Passiert large

Wenn die Lichter ausgehen

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Jür­gen Mül­ler

Auf dem Höhe­punkt der Coro­na-Kri­se muss­te man befürch­ten, dass in den Läden die Lich­ter aus­ge­hen. Jetzt ist es soweit. Aber nicht so wie die Phra­se gemein­hin meint. Ledig­lich die Schau­fens­ter­be­leuch­tung muss abge­stellt wer­den, von 22 bis 16 Uhr, und Laden­tü­ren dür­fen nicht dau­er­haft offen gehal­ten wer­den. Soweit die für den Ein­zel­han­del rele­van­ten Bestim­mun­gen der „Kurz­frist­ener­gie­ver­sor­gungs­si­che­rungs­maß­nah­men­ver­ord­nung“, die die Regie­rung zum 1. Sep­tem­ber ver­ab­schie­det hat. Buch­sta­ben zu spa­ren scheint von der Büro­kra­tie selbst in einer Not­la­ge zu viel ver­langt.

Doch Scherz bei­sei­te: Der Ein­zel­han­del wird gegen die Rege­lun­gen grund­sätz­lich nichts ein­zu­wen­den haben. Hel­fen sie doch, nicht nur Ener­gie, son­dern auch Kos­ten zu spa­ren. Ver­ant­wor­tungs­vol­le Kauf­leu­te wer­den das seit jeher getan haben. Für die meis­ten Händ­ler dürf­ten die neu­en Rege­lun­gen daher nicht von Belang sein, son­dern eher als Aktio­nis­mus emp­fun­den wer­den. Gön­nen wir Robert Habeck den Erfolg.

Ange­sichts der Ener­gie­preis­ex­plo­si­on sind frei­lich auch die­je­ni­gen nicht vor Kos­ten­er­hö­hun­gen gefeit, die bis­lang schon auf ihren Ver­brauch geach­tet haben. Zwar macht der Pos­ten im Han­del nur ein oder zwei Pro­zent aus. Gleich­wohl kön­nen rasant stei­gen­de Gas- und Strom­prei­se die schma­le Ren­di­te vie­ler Ein­zel­han­dels­be­trie­be zunich­te­ma­chen. Dass es den Lebens­mit­tel­han­del mit sei­nen Kühl­the­ken und erst recht die ener­gie­in­ten­siv pro­du­zie­ren­de Indus­trie ungleich hef­ti­ger trifft, ist da kein Trost. Das wird die EKs wei­ter trei­ben. Man tut als Laden­be­trei­ber gut dar­an, alle Ener­gie­spar­maß­nah­men umzu­set­zen, die kurz­fris­tig mach­bar sind. Ein biss­chen weni­ger hei­zen tut dem Abver­kauf von Win­ter­wa­re womög­lich gut. Dass es jetzt in vie­len Innen­städ­ten dunk­ler wird, ist jeden­falls zu ver­schmer­zen. Jetzt müs­sen die Kon­su­men­ten nur noch die Moni­to­re beim Online­shop­ping run­ter­dim­men…

Denn hier liegt das eigent­li­che Pro­blem der Ener­gie­preis­ex­plo­si­on: Die Haus­hal­te wer­den weni­ger Geld für Kon­sum haben. Am Ende könn­te der Ener­gie­kos­ten­an­teil allein schon des­halb stei­gen, weil der Umsatz sinkt.