Wenn Farfetch an den Preisen schraubt

x39Wenn Far­fetch sein Preis­sys­tem ändert, schril­len bei den Luxus­mar­ken die Alarm­glo­cken. Die “opti­mi­zed pri­ces” wer­den den Wett­be­werb auf der Platt­form ver­schär­fen, weil sie es den Händ­lern ermög­li­chen, die lokal dif­fe­ren­zier­te Preis­ge­stal­tung der Luxu­ry Brands zu unter­lau­fen. Was Sag­meis­ter in Bre­genz für das Pra­da-Teil auf­ruft, muss­te Lux­clu­sif in Tokio bis­her nicht inter­es­sie­ren. Euro­päi­scher Luxus ist in Asi­en der­ma­ßen teu­rer als etwa in Frank­reich, so dass sich für die Chi­ne­sen sogar der Shop­ping Trip nach Paris rech­ne­te. Viel­leicht kom­men sie dem­nächst nur noch des Eif­fel­turms wegen und nicht mehr zum Ein­kau­fen. Wo die Luxus­händ­ler auf einer Platt­form wie Far­fetch qua­si Tür an Tür resi­die­ren, ist die Preis­trans­pa­renz total und der Preis­wett­be­werb damit poten­zi­ell glo­bal. Lokal dif­fe­ren­zier­te Prei­se wer­den per­spek­ti­visch nicht mehr zu hal­ten sein.

Das hat Fol­gen. Prei­se inter­na­tio­nal zu har­mo­ni­sie­ren, stellt die Brands zunächst vor eine enor­me betriebs­wirt­schaft­li­che Her­aus­for­de­rung. In einem Mul­ti­brand-Umfeld haben sie zudem wenig Hand­ha­be, ihre Prei­se zu kon­trol­lie­ren oder gar zu dik­tie­ren, da sind die Geset­ze vor. Des­we­gen heißt es ja “unver­bind­li­che Preis­emp­feh­lung”. Für die Posi­tio­nie­rung im Markt ist die Preis­po­li­tik aber wesent­lich. Im Inter­es­se ihrer Mar­ke wer­den die Brands ihren Ver­trieb des­halb künf­tig noch sehr viel selek­ti­ver anle­gen als bis­her. Und ihn nach Mög­lich­keit selbst in die Hand nehmen.

Far­fetch ändert sein Preis­sys­tem, weil sich der bör­sen­no­tier­te Online-Play­er davon schnel­le­res Wachs­tum ver­spricht. Para­do­xer­wei­se unter­gräbt die Platt­form damit das Geschäfts­mo­dell der Mul­tila­bel-Händ­ler, die den Markt­platz heu­te aus­ma­chen. Die wer­den aus den genann­ten Grün­den von vie­len Mar­ken womög­lich irgend­wann nicht mehr belie­fert wer­den. Am Ende wer­den die Brands selbst dort ihre Web­shops ando­cken, weil die Platt­form mehr Fre­quenz anzieht als sie allein über Goog­le gene­rie­ren kön­nen und wol­len. Es ist das­sel­be Spiel wie an den Luxus­mei­len der Metro­po­len. Dort wur­den die Ein­zel­händ­ler eben­so von den Mono­labels­to­res ver­drängt. Die Digi­ta­li­sie­rung wirkt so gese­hen als Kata­ly­sa­tor der Ver­ti­ka­li­sie­rung.

Das The­ma stellt sich über­all da, wo die­sel­ben Mar­ken von unter­schied­li­chen Anbie­tern ver­kauft wer­den. Wegen der exklu­si­ven Mar­ken sicher ganz beson­ders auf Far­fetch, aber auch auf den Markt­plät­zen etwa von Ama­zon oder Zalando.

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Und sonst?

… ver­nei­gen sich die Feuil­le­to­nis­ten vor Carl Jakob Haupt. Der 34jährige Dan­dy Dia­ry-Macher ist am Kar­frei­tag an Krebs gestor­ben. Wer hät­te gedacht, dass die seriö­sen Medi­en mal einem Mode­b­log­ger nach­wei­nen wür­den. Die­se “Berufs­be­zeich­nung” umschreibt den Par­ty­ma­cher und Pro­vo­ka­teur Haupt frei­lich nur unzureichend.

… hat es Spie­gel-Autorin Anja Rüt­zel für ihre Pole­mik gegen Enis­sa Ama­ni nach den Abou­tY­ou-Awards mit der Gefolg­schaft der Influ­en­ce­rin zu tun bekom­men. Dabei hat Hei­di Klum doch noch geru­fen: “Ihr Hater da drau­ßen: Shop hating!”

… dafür hat sich Lena Mey­er-Land­rut Ärger mit der eige­nen Gefolg­schaft ein­ge­han­delt. Ihre aktu­el­le Koope­ra­ti­on mit H&M wird von vie­len Fans kri­tisch betrach­tet: “Wenn es nicht H&M wäre, fän­de ich das super. Aber Fast Fashion will ich nicht unter­stüt­zen, und fin­de es auch sehr scha­de, dass du das machst”, so eine Fol­lo­we­rin. Nach­hal­tig­keits­be­rich­te sind halt kein Stoff für Instagram.

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