
Früher war bekanntlich alles besser. Sogar das Sommerloch. Die Nachrichtenproduzenten haben durchgearbeitet. Allen voran die Dealmaker:
Mammut wurde nach China verkauft. Die Goldner Fashion Group mit Madeleine und Albamoda wurde von ihrem Produktionspartner aus Hongkong übernommen. Hessnatur ging an die Briten, die 2024 bereits Peter Hahn gekauft haben. Bestseller-Inhaber Anders Holch Povlsen nutzte den schwächelnden Aktienkurs, um erneut bei Zalando zuzukaufen. Immerhin: Die Rucksackmarke Pinqponq bleibt deutsch – Kapten & Son nimmt Fondof die ungeliebte Tochter ab.
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Einen anstrengenden Sommer wird auch Daniel Grieder gehabt haben. Nicht schön für den Hugo Boss-CEO waren die in England wabernden Gerüchte, Mike Ashley wolle ihn durch seinen Schwiegersohn ersetzen. Die Frasers Group ist jetzt in Metzingen endgültig am Drücker. Zwar haben die Briten mit ihrem Übernahmeangebot knapp die Aktienmehrheit verfehlt. Auf der Hauptversammlung dürften sie dennoch das Sagen haben. Dass viele Aktionäre auf ein knickriges Angebot eingingen, das vom Vorstand und Aufsichtsrat als zu niedrig abgelehnt wurde, ist im Übrigen alles andere als ein Vertrauensbeweis.
Unklar ist, was Frasers Motive sind. Vielleicht spekuliert Mike Ashley (der quasi im Vorbeigehen auch noch die britische Kaufhausikone Harvey Nichols übernommen hat) auch nur darauf, dass Grieders Touchdown funktioniert und der Aktienkurs steigen wird. Prompt setzte auf LinkedIn das große Jammern über den Ausverkauf deutscher Traditionsmarken ein. Dabei ist Hugo Boss schon lange nicht mehr in deutscher Hand.
Doch der Einstieg der Briten ist schon ein markanter Einschnitt. Der neue Bestimmer wird zuvorderst das Management beschäftigen und ggf. die Mitarbeitenden. Die Handelspartner von Hugo Boss tangiert das Ganze vorerst weniger. Für die ist entscheidend, was sich in Sachen Produkt, Preise und Vertrieb in Metzingen ändert. Und da Fraser selbst Großkunde ist, wird Mike Ashley nichts tun, was der Marke schadet. Oder?
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Zu einer regelrechten Farce entwickelte sich der Börsengang von Shein. Es ist eher ein Börsenstolpern. Der IPO war nach mehreren Anläufen für Mitte August erwartet worden und wurde nun auf den 1. September verschoben. Die Bewertung ist weit entfernt von den 100 Milliarden, die das Geschäft theoretisch mal wert gewesen sein soll. Darauf weisen Beobachter nicht ohne Schadenfreude hin. Dass die Chinesen sich schwertun, Kasse zu machen, sollte den hiesigen Wettbewerb indes nicht beruhigen. Das Shein-Geschäftsmodell bleibt eine riesige Bedrohung.
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Wer hat im August noch für Schlagzeilen gesorgt?
Erneut P&C. Der Konzern schmeisst seinen kompletten Düsseldorfer Einkauf raus. Der galt mal als das Herz des Unternehmens. Eigentlich dachte man ja, der Sensationsgehalt der Weltstadthaus-Vermietung an Inditex ließe sich nicht mehr steigern.
Manuel Farrokh soll die Transformation bei Galeria vorantreiben. Die Frage ist: Transformation wohin?
Sebastian Jänisch übernimmt das Büro von Christian Greiner am Münchner Marienplatz, und die Doblinger-Gruppe nimmt Ludwig Beck von der Börse. Greiner sitzt künftig auf dem Chefsessel bei Wöhrl. Der Familie hat der Ludwig Beck-Verkauf Kapital verschafft, das ihr Unternehmen bestimmt gebrauchen kann.
