Was nun, Herr Kronen?



Das habe ich vor gut sechs Jahren schon den Onkel von Philipp Kronen gefragt. Damals hatte die CPD dramatische Aussteller- und Besucher-Verluste zu verschmerzen, so dass in der Branche erstmals Gerüchte über ein bevorstehendes Ende der einstmals weltgrößten Modemesse aufkamen. Manfred Kronen musste sich damals für 55000 Besucher und 1500 Aussteller rechtfertigen. Er und sein Nachfolger Frank Hartmann konnten den Niedergang nicht aufhalten. Am vergangenen Wochenende waren es nur noch 500 Aussteller und 20000 Besucher, die sich in den verbliebenen vier Hallen tummelten. Philipp Kronen verwaltet ein schweres Erbe. 
 
Seit 2009 ist Manfred Kronens Neffe Geschäftsführer der Igedo Company. Gemeinsam mit seinem Bruder Timm hält er knapp 23% an der von seinem Grossvater Willi Kronen 1949 gegründeten Messegesellschaft. Onkel Manfred hat seine Anteile 2005 an die Messe Düsseldorf verkauft, die heute die Mehrheit haelt. 

Philipp Kronen analysiert die Situation nüchtern mit dem Blick des gelernten Unternehmensberaters. Er weiss, dass die CPD niemals mehr dieselbe Rolle wird spielen können wie zuletzt in den 80er und frühen 90er Jahren. Aber die Lage ist auch nicht aussichtslos. Die gerade beendete CPD war die zweite Düsseldorfer Veranstaltung, die er zu verantworten hatte. „Wir sind gegenüber dem Sommer gewachsen, und das ist für mich der Massstab“ sagt er im Interview, das ich heute für die nächste Ausgabe der TW im Düsseldorfer Interconti geführt habe. Die Gerüchte über ein Aus für die Messe entbehrten der Grundlage. Die kritischen Anmerkungen des Düsseldorfer OB und Aufsichtsrats-Vorsitzenden der Messe, Dirk Elbers, seien von der Rheinischen Post….. Aber was schreibe ich das jetzt schon alles. Nächste Woche einfach TW lesen!

Fünf Gründe, die gegen die CPD sprechen:
  
 1. Die Messe gibt schon lange keinen Marktüberblick mehr. Das Angebot an marktstarken Anbietern tendiert gegen Null. Auf die Messe geht nur noch, wer sich keinen Schauraum leisten will oder kann.
2. Die Schauräume sind fest etabliert. Die Marktmitte versammelt sich um Halle 29. Halle 30 wird der Messe anders als den Fashion-Häusern nicht schaden, aber die Messe-Ablehnung der betreffenden Anbieter weiter zementieren.

3. Die Kollektions- und Orderrhythmen der Branche haben sich von der Messe längst abgekoppelt. Das Ordergeschehen verlagert sich in die Regionen. Bei jährlich sechs bis zwölf Orderrunden erscheinen die beiden CPD-Termine willkürlich. Und für eine modische Information liegen sie zu spät.

4. So wie der Handel sich immer mehr spezialisiert, so zersplittert die Messelandschaft. „Alles unter einem Dach“ ist auch als Messekonzept passé. Die HAKA fährt nach Florenz, die Streetwear und die Progressiven nach Berlin, der Sport nach München und die Wäsche nach Paris.

5. Die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Handel und Industrie wird zum Minderheitenprogramm. Vertikale Systeme wie H&M und Zara sind die Marktanteilsgewinner. Industrie und Handel setzen auf gemeinsam bewirtschaftete Flächenkonzepte. Für diese Form der Distribution ist eine Messe wie die CPD mit ihrem Angebot irrelevant.


Fünf Gründe, die für die CPD sprechen:

1. Die Messe ist immer noch Koordinator und Termingeber für Düsseldorf. Welches Theater entsteht, wenn mehrere Veranstalter sich einigen sollen, war zuletzt in Berlin zu sehen. Karl-Heinz Müllers Vorgabe war umstritten, aber letztlich richtig.

2. Die Messe leistet insbesondere international eine wichtige Kommunikationsaufgabe und sorgt für Publicity. Je weiter Düsseldorf entfernt liegt, desto unumstrittener ist die Veranstaltung. Dass so viele Russen nach Düsseldorf kommen, hängt auch mit den dortigen Aktivitäten der Igedo zusammen. Letztlich ist der Werbeetat der CPD eine Quersubvention der Showroombetreiber.

3. Nicht die CPD, aber die Modewirtschaft insgesamt ist ein wichtiger Standort- und Imagefaktor für Düsseldorf und NRW, den sich Stadt und Land etwas kosten lassen werden.

4. Die CPD ist für die internationalen Aktivitäten der Igedo wichtig. Wer keine funktionierende Branchen-Veranstaltung in seinem Heimatmarkt hat, dem fehlt die Glaubwürdigkeit für entsprechende Aktivitäten im Ausland.

5. Die grundsätzliche Funktion der Messe, nämlich auf eine rationelle Art Überblick, Information, Orientierung zu ermöglichen, bleibt sinnvoll. Die Schauräume mögen ja den Marken mehr Glanz verleihen, für den Handel ist die Herumkurverei in Düsseldorf nervig und teuer. Die Igedo hat am Wochenende keinen schlechten Job gemacht. Der Auftritt der Messe war ansprechend. Vielleicht sollten manche Anbieter mal wieder auf dem Messegelände vorbeischauen, um sich ein eigenes Bild zu machen?

profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

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