Farfetch und Stadium Goods. Zara und das Internet. Soulmate und Grilled Shrimp.

IMG_0452Far­fetch schluckt Sta­di­um Goods. Der Inter­net-Markt­platz sichert sich damit den Zugriff auf das lukra­ti­ve und gera­de für die umwor­be­ne Mil­le­ni­al-Ziel­grup­pe rele­van­te Snea­ker-Seg­ment. Die Über­nah­me war nicht die ers­te und wird nicht die letz­te gewe­sen sein, und das nicht nur, weil Far­fetch nicht wüss­te wohin mit all dem Bör­sen­geld. Im Gegen­teil schreibt das Unter­neh­men bis heu­te nur Ver­lus­te. Wer die Aktie hält, wet­tet auf die Zukunft. Das Luxus­ge­schäft im Inter­net blüht, viel stär­ker als die Luxus­kon­zer­ne es lan­ge wahr­ha­ben woll­ten. Und es wird sich gleich­zei­tig kon­so­li­die­ren, mehr noch als im Mas­sen­markt. Denn die Brands, die viel­fach in der Hand von weni­gen Kon­zer­nen sind, wer­den das Online Busi­ness mit­tel­fris­tig selbst machen wol­len. Saint Lau­rent wird es dann nur noch bei ysl.com geben. Und bei sehr weni­gen aus­ge­wähl­ten ande­ren Adres­sen. Vor der Aus­lis­tung schützt ins­be­son­de­re Grö­ße und inter­na­tio­na­le Reich­wei­te in der rele­van­ten Ziel­grup­pe. Wes­halb Net-a-por­ter und Far­fetch wei­ter in Sie­ben­mei­len-Stie­feln unter­wegs sein wer­den. Die Claims wer­den jetzt ver­teilt. Deut­sche Erfolgs­sto­ries wie mytheresa.com müs­sen sich ran­hal­ten, um im glo­ba­len Wett­be­werb nicht zurück­zu­fal­len. Der aktu­el­le Streit unter den Nei­man Mar­cus-Eigen­tü­mern ist des­we­gen nicht hilfreich.

Die Mono­po­li­sie­rungs­ten­denz gilt in abge­mil­der­ter Form auch im Mas­sen­markt. Das heißt: Eigent­lich ist das Ren­nen dort bereits ent­schie­den – über die Hälf­te des deut­schen Online­han­dels läuft heu­te schon über Ama­zon. Zalan­do mag in Deutsch­land eine Rie­sen-Num­mer sein. Ama­zon macht glo­bal 40 mal mehr Umsatz. Da kom­men schnell mal Über­nah­me­ge­rüch­te auf, so wie aktu­ell, wo Zalan­do an der Bör­se abschmiert. Der Kurs hat sich in den letz­ten vier Mona­ten hal­biert, für gut 3 Mil­li­ar­den könn­te man die Akti­en­mehr­heit über­neh­men. Ob Ama­zon sol­che Ambi­tio­nen hat, weiß nur Jeff Bezos. Wenn Ama­zon im Mode­ge­schäft wei­ter­kom­men woll­te, wäre ein glo­ba­ler Mar­ket­place wie Far­fetch eine min­des­tens eben­so nahe­lie­gen­de Option.

Zalan­do reagiert auf die aktu­el­le Kri­se mit Akti­en­rück­käu­fen und Kos­ten­sen­kun­gen. So spart man sich die Bread & But­ter. Gleich­zei­tig erwei­tert man das Ange­bot, nach Beau­ty prüft man jetzt den Ein­stieg in Heim­tex­ti­li­en. Hin­ter dem die­se Woche eben­falls ver­kün­de­ten Aus­bau von Pre­mi­um Brands steht nicht nur der Ansatz, mehr Mode­kom­pe­tenz auf den Moni­tor zu brin­gen. Es wird wohl  auch dar­um gehen, wie­der einen höhe­ren Durch­schnitts­wa­ren­korb zu erzie­len, um damit die per­ma­nent stei­gen­den Logis­tik­kos­ten kom­pen­sie­ren zu kön­nen. Und die avi­sier­te Eröff­nung wei­te­rer Zalan­do-Out­lets dürf­te auch mehr eine Not­maß­nah­me zum Abbau von Über­lä­gern sein als Bau­stein einer nach vor­ne gerich­te­ten Sta­tio­när- oder gar Omnichannel-Strategie.