Snocks-Mitgründer Johannes Kliesch bespielt künftig nicht nur LinkedIn, sondern auch die Höhle der Löwen.
Der öffentlichkeitsscheue LVMH-Gründer Bernard Arnault meldet sich in X an, um eine süffisante Stellungnahme zu dem in Le Monde kolportierten Familienzwist zu tweeten. Sagt man eigentlich noch "tweeten"?
Das Metropolitan Museum in New York rehabilitiert John Galliano ("I love Hitler") mit seiner für 2027 geplanten großen Retrospektive endgültig.
Und dann hat Vanity Fair den Papst Leo XIV auf seine Best Dressed-Liste gesetzt. Über die sonst wahrscheinlich niemand berichtet hätte.
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Und was hat noch für Aufregung gesorgt?
Die extreme Hitze sorgte sieben Wochen lang für Umsatzminus im stationären Handel. In den meisten Läden lief nur die Klimaanlage. Damit – und nicht nur mit Rotstiftpreisen – hätten die Unternehmen mal werben sollen. Wenn es nicht zynisch wäre, könnte man von einem neuen USP sprechen, den der Klimawandel den Stationären überraschend verschafft.
Gleichzeitig schlägt sich der E‑Commerce mit der neuen EU-Verpackungsverordnung herum. Die ist, wie vieles, was die Bürokraten aushecken, gut gemeint, führt aber zu Rechtsunsicherheiten, Belastungen und Umsetzungschaos. Während sich der internationale Versand für kleine Unternehmen kaum mehr rechnet, hat Amazon aus der Not eine Tugend gemacht und eine Werbekampagne mit seinen neuen Verpackungen initiiert. Gleichzeitig verschärft der Online-Riese die Prime-Versandregelungen für seine Marktplatzpartner.
Die Schere wird auch im E‑Commerce weiter auseinander gehen. Zugleich wächst die Erkenntnis, dass der Markt auf allen Kanälen gleichermaßen Exzellenz verlangt. Da scheint es in vielen Fällen ratsam, sich auf das Geschäft zu konzentrieren, das man wirklich beherrscht. Der im August verkündete Rückzieher von Voo ist nur das aktuellste Beispiel. BoF will gar eine Renaissance des stationären Multilabelhandels erkannt haben. Wobei die Redakteure in London eher Highend-Concept-Stores wie Dover Street Market, Andreas Murkudis oder eben Voo im Blick haben, die in einer deutschen Mittelstadt nicht funktionieren würden.
Aber auch im E‑Commerce ist bisweilen Katzenjammer zu vernehmen. Es sei eine bittere Erkenntnis, dass Unternehmen wie Zalando und Shein mit ca. 90 Dollar pro Kunde an der Börse viel schlechter bewertet seien als der stationäre Fashionsuperstar Inditex, schreibt E‑Com-Experte Alexander Graf in seinem Kassenzone-Newsletter. Setzt man die Zahl der App-Nutzer ins Verhältnis zur Börsenbewertung, sei jeder Kunde bei Inditex bis zu zehnmal soviel wert wie bei Zalando oder Shein. „Ist dies die Google- und Meta-Steuer, die E‑Commerce Unternehmen so über ihren Börsenkurs bezahlen müssen?“, ätzt Graf. „Bei Inditex ist der 'Türsteher' lediglich die Innenstadt – die, und das ist besonders bitter, das hier so schreiben zu müssen, aktuell den besseren Deal bietet als unser geliebter E‑Commerce.“
Das lässt natürlich außer acht, dass Inditex längst selbst ein milliardenschwerer E‑Com-Player ist. Und stationär eine Ausnahmestellung einnimmt. Die Klage ist der Gruß der Kaufleute – offenbar gilt das auch im Internet. Manche Dinge ändern sich dann eben doch nicht.