“Würde jemand Flatschflatschs kaufen?”

Trendforscherin Gundel Ekeldoort über die modischen No gos dieses Sommers.

Gun­del Ekel­doort, wel­che Fuß­be­klei­dung emp­feh­len Sie bei die­sen Temperaturen?

Ich tra­ge bei jedem Wet­ter Pumps, Schätzchen!

Fin­den Sie Flip­flops abseits des Strands akzeptabel?

Ich bevor­zu­ge den Begriff ‘Zehen­san­da­le’. Ich fin­de, es hört sich alles ande­re als leicht­fü­ßig an, wenn man die anhat. Aber wür­de jemand Flat­sch­flatschs kau­fen? Wenn ich bar­fuß gehe, klingt das übri­gens nicht viel anders. Immer­hin beher­ber­gen Zehen­san­da­len weni­ger Bak­te­ri­en­kul­tu­ren als Sneakers.

Woher kommt eigent­lich der Hass auf die Jogginghose?

Die Jog­ging­ho­se teilt die­ses Schick­sal mit vie­len ande­ren Klei­dungs­stü­cken. Zum Bei­spiel mit Crocs-Schu­hen, UGG-Boots und Socken in San­da­len. Oder Krawatten.

Aber kei­ne Schu­le wür­de Kra­wat­ten verbieten. 

Ver­su­chen Sie mal, mit Bin­der am Tür­ste­her eines ange­sag­ten Clubs vor­bei zu kom­men. An den Schu­len sind die wirk­lich Schlecht­ge­klei­de­ten übri­gens in aller Regel Lehrer.

Jog­ging­ho­se im Büro – das geht gar nicht, oder?

Im Home Office gibt es nichts Passenderes.

Karl Lager­feld hat gesagt: “Wer Jog­ging­ho­sen trägt.…”

Ich weiß. Das hat Karl nicht davon abge­hal­ten, für Cha­nel wel­che zu ent­wer­fen. Kon­troll­ver­lust scheint es auch in bes­se­ren Krei­sen zu geben.

Zielt, wer Jog­ging­ho­sen kri­ti­siert, nicht vor allem auf deren Träger? 

Sie haben recht. Für mich ist das ganz klar ein Fall von cul­tu­ral appro­pria­ti­on. Da eig­nen sich Leu­te, die sich auch eine Arma­ni-Jeans leis­ten kön­nen, den Look der Unter­schicht an. Und ver­höh­nen damit letzt­lich die Armut. Das ist natür­lich viel sub­ti­ler als wie frü­her einen “Eure Armut kotzt mich an”-Sticker auf sei­nen 5er BMW zu kle­ben. Desi­gner wie Vir­gil Abloh för­dern mit ihren obs­zön teu­ren Aller­welts­kla­mot­ten die­sen Klas­sen­hass. Gegen die­se Form der kul­tu­rel­len Aus­beu­tung soll­ten sich die Kik-Kun­den zur Wehr setzen.

Ein­spruch! Geht es bei Mode denn nicht immer um Grup­pen­an­schluss? Wer ein Polo von Ralph Lau­ren trägt, beu­tet doch auch nicht den Life­style der Ivy League aus.

Es ist genau umge­kehrt. Indem sie die über­teu­er­ten Shirts kau­fen, ermög­li­chen die Mode­op­fer der Ivy League erst ihren Lifestyle.

Hm. Kom­pli­ziert.… Viel­leicht erle­digt sich der Jog­ging­ho­sen­trend auch von selbst. In die­sem Som­mer sehen wir ein Come­back der Radlerhose.

Das ist tat­säch­lich der Gegen­trend! Wäh­rend die Jog­ging­ho­se alles ver­hüllt, macht die Rad­ler­ho­se jede Del­le und jede Wulst sicht­bar. Das ist nicht immer schön anzu­se­hen. Aber: Wer Rad­ler­ho­sen trägt, hat die Kon­trol­le über sein Leben zurückgewonnen.

Wir wol­len zei­gen, dass wir fit sind, aktiv und sportlich.…

Ein ein­zi­ges Miss­ver­ständ­nis! So wie kein Mensch mehr Jog­ging­ho­sen zum Jog­gen anzieht, wird auch die Rad­ler­ho­se vor­wie­gend zum Net­fli­xen getragen.

Und bei den Män­nern set­zen sich shor­ter shorts durch. Haben Sie eine Erklä­rung dafür? 

Schau­en Sie sich Ste­ve McQueen an, Tom Sel­leck oder den jun­gen Sean Con­ne­ry als James Bond: Je männ­li­cher der Mann, des­to shor­ter die shorts. Wo die Girls in Hot Pants rum­ren­nen, ist die kur­ze Kur­ze so etwas wie ein mas­ku­li­nes Emanzipations-Statement.

In Peking hat die Staats­füh­rung jetzt den soge­nann­ten ‚Bei­jing Biki­ni‘ ver­bo­ten. Das ist der unter chi­ne­si­schen Män­nern ver­brei­te­te Brauch, das T‑Shirt bis zur Brust auf­zu­rol­len, um den Bauch zu lüften.

Wahr­schein­lich hat das die Gesichts­er­ken­nungs­sys­te­me ver­wirrt. Hihi…

Dafür zei­gen sich die Frau­en in luf­tig ver­hül­len­den Hippie-Kleidern.

Ich nen­ne es die Ibi­za-Bur­ka. Ich bevor­zu­ge das klei­ne Schwarze.