Lieber Eyan Allen,

hiermit bewerbe ich mich um die ausgeschriebene Position als Hugo-Reporter . Sehr gerne würde ich am 20. Januar zu Ihrer großen Hugo Boss-Show nach Berlin kommen, um mich dort für kostenlosen Eintritt und – ich vermute mal – auch eine warme Mahlzeit als verlängerter Arm Ihrer Werbeabteilung zu betätigen. Anbei erhalten Sie wie gewünscht eine Arbeitsprobe. Das Video soll Ihnen einen Eindruck von meinen Fähigkeiten vermitteln: Von meinem ultimativen Gespür für Dramaturgie. Von meiner Angewohnheit, stets das Wesentliche zu fokussieren und voll auf den Punkt zu bringen. Von meinem Weit- ebenso wie meinem Durchblick. „Kreativ“ ist mein zweiter Vorname und mein Englisch wird mit jedem Glas Champagner flüssiger.

Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, der sich von Ihrer Aktion angesprochen fühlt. Man hat ja manchmal den Eindruck, dass es bald mehr Blogger gibt als Hugo-Kunden. Und es gibt, nicht wahr, sehr viele Hugo-Kunden. Ich verstehe, dass Ihr Marketingleute die Blogger mögt. Die schreiben oft glaubwürdig auf Augenhöhe ihrer Zielgruppe (und nicht von oben herab wie manche Journalisten). Viele posten einfach Fotos, das ist Euch doch wahrscheinlich sowieso am allerliebsten. In der ersten Reihe machen sich Paradiesvögel wie Tavi oder Bryan Boy besser als die sonnenbebrillten Hochglanzzicken, die nicht selten schon mal bessere Zeiten gesehen haben. Wie ihre Magazine. Und die TKPs sind im Vergleich zu den uncoolen Printmedien natürlich unschlagbar günstig. Wenn die Blogs denn tausend Kontakte erreichen. Damit kann ich übrigens locker dienen.

Aber wie im echten Leben kaum einer dem anderen zuhört, findet auch nicht jedes Netz-Geschreibsel tatsächlich Leser. In den allermeisten Fällen verpasst man nichts. Manchmal ist es sogar besser, wenn unqualifizierte Laien-Kritik keine Resonanz findet. Auf jeden Fall wird im Modebusiness nach meinem Eindruck mehr über Blogs geredet, als dass diese wirklich angeschaut werden. Modemenschen finden halt per se alles gut, was neu ist. Obwohl da wie gesagt viel Scheiss produziert wird, gehöre ich nicht zu denen, die Blogs als die „Klowände des Internets“ schmähen oder gar von „loser generated content“ sprechen würden. Ich muss freilich zugeben, dass mir das Wortspiel von Jean Remy von Matt ganz gut gefällt. Jedenfalls ist die Blogosphäre unübersichtlich. Die Aktion wird Ihnen bei Hugo Boss sicher helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Ich möchte mich hiermit als Weizen sprich Hugo-Reporter empfehlen. Lieber Eyan – ich darf doch Eyan sagen? – ich würde mich sehr freuen, zu den Auserwählten am roten Teppich in Berlin zu gehören. Dass ich auch schon mal für eine Zeitung geschrieben habe, ist für Sie hoffentlich kein Ablehnungsgrund? Bis zum 20. Januar also.

 Herzliche Grüße nach Metzingen

 Jürgen Müller

 PS: Den iPod Touch kann ich doch anschließend hoffentlich behalten?

profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

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