Ganz span­nend sind in die­sem Zusam­men­hang die aktu­el­len Inditex-Zah­len. „Mehr Umsatz mit weni­ger Läden“, schreibt die TW. Über die Per­for­mance der Flä­chen sagt das nicht all­zu viel aus; denn die Online-Umsät­ze wer­den nicht sepa­rat aus­ge­wie­sen, son­dern offen­bar ein­fach drauf­ge­rech­net. Die Spa­ni­er betrei­ben welt­weit net­to mehr als 50 Läden weni­ger als noch vor Jah­res­frist. Man darf davon aus­ge­hen, dass Inditex mit Argus­au­gen auf sein Sta­tio­när­ge­schäft schau­en und kon­se­quent der Fre­quenz fol­gen wird, die nun mal ins Netz abwandert.

Es ist natür­lich eine hypo­the­ti­sche Fra­ge. Aber wäre Zara ein sol­cher Welt­erfolg gewor­den, wenn Aman­cio Orte­ga sei­ner­zeit nicht mit tol­len Läden, son­dern als Online Retailer gestar­tet wäre? Statt in Wer­bung inves­tiert Zara seit jeher ins Pro­dukt und in die Prä­sen­ta­ti­on. Aus dem Kon­trast von hoch­wer­ti­gem Auf­tritt und erschwing­li­chen Prei­sen bezieht die Mar­ke ihre Attrak­ti­vi­tät. Online lässt sich die­ses Ver­spre­chen nicht glei­cher­ma­ßen ein­lö­sen. Und anders als in der Fuß­gän­ger­zo­ne gibt es bei Goog­le den Traf­fic nicht umsonst.

Und sonst?

…stahl Meg­han Mark­le bei den Bri­tish Fashion Awards allen die Show. Die Ame­ri­ka­ne­rin strahl­te noch mehr als Preis­trä­ge­rin Cla­re Wai­ght Kel­ler (Given­chy).

…berät Vir­gil Abloh neu­er­dings auch die Mine­ral­was­ser­mar­ke Evi­an. Wir haben schon immer gewußt, dass das Krea­tiv-Genie auch nur mit Was­ser kocht.

…ist Jus­tin Tim­ber­lakes „Soul­ma­te“ laut Mood Media die meist­ge­spiel­te Ins­to­re-Musik. Kein Wun­der, dass die Fre­quen­zen rück­läu­fig sind.

…hat Hei­no Geburts­tag. Der Schla­ger­sän­ger mit dem iko­ni­schen Look wird 80. Der Hei­no der Mode­bran­che – Karl Lager­feld – ist die­ses Jahr 85 geworden.

…ist Wat­son der nächs­te Preis­trä­ger des renom­mier­ten Gott­lieb Dutt­wei­ler Prei­ses. Nach Vaclav Havel, Josch­ka Fischer und Kofi Ann­an geht der Preis im kom­men­den Mai an die Künst­li­che Intel­li­genz von IBM. Hin­ter der Jury steckt – soweit man weiß – kein Algorithmus.

…ist „Living Coral“ für Pan­to­ne die Far­be des Jah­res. Man hät­te es auch „Gril­led Shrimp“ nen­nen kön­nen, aber das hät­te wohl die Vege­ta­ri­er auf den Plan gerufen.

…wur­de die­se Woche eine Stu­die publik, nach der 44 Pro­zent der Mill­en­ni­als lie­ber auf Sex ver­zich­ten wür­den, anstatt ihr Ama­zon-Kon­to für ein Jahr zu kün­di­gen. 77 Pro­zent der Befrag­ten wür­den lie­ber für ein Jahr dem Alko­hol abschwö­ren als Ama­zon. Spricht das jetzt für Ama­zon? Oder gegen die Millennials?

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