Droge Rabatt

photo18Früher gab es den Winterschlussverkauf. Heute nennt sich die konzertierte Rabattaktion des Einzelhandels Black Friday, Red Friday, Black Buy Day, Black Price Days, wie auch immer.. Und das Event findet nicht wie früher Ende Januar statt, sondern heute – Ende November. Zu diesem Zeitpunkt startete früher das Weihnachtsgeschäft, und der Handel freute sich, dass die Menschen Geschenke für ihre Lieben einkauften. Heute beschenken die Unternehmen ihre Kunden, mit kräftigen Preisnachlässen. Die sind wie eine Droge: man kann nie genug davon bekommen, und man kann nicht mehr davon lassen. Nur dass im Drogengeschäft die Konsumenten sich zugrunde richten und die Dealer profitieren. Im Einzelhandel ist das bekanntlich genau umgekehrt.

Das Lamento über zu frühe und zu hohe Preisreduzierungen ist so alt wie der Kapitalismus. Jedem ist klar, dass nach Rabattschlachten am Ende nur Verlierer auf dem Feld zurückbleiben. Weil das Vertrauen in Preis-Leistung verloren geht und Kauf-Attentismus und Wertverfall gefördert werden. Von dieser Situation profitieren nur die Anbieter mit glaubwürdigen Preisen – insbesondere Discounter und Billiganbieter. An der damit einher gehenden Verarmung des Angebots können auch die Kunden kein Interesse haben. Warnende Appelle an die Branche sind gleichzeitig wohlfeil. Die Preisschlachten sind ein Symptom für die Übersättigung des Marktes. Sie werden erst dann aufhören, wenn Nachfrage und Angebot wieder in einem gesunden Verhältnis stehen. Dazu wird es auf unabsehbare Zeit nicht kommen. Im Gegenteil: Die Digitalisierung wird den Wettbewerb noch verschärfen. Am Montag feiert Amazon den Cyber Monday.

Es bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig, als sich auf diesen Markt einzustellen und an der eigenen Firmenkonjunktur zu arbeiten. Mit einem klaren Konzept, das einen vom Wettbewerb unterscheidet. Mit konkurrenzfähigen Kostenstrukturen, die trotz allem ein rentables Wirtschaften ermöglichen. Und schließlich mit einem kreativen Marketing, das Kunden aktiviert und Nachfrage stimuliert. Da gibt es weitaus mehr Möglichkeiten, als den Rotstift einzusetzen.

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profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

4 thoughts on “Droge Rabatt

  1. Genau so ist es ! Aber unser Einzelhandel sieht das leider nicht so ! Renditen ? werden auch dadurch immer schlechter !

  2. Wenn ich von früher spreche oder wie es einmal war – dann heißt es immer: „früher“ gab es auch noch einen Kaiser! Nur wenn man alle Entwicklungen so um die 40 Jahre mit einander vergleicht dann fragt man sich auch; Quo Vadis Fashion Business. Wir haben nur zum Beispiel in Hong Kong Ware auf dem Markt die man sich so in Deutschland gar nicht vorstellen kann. Was geht dabei verloren: „Stil und Trend“. Weil man alles anzieht oder anziehen kann – ist leider so.
    Zuerst sind in Deutschland Marken gestorben und irgendwann wird es ziemlich krass an den Handel gehen. Noch verdient der Handel und auch die Industrie Geld, aber wie lange noch? Die Margen werden immer geringer. Beispiele gibt es auch hier genug. Kommissionsgeschäfte alleine sind hier nicht die Rettung.
    Die Lösung sehe ich nur in der Profilierung der Marken und auch des Handels. – Konzentrieren nur auf das was wichtig ist und das vor allem mit eigenem Stil. Denn sonst bleibt diese Monokultur allseits bestehen. Hinzu kommt auch noch die Pflege der noch bestehenden guten Marken und diese sollten sich auf die guten Handelspartner konzentrieren.
    Über empfohlene Verkaufspreise sollte man auch wieder reden da dieses in beiderseitigem Interesse ist.
    Ich weiß jetzt schon wieder wie alle das kommentieren werden, doch zumindest sollten sie darüber nachdenken. Sonst haben alle am Ende zuviel Ware und es gibt nur noch Umsatz um jeden Preis. Dann bleibt dieser Kreislauf – also schafft Profile.
    Wichtig ist auch, dass der Endverbraucher zwar schon informiert ist doch noch lange nicht so wie wir alle denken. Der Endverbraucher ist überfordert mit Angeboten und im Grunde genommen braucht er vor allen Dingen sein Einkaufserlebnis. Fragt man sich doch ehrlich: brauche ich was zum Anziehen um jeden Preis? Nein im Prinzip brauche ich das nicht und nur wenn ich dabei etwas erlebe und mich freue: dann kaufe ich. If you enjoy: you pay – if you don?t enjog: you don t pay.

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