Transformation. Digital. Mental.

x4Das Ladenschlussgesetz wird so lange diskutiert werden, wie Läden schließen. Oder bis keine mehr aufhaben. Dass sich die Gewichte im Einzelhandel von Stationär zu Online verschieben, liegt natürlich nicht allein an gesetzlichen Rahmenbedingungen. Es ist gleichwohl unbestreitbar, dass die Beschränkung der Ladenöffnungszeiten ein klarer Wettbewerbsnachteil der Stationären ist. Warum wohl sonst weist der BEVH als Interessenvertretung der Distanzhändler ausgerechnet jetzt, nach der Initiative der Warenhäuser darauf hin, dass der Samstag trotz geöffneter Läden zu den bevorzugten Online-Einkaufstagen gehört und negiert damit den Zusammenhang zwischen Ladenschluss und 365/24/7-Onlineshopping? Natürlich damit die Kunden am Sonntag nicht ins Einkaufszentrum fahren können.

Das Ladenschlussgesetz dient seit jeher der Wettbewerbsverhinderung. Wenn Einzelhändler gegen eine Änderung votierten, dann ging es stets auch darum, der Konkurrenz die Öffnung zu untersagen. Dieser Reflex hält bis heute, wie gerade auf TW Online nachzulesen ist, und er ist aus der Sicht vieler Fachhändler auch verständlich. Nur sitzt die wahre Konkurrenz schon lange nicht mehr nur bei Karstadt oder im ECE-Center in der nächsten Stadt. Das Einkaufszentrum der Zukunft ist das Smartphone, das jeder in seiner Hand- oder Hosentasche trägt. Und das schließt erst, wenn der Akku nicht mehr mitspielt.

Dass der Einzelhandel dem digitalen Angebot ein soziales Einkaufserlebnis entgegensetzen muss, gilt mittlerweile als Gemeinplatz. Events, Gastronomie, all das wird künftig eine viel größere Rolle spielen müssen. Wenn aber Shopping immer mehr zur  Freizeitbeschäftigung wird, dann müssen die Läden öffnen, wenn die Kunden Freizeit haben. Zum Beispiel Sonntags. Und abends. Deswegen führt aus Sicht des Einzelhandels an einer Liberalisierung des Ladenschlusses kein Weg vorbei. Es braucht nicht nur die vielbeschriebene digitale Transformation. Sondern ebenso eine mentale Transformation, die den Einzelhandel als Teil der Unterhaltungsindustrie begreift und konsequent danach ausrichtet.

Oder wir führen halt doch den Ladenschluss für Onlineshops ein.

 

 

profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

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