Bundesregierung plant Ladenschluss für Webshops

 

Webshops sollen ab dem kommenden Jahr nur noch von 6 bis 24 Uhr öffnen. Nachts sollen die Online Retailer ihre Firewalls hochfahren und keine Bestellungen annehmen dürfen. Sonntags soll der Verkauf lediglich im Ausnahmefall erlaubt sein.

Die Bundesregierung folgt mit diesem Gesetzesvorschlag einer Initiative der Landesregierung Thüringens. Nachdem das  Bundesverfassungsgericht das dortige Ladenschlussgesetz bestätigt hat, das Einzelhandelsmitarbeitern zwei freie Samstage im Monat garantiert, hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) einen Nachteilsausgleich für stationäre Einzelhändler angeregt: „Was den einen verboten ist, darf den anderen nicht erlaubt sein. Das ist ein Gebot der Solidarität“, so der frühere Karstadt-Mitarbeiter und Gewerkschafts-Sekretär.

„Es geht um den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, so Sozialministerin Andrea Nahles, die zuletzt mit ihrer Reform der Arbeitsstättenverordnung gescheitert war. „Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon weiterhin fensterlose Toiletten und Teeküchen ertragen müssen, sollen sie wenigstens Sonntags an die frische Luft können.“ Nahles‘ Vorstoß bedeutet nicht nur eine rot-rote Annäherung, sondern zugleich potenziellen Ärger zwischen Bund und Ländern. Denn seit der Föderalismusreform 2006 obliegt die Regelung der Ladenöffnungszeiten letzteren. Nahles sieht das in diesem Fall anders: „Das Internet ist für uns alle Neuland. Aber bestimmt keine Ländersache.“

Die Kirchen begrüßten die Ankündigung. Statt dem Konsum sollten die Menschen wieder dem Katholizismus huldigen, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. „Sonntag ist Kreuz-Channel-Tag.“

Bei den Verbänden findet die Initiative indes ein geteiltes Echo. Der Handelsverband HDE trägt Nahles‘ Initiative im Grundsatz mit. „Wir sind für Ladenöffnung und gegen staatliche Reglementierung. Aber effizientes Omnichannelling bedingt zwangsläufig eine Harmonisierung der Öffnungszeiten“, so ein HDE-Sprecher. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) verweist dagegen auf die Wirkungslosigkeit der Maßnahme („Wir bleiben bei unserer Wachstumsprognose“) und zitiert Oliver Samwer. „Why Stores? I see no value in Stores.“

Die Unternehmen sehen die Neuregelung derweil gelassen. Amazon kündigte an, deutsche Sonntags-Bestellungen künftig nach Polen durchzurouten.

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Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

16 thoughts on “Bundesregierung plant Ladenschluss für Webshops

  1. dann bin ich dafür, dass sich politiker auch nur noch werktags zwischen 9 und 20 uhr öffentlich äussern dürfen… ich wandere aus…

    adrian runhof artistic & managing director talbot runhof // purple label fashion gmbh tel: +49 89 236673-14

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