Supreme an VF. Rekordumsatz bei Alibaba. Neues Spielgeld für Farfetch.

Jür­gen Müller

Es gibt sie noch, die guten Nach­rich­ten. Allen vor­an natür­lich die aus den USA. Dort ist die Prä­si­dent­schafts­wahl ent­schie­den, auch wenn sich nach wie vor zwei Kan­di­da­ten als Sie­ger füh­len. Und wenn er noch so sehr auf den Boden stampft – die Tage des ‚Fake Pre­si­dent‘ schei­nen gezählt. Am Wochen­en­de wur­den die sozia­len Medi­en geflu­tet von hämi­schen Memes. Mein Lieb­ling: Mela­nia, die „how to divor­ce oran­ge man“ goog­let. Die Erleich­te­rung über den anste­hen­den Wech­sel im Wei­ßen Haus ist jeden­falls rie­sen­groß. Zumin­dest in mei­ner Bla­se. Wahr­schein­lich wür­den die Insta­gram- und Face­book-Algo­rith­men ande­re Reak­tio­nen anzei­gen, wenn ich Atti­la Hild­mann oder den selbst­er­nann­ten Quer­den­kern folgte.

Posi­tiv und zugleich mit lei­sem Zwei­fel behaf­tet ist auch die Bio­n­tech-Nach­richt. Ein wirk­sa­mer Covid-Impf­stoff scheint gefun­den, das Ende der Pan­de­mie nur eine Fra­ge der Zeit. Fre­quen­zen und Umsät­zen nutzt das im Moment zwar noch wenig, die waren in der ver­gan­ge­nen Woche erneut unter­ir­disch. Und wenn Euler Her­mes von 12 Mil­li­ar­den weni­ger Beklei­dungs­um­satz für 2020 spricht, dann liest sich das irgend­wie bru­tal, aber das sind halt die 20 Pro­zent, die seit Mona­ten in den Kas­sen des Ein­zel­han­dels feh­len. Auch wenn es wohl vie­le Mona­te dau­ern wird, bis ein Impf­stoff fak­tisch wirkt, wird allein die Aus­sicht dar­auf sich auf die Stim­mung aus­wir­ken. Die Bör­sen­kur­se gin­gen schon mal hoch. Auch der Kon­junk­tur­aus­blick der Wirt­schafts­wei­sen war die­se Woche über­ra­schend posi­tiv. Chi­na schwingt sich nach über­wun­de­ner Coro­na-Kri­se wie­der zum Motor der Welt­wirt­schaft auf, was deut­schen Expor­teu­ren zugu­te kommt.

Davon pro­fi­tiert auch Ali­b­a­ba. Die chi­ne­si­sche Online­han­dels­platt­form hat am Sin­gles Day mal wie­der alle Rekor­de gebro­chen. 56 Mil­li­ar­den Dol­lar spül­te die Rabatt­ak­ti­on vom 1. bis zum 11.11. in die Kas­se, mehr als das Brut­to­in­lands­pro­dukt von Island, Liba­non und Geor­gi­en zusam­men, in Spit­zen­zei­ten waren 583.000 Bestel­lun­gen pro Minu­te abzu­wi­ckeln. Ali­b­a­ba-Grün­der Jack Ma kann sol­che Ergeb­nis­se gut gebrau­chen. Der Bör­sen­wert des Kon­zerns war vor einer Woche um gut 10 Pro­zent ein­ge­bro­chen, nach­dem die Finanz­auf­sicht über­ra­schend den Bör­sen­gang der Finanz­toch­ter Ant (Ali­pay) gestoppt hat­te. Das hat Beden­ken geschürt, dass der chi­ne­si­sche Staat Ali­b­a­ba und ande­re Tech-Fir­men stär­ker regle­men­tie­ren könn­te. Anfang der Woche ist der Kurs noch­mal um 10 Pro­zent abge­sackt, zusam­men mit ande­ren Online-Wer­ten wie Ama­zon und Zalan­do, die eben­falls hef­ti­ge Kurs­ver­lus­te ver­zeich­ne­ten. Die Aus­sicht auf einen bal­di­gen Impf­stoff schmä­lert in den Augen der Anle­ger die Gewinn­aus­sich­ten der Online-Gigan­ten. Des einen Freud…

Nur für Far­fetch ging es die­se Woche kräf­tig hoch. Mit Unter­stüt­zung von Ali­b­a­ba, Riche­mont und Kering, die den Geld­ver­bren­ner Jose Neves mit 1,15 Mil­li­ar­den Dol­lar drin­gend benö­tig­tem fri­schem Kapi­tal ver­sor­gen. Der Ein­stieg der Kon­zer­ne ist eine Win-win-Situa­ti­on für alle: Ali­b­a­ba schnappt dem Kon­kur­ren­ten JD.com den Luxus­markt­platz Far­fetch weg, Riche­mont und Kering ver­schaf­fen sich eine bes­se­re Aus­gangs­po­si­ti­on im chi­ne­si­schen Wachs­tums­markt, auch gegen­über dem glo­ba­len Luxus-Markt­füh­rer LVMH, der gera­de mit Tif­fa­ny beschäf­tigt ist, und Far­fetch bekommt neu­es Spiel­geld und lässt YNAP als Ver­lie­rer daste­hen. Prompt wird über die Zukunft der Riche­mont-Toch­ter spekuliert.

Gute Nach­rich­ten gab es last but not least auch für Supre­me. Finanz­in­ves­tor Car­lyle war 2017 für kol­por­tier­te 500 Mil­lio­nen Dol­lar bei der Street­we­ar Brand ein­ge­stie­gen. Jetzt erlöst Car­lyle zusam­men mit Co-Inves­tor Goo­de 2,1 Mil­li­ar­den beim Ver­kauf an VF. Ein stol­zer Preis bei einem Umsatz von 500 Mil­lio­nen, der eigent­lich nur durch die hohe Pro­fi­ta­bi­li­tät und das Poten­zi­al von Supre­me zu recht­fer­ti­gen ist. VF setzt denn auch auf Kon­ti­nui­tät bei Geschäfts­mo­dell und Manage­ment. Supre­me-Grün­der James Jeb­bia und sei­ne engs­ten Ver­trau­ten blei­ben, wie es heißt, an Bord. Was sicher ent­schei­dend ist, wenn es dar­um geht, Credi­bi­li­ty und Pro­fi­ta­bi­li­ty wei­ter­hin sau­ber auszubalancieren.

Für Supre­me ist die Über­nah­me durch einen Stra­te­gen sicher bes­ser als die Wei­ter­ga­be an den nächs­ten Finanz­in­ves­tor. Die VF Corp., zu der Brands wie North Face, Vans, Tim­ber­land, Dickies, East­pak und Napa­pi­j­ri gehö­ren, hat in der Ver­gan­gen­heit bewie­sen, dass sie Mar­ken zu mana­gen ver­steht. Auch wenn die finanz­markt­ge­trie­be­ne Matrix­or­ga­ni­sa­ti­on den Töch­tern dabei eini­ges abver­langt. Mit Supre­me unter­nimmt der Kon­zern einen gro­ßen Schritt in den Wachs­tums­markt Street­we­ar und sichert sich eine begehr­te Brand, die mit ihren Drops und Co-ops auch ein Pio­nier in Sachen Mode­mar­ke­ting ist.

Schlagworte:, , ,