„Zu billig ist moralisch verwerflich“, meint Ghassan Arab

Der Mann muss es wis­sen. Er ist mit sei­ner Fir­ma Mul­ti­li­ne einer der größ­ten T‑S­hirt-Pro­du­zen­ten der Welt. Das 1885 in Syri­en als Webe­rei gegrün­de­te Fami­li­en­un­ter­neh­men beschäf­tigt 12500 Mit­ar­bei­ter in 35 eige­nen Wer­ken. Dazu kom­men rund 300 Part­ner-Betrie­be in Chi­na, Ban­gla­desch, Syri­en, der Tür­kei und Viet­nam. Das Unter­neh­men erwirt­schaf­te­te zuletzt einen Umsatz von über 1,3 Mrd. Euro. Arab spielt damit in einer Liga mit Bran­chen­grö­ßen wie Die­sel, PPR/Gucci und Tom­my Hil­fi­ger. Nur dass Mul­ti­li­ne als Pri­va­te Label-Anbie­ter nicht in der Öffent­lich­keit steht. 

 Die Wahr­schein­lich­keit, ein T‑Shirt von Mul­ti­li­ne im Schrank zu haben, ist aber ungleich höher. Über 300 Mil­lio­nen Tei­le bringt Arab jähr­lich unters Volk. Die Ware wird in über 52000 Filia­len sowie im Ver­sand­han­del ver­trie­ben. Auf der Kun­den­lis­te steht fast jeder gro­ße deut­sche Han­dels­kon­zern: die Waren­häu­ser, Filia­lis­ten wie Vöge­le, C&A und Strauss Inno­va­ti­on, Ver­sen­der wie Otto und Necker­mann, Lebens­mit­tel­ein­zel­händ­ler wie Real, Ede­ka und Spar sowie Dis­coun­ter wie Aldi und Lidl.

Mul­ti­li­ne steht für nied­ri­ge Prei­se, das ist klar. Das sei gera­de im Moment ein gro­ßes The­ma, erzählt Arab bei einem Kaf­fee in sei­nem schi­cken Düs­sel­dor­fer Büro. Als jun­ger Mann wur­de der heu­te 47jährige von sei­nem Vater hier­her geschickt, um das Geschäft mit deut­schen Han­dels­kon­zer­nen auf­zu­bau­en. Hier ist heu­te die Zen­tra­le der Grup­pe, hier hat Arab sei­ne Frau (und Mul­ti­li­ne-Chef­de­si­gne­rin) Jas­min kennengelernt. 

Der Ein­zel­han­del berei­te sich auf ein wett­be­werbs­in­ten­si­ves Jahr vor, sagt Arab, da zählt im Ein­kauf jeder Cent. Aber es gibt Gren­zen. “Glau­ben Sie mir, ich weiß wovon ich spre­che: Wenn es mit rech­ten Din­gen zuge­hen soll, dann kann nie­mand bil­li­ger als Aldi und Lidl sein.” Die Prei­se die­ser ein­kaufs­mäch­ti­gen Food-Dis­coun­ter mit Gewinn zu unter­bie­ten, sei nur auf Kos­ten von Sozi­al- und Umwelt­stan­dards mög­lich. Sourcing-Pro­fi Arab nennt Namen und Bei­spie­le, die ich auf sei­nen aus­drück­li­chen Wunsch hier nicht wider­ge­be. Nicht alles, wor­auf sich asia­ti­sche Pro­du­zen­ten häu­fig in der Not noch ein­las­sen, sei jeden­falls legi­tim, sagt Arab. Es sei eine mora­li­sche Fra­ge, bestimm­te Geschäf­te zu unter­las­sen. “Da haben Sie als Groß­kun­de eine Verantwortung.” 

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