Das Modegeschäft am Flughafen läuft nach eigenen Gesetzen. Und wie es läuft!

Vere­na König und Ver­i­na Roß­deut­scher (rechts) sind am Frank­fur­ter Flug­ha­fen für die Ver­mie­tung der Fashion-Flä­chen zustän­dig. Dazu zäh­len neben Beklei­dung auch Acces­soires, Uhren/Schmuck und Son­nen­bril­len, insge­samt 51 der 220 Ein­zel­han­dels­flä­chen, die es am größ­ten deut­schen Air­port gibt. Mein Kol­le­ge Jörg Nowi­cki und ich waren ver­gan­ge­ne Woche dort, um uns über die für 2012 geplan­te Erwei­te­rung des Shop­ping-Berei­ches (Pro­jekt A‑Plus) zu infor­mie­ren. Am Ran­de des Gesprächs ging es um Beson­der­hei­ten des Air­port Retail­ing. Von denen es nicht weni­ge gibt. Wer hät­te bei­spiels­wei­se gedacht,

…wel­che Umsät­ze und Flä­chen­pro­duk­ti­vi­tä­ten am Flug­ha­fen mög­lich sind? Der Spit­zen­wert in Frank­furt liegt nach Anga­ben von König bei 85.000 Euro/m ² im Jahr. Auch wenn der Ver­gleich ein wenig hinkt: Im Durch­schnitt bringt es der Tex­til­ein­zel­han­del in Deutsch­land gera­de mal auf etwas über 3700 Euro. 

… dass Juwe­lier Christ nach Berech­nun­gen von König allein am Frank­fur­ter Flug­ha­fen rund 5% sei­nes Gesamt­um­sat­zes erwirt­schaf­tet. Christ betreibt hier ledig­lich fünf sei­ner ins­ge­samt über 200 Filia­len.    

…welche Mie­ten am Flug­ha­fen bezahlt wer­den? Der Spit­zenwert im Fashion-Bereich liegt in Frank­furt bei 1900 Euro/m². Es gibt nach Aus­sa­ge von König nicht weni­ge Mie­ter, die mehr als 1000 Euro zah­len. Zum Ver­gleich: Spit­zen­mie­ten auf der Frank­fur­ter Zeil lie­gen bei 230 Euro/m². Die Mie­te ist des­halb für Air­port-Retailer nicht sel­ten der größ­te Kos­ten­block, noch vor dem Personal.

…wie kom­pli­ziert und lang­wie­rig Anmie­tun­gen am Flug­ha­fen sind? Die Ver­mark­tung für das neue Ter­mi­nal A‑Plus beginnt in die­sen Wochen, die Miet­ver­trä­ge müs­sen im kom­men­den Früh­jahr ste­hen, damit im Som­mer 2012 – also in zwei Jah­ren – eröff­net wer­den kann. Der Grund: Jede Ver­än­de­rung muss bei der Frank­fur­ter Bau­be­hör­de geneh­migt wer­den. Die Mit­ar­bei­ter auf der Air­si­de brau­chen alle­samt eine Sicher­heits­über­prü­fung durch die Behör­den. Nicht sel­ten wer­den Verkäufer/innen von den Behör­den abge­lehnt. 

…dass der Frank­fur­ter Flug­ha­fen nicht mit sei­nen Öff­nungs­zei­ten wer­ben darf? Man habe ein ent­spre­chen­des Gentleman’s Agree­ment mit dem Ein­zel­han­dels­ver­band getrof­fen, so König. Obwohl die lan­ge Laden­öff­nung das Haupt­ar­gu­ment für einen Shop­ping-Aus­flug zum Flug­ha­fen wäre und die Fre­quenz auf der Land­sei­te sicher­lich zusätz­lich stei­gern würde.

 …dass die Korea­ner die Kun­den mit dem höchs­ten Pro-Kopf-Umsatz sind? Jeden Abend, bevor Kore­an Air kurz nach 19 Uhr in die Hei­mat abhebt, gera­ten die Händ­ler am Flug­ha­fen in freu­di­ge Erwar­tung, berich­tet König. Gene­rell geben die Asia­ten das meis­te Geld an Flug­hä­fen aus. Schluss­lich­ter sei­en die Ame­ri­ka­ner und die Deutschen. 

 

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