Passiert large

In den Schlagzeilen: Eva-Lotta Sjöstedt, André Maeder, Oliver Samwer, Karl-Erivan Haub, Jeff Bezos, Thomas Rath, Michael Michalsky und Guido Maria Kretschmer

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Vor lau­ter Ber­lin kam man gar nicht dazu, sich mit all dem zu beschäf­ti­gen, was sonst noch so pas­siert ist in den ver­gan­ge­nen Wochen. Da war Wich­ti­ge­res und Unwich­ti­ge­res, aber eini­ges Erwähnenswertes.

Für Schlag­zei­len gesorgt hat Eva-Lot­ta Sjös­tedt. Die neue Kar­stadt-Che­fin stell­te sich publi­kums­wirk­sam an die Laden­kas­sen. Ob vor lau­ter Repor­tern über­haupt ein Kun­de an sie her­an kam? Egal: Bei den Mit­ar­bei­tern kam die Ges­te an. Das allein wird Kar­stadt aber nicht ret­ten. Der­weil zemen­tie­ren Ben­ko und Berg­gru­en die Drei­tei­lung des Unter­neh­mens. Sowohl Kar­stadt Sport als auch die Pre­mi­um Group bekom­men eine neue Füh­rung, Kadewe & Co mit André Maeder sogar einen Fashion Hero.

Oli­ver Sam­wer hat sich mal wie­der zu den Zukunfts-Chan­cen des sta­tio­nä­ren Ein­zel­han­dels geäu­ßert: „Stores? I see no value in stores!“ Wenig spä­ter gab Zalan­do die Eröff­nung eines sta­tio­nä­ren Out­lets im ehe­ma­li­gen Kauf­hof-Haus in der Leip­zi­ger Stra­ße in Frank­furt bekannt. Irgend­ei­nen Wert wird das schon haben.

Die Macht des Inter­net zeig­te sich übri­gens mal wie­der die­se Woche. Weil vor fünf Jah­ren ein paar Schü­ler über Face­book den „Tag der Jog­ging­ho­se“ aus­ge­ru­fen haben, berich­te­ten nun zahl­rei­che Medi­en über die­sen Quatsch. Dabei ist, wenn man sich mal auf der Stra­ße umsieht, für nicht weni­ge Men­schen jeden Tag irgend­wie Jog­ging­ho­sen-Tag. Deut­lich sexier war dage­gen neu­lich der „No Pants Sub­way Ride“; da ging es dar­um, unten ohne U‑Bahn zu fah­ren. Angeb­lich schlos­sen sich Hosen­lo­se in immer­hin in 70 Städ­ten auf der gan­zen Welt dem Flashmob an.

Doch zurück zum Busi­ness: Auch Sam­wers Geschäfts­part­ner bei Zalan­do, Karl-Eri­van Haub, hat sich in der Weih­nachts­zeit zu Wort gemel­det: 1,99-T-Shirts bei Kik müss­ten sein, „weil letzt­lich vie­le Men­schen dar­auf ange­wie­sen sind, so preis­wert ein­zu­kau­fen.“ Nied­ri­ge­re Prei­se bedeu­te­ten nicht auto­ma­tisch schlech­te Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen. Das mag sein. In der­sel­ben Woche leg­ten Tex­til­ar­bei­ter-Streiks Ban­gla­desch lahm und schoss die Poli­zei in Kam­bo­dscha auf pro­tes­tie­ren­de Nähe­rin­nen. Beschä­mend ist, dass sich die deut­sche Öffent­lich­keit fast mehr über angeb­li­che Kat­zen­fell­bom­mel an Woll-Müt­zen auf­reg­ten (die sich dann als Mar­der­hund her­aus­stell­ten). Die armen Tiere!

Jeff Bezos muss­te wegen Nie­ren­stei­nen von einer Kreuz­fahrt auf den Gala­pa­gos-Inseln ins Kran­ken­haus aus­ge­flo­gen wer­den. Ein Gerücht ist frei­lich, dass er von einer Ama­zon-Droh­ne abge­holt wur­de. Der Online Retailer ließ dafür die­se Woche eine wei­te­re Rake­te stei­gen: dank „vor­aus­schau­en­der Lie­fe­rung“ erhal­ten wir die Ware künf­tig, bevor wir sie über­haupt bestellt haben. Ama­zon wird offen­sicht­lich alles zuge­traut. Aus­beu­tung sowie­so. Da ist es gut, dass die zufrie­de­nen Mit­ar­bei­ter, die es offen­sicht­lich auch gibt, ihren Unmut über die Ver­di-Kam­pa­gne kund taten und eine Gegen-Kam­pa­gne mit Pro-Ama­zon-Shirts auf die Bei­ne stellten.

„Mar­ken-Guru“ Klaus Brand­mey­er gab der Bild-Zei­tung aus die­sem Anlass ein poin­tier­tes Inter­view zum The­ma Social Respon­si­bi­li­ty: „Der Kun­de ist ein Ego­ist. Ihm geht es um sei­ne eige­nen Bedürf­nis­se. (…) Wie und unter wel­chen Umstän­den ein Pro­dukt ent­steht, ist ihm eigent­lich egal. Auf Ama­zon über­tra­gen heißt das: Wenn die Hot­line nicht funk­tio­niert, ist das für die­se Mar­ke schlim­mer, als wenn die Mit­ar­bei­ter wenig verdienen.“

Zur Ber­lin Fashion Week waren deut­sche Desi­gner in den Medi­en all­ge­gen­wär­tig: Gui­do Maria Kret­schmers Auf­tritt in Ber­lin wur­de von der Kri­tik ver­ris­sen. Vor lau­ter Shop­ping Queen scheint er kaum mehr Zeit für sein Kern­ge­schäft zu haben. Zudem steht er mit sei­nem Buch seit Wochen auf Platz 1 der Spie­gel Best­sel­ler-Lis­te. Wann hat das ein Mode­buch jemals geschafft? Oder ist es ein Buch über GMK? Micha­el Mich­alsky ist neu­er­dings Art Direc­tor bei McFit; die Muck­i­bu­den­ket­te ver­mark­tet ihre Pracht­ex­em­pla­re über eine eigens gegrün­de­te Model­agen­tur. 15 Ker­le kamen bei Mich­alskys Sty­le­ni­te zum Ein­satz. Gott­sei­dank hat­te Mich­alsky die Mädels woan­ders her. Und auch Tho­mas Rath hat sich anläss­lich Ber­lin geäu­ßert – zu Düs­sel­dorf, wo er gemein­sam mit ande­ren Mar­ken Anfang Febru­ar auf der Plat­form Düs­sel­dorf auf­tre­ten wird. Dort fin­det das Geschäft statt. „Ber­lin ist mehr und mehr Trash. Höchs­tens noch ein Nachwuchs-Karussell.“