yoox und Net-a-porter

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„Heute eröffnen wir das weltgrößte Luxus-Mode-Geschäft. Ein Laden, der niemals schließt. Ein Laden ohne geographische Grenzen. Ein Laden, der stilbewußten Konsumenten Zugang zu den besten Designer-Marken eröffnet. Ein Laden, der etablierten und aufstrebenden Marken das großartigste interaktive Schaufenster zur Welt bietet. Zusammen definieren wir die Modemedien- und Einzelhandelslandschaft neu.“

Was Nathalie Massenet in großen Worten erklärt, ist in der Tat ein Paukenschlag. Die beiden Luxus-Online-Pioniere Yoox und Net-a-porter fusionieren. Es entsteht der größte Luxus-Anbieter der Welt mit einem Umsatz von 1,3 Mrd. Euro und 2 Millionen Kunden in 180 Ländern. Richemont ist mit 50% an der neuen Yoox Net-a-porter-Group beteiligt. Yoox-Gründer Frederico Marchetti wird CEO, Net-a-porter-Gründerin Massenet Executive Chairman. Nach der Übernahme von Mytheresa durch Neiman Marcus ist es die zweite Sensationsnachricht, die zeigt, wie sich der Online-Markt für Luxus-Mode konsolidiert. Drei Gedanken gehen einem da spontan durch den Kopf:

1. Luxus im Internet ist zwar ein schnell wachsendes Segment. Aber Geld ist damit noch nicht so leicht zu verdienen. Net-a-porter hat jedenfalls in den fünf Jahren unter Richemont-Regie durchweg rote Zahlen geschrieben. Und auch Yoox‘ Umsatzrendite ist nicht gerade berühmt. Gut möglich, dass den spitzen Rechnern in Genf die Flucht nach vorne da als strategisch sinnvolle Option erschien. Net-a-porter mit seinen diversen Webshops und das als Schnäppchenportal positionierte Yoox ergänzen sich sowohl in der Ansprache der relevanten Marktsegmente (Womenswear, Menswear, Shoes) als auch im Hinblick auf die Verwertungskette vom High End-Fullprice-Store bis zum Outlet. Die jährlichen Synergieeffekte werden auf 60 Millionen Euro taxiert. Mehr dazu in der offiziellen Mitteilung zum Merger.

2. Luxus im Internet ist ein globales Geschäft. Die Claims werden jetzt abgesteckt. Zuletzt ist die Wachstumskurve der beiden Player arg abgeflacht, jedenfalls im Vergleich zu Massenmarktanbieter wie Zalando oder Asos. Zudem machen Mitbewerber wie Mytheresa, Luisa Via Roma und Farfetch den Raum enger. Entscheidender Faktor im Verdrängungswettbewerb ist die Finanzkraft. Mit der Fusion ist eine Kapitalerhöhung um 200 Millionen Euro geplant, die ggf. durch zusätzliche strategische Investoren aufgebracht werden soll. Das frische Geld soll Wachstumschancen finanzieren helfen und in die Integration und Hebung der Synergien investiert werden.

3. Luxus im Internet ist eine Frage der Größe. Gefahr droht auch, aber längst nicht nur vom Giganten Amazon, dem man sich mit der Fusion womöglich entzogen hat. Der größte Wettbewerb für einen Multilabel-Anbieter werden perspektivisch die Webshops der Marken sein. Nicht zuletzt verhilft Yoox selbst etlichen Brands als Dienstleister aufs Fahrrad. Mit dem Zusammenschluss wird Yoox Net-a-porter-Group zu einer Supermacht im Luxus-Markt und auf lange Sicht zum wichtigsten Kunden, den die Brands auch künftig nicht ignorieren werden können.

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profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit Januar 2012 Managing Partner der Personalberatung Hartmann Consultants

7 thoughts on “Drei Gedanken zur Fusion von Yoox und Net-a-porter

  1. Arme neue Welt. Amazon und Zalando teilen sich den Massenmarkt auf. Und Yoox/Net-a-porter den Luxusmarkt. Dank Kapitalkraft und damit verbundener Marktmacht.

    Ich glaube nicht dran liebe Freunde. Ich glaube an den Kunden, der kein Bock hat auf das Diktat einiger weniger. Ich glaube an viele und kleinere Boutiquen, Onlineshops und Marken. Die machen das Leben bunter, das Einkaufen individueller und somit den persönlichen Look einzigartiger.

    Ja es stimmt auch, dass die Marken das Geschäft selber machen wollen. Aber ich hoffe auf die „Revenge of the Retail“!

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