Kaufhof kanadisch? Versace für Givenchy? Abercrombie ohne Sex? Lagerfeld wie Oma Wurst?

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Dass früher oder später ein Interessent für Kaufhof auftaucht, war klar. Nachdem Ex-Metro-Chef Eckhardt Cordes die Warenhäuser vor Jahren ins Schaufenster gestellt hatte, räumte sein Nachfolger Olaf Koch sie offiziell wieder ins Regal zurück. Auch, weil sich kein Käufer gefunden hat. Gleichwohl wurde die Braut herausgeputzt. So avancierte Kaufhof vom ungeliebten, weil profitschwachen Aschenputtel zu einer kleinen Perle im Metro-Portfolio. Die – anders als andere Konzerntöchter – zumindest eine ordentliche Rendite abliefert.

Jetzt hat angeblich die kanadische Hudson’s Bay Company ein Auge auf die Kölner geworfen. Das erscheint nicht unplausibel; wegen der aktuellen Euro-Schwäche schauen sich Investoren von jenseits des Atlantiks intensiv nach Anlagemöglichkeiten in Euroland um. Deutschland verspricht langfristig Stabilität. Die Übernahme des Motorrad-Ausstatters Detlev Louis durch Warren Buffet war ein erster Paukenschlag.

Ähnlich wie bei der Übernahme von Karstadt durch Signa wird es auch bei Kaufhof nicht primär um das Warenhausgeschäft gehen. Hinter Hudson’s Bay (HBC) steht mit Richard Baker ein Immobilieninvestor. Baker kaufte vor neun Jahren zunächst die US-Kaufhauskette Lord & Taylor von Federated Department Stores (Macy’s), ein Jahr darauf stieg er bei Hudson’s Bay ein, das er wiederum ein Jahr später ganz übernahm. 2013 schließlich kaufte Hudson’s Bay für 2,9 Milliarden Saks Fifth Avenue. Ein gutes Geschäft – allein das Flagship auf der 5th Avenue soll angeblich 3,7 Milliarden wert sein. Kaufhof könnte der nächste Deal werden. Dass die Metro im vergangenen Jahr das Handelsgeschäft und die Warenhaus-Immobilien wieder zusammengeführt hat, war eine in der Öffentlichkeit wenig beachtete, aber entscheidende Weichenstellung. Wer Kaufhof übernimmt, kauft vermietete Immobilien. Auf die konzeptionelle Ausrichtung des Handelsgeschäfts muss das keine Auswirkungen haben.

Auch wenn die Verkaufsgespräche bislang nicht dementiert wurden – es ist zu früh, um einen Bieter-Wettbewerb zwischen Signa-Chef René Benko und HBC-Investor Richard Baker herbeizufantasieren. Nur Eingeweihte wissen, ob Benko überhaupt noch Interesse an Kaufhof hat. Die viel beschriebene Deutsche Warenhaus AG würde – wenn überhaupt – keine Vermählung von Karstadt und Kaufhof sein. Sondern der gesunde Kaufhof würde sich die passenden und überlebensfähigen Karstadt-Standorte einverleiben. Und wer weiß – vielleicht eröffnet sich hier auch ein Exit-Szenario für René Benko.

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Und sonst? War allerhand Ekliges zu lesen:

„Ich fühle mich geehrt, meine neue, ultimative Ikone zu präsentieren“, teilte Kreativdirektor Riccardo Tisci anlässlich des Kampagnenshootings auf Instagram mit: Das neue Gesicht von Givenchy wird Donatella Versace. Was für ein Bild hat Tisci nur von seiner Zielgruppe?

„Karl Lagerfeld riecht wie meine Oma“, enthüllte Conchita Wurst in der Illustrierten OK!. Wahrscheinlich um zu dokumentieren, wie nahe man sich steht. Fehlen nur noch Spuren von Trockenshampoo im Bart. Oma Wurst riecht übrigens nach Menthol.

Der Flughafen von Portland lässt gerade seinen alten Teppich austauschen. Jetzt posten die Fluggäste massenhaft Selfies von ihren Füßen auf dem 80er Jahre-Muster – über 40.000 sollen es schon sein. Wer @pdxcarpet googelt, findet Socken und T-Shirt-Kollektionen und einen Webshop. Und nicht wenige lassen sich das Muster als Tattoo auf die Haut stechen.

Abercrombie verzichtet künftig auf Sex. Die Oben Ohne- Store Models müssen sich jetzt was überziehen. Nun gibt es gar keinen Grund mehr, die Läden zu besuchen.

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Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit Januar 2012 Managing Partner der Personalberatung Hartmann Consultants

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