Passiert large

Mailand, Paris, Hollywood

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Jür­gen Mül­ler

Beim Schau­en­zir­kus, zu dem sich die Wich­ti­gen der Mode­welt zwei­mal im Jahr für vier Wochen auf­ma­chen, dreht sich die Fashion-Bubble rou­ti­niert um sich selbst. Die­se einst eli­tä­ren Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen für – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – gut­be­tuch­te Kun­din­nen sind längst media­le Show­ca­ses für Luxus­mar­ken gewor­den. Die­se machen ihr Geld über­wie­gend nicht mehr mit Klei­dung. Aber wenn man die Mode­chefs der Print-Maga­zi­ne wie zuletzt in Paris so in der ers­ten Rei­he sieht, fragt man sich: War­um sit­zen die da noch? Vie­le der soge­nann­ten Con­tent Crea­tors sind nicht nur reich­wei­ten­stär­ker, son­dern auch deko­ra­ti­ver.

Im heu­ti­gen media­len Umfeld gibt es zudem Spek­ta­kel, die im Hin­blick auf die Publi­kums­wir­kung für die Luxu­ry Brands von ungleich höhe­rer Rele­vanz sind – und damit ist nicht das Wei­ße Haus gemeint, wo Donald Trump der US-Schuh­mar­ke Flor­s­heim die­se Woche glo­ba­le Bekannt­heit ver­schaff­te (wenn auch nicht unbe­dingt sol­che, die man sich als Mar­ke wünscht). Son­dern die Met Gala, die Film­fest­spie­le in Can­nes, seit ein paar Jah­ren sogar Fuß­ball­welt­meis­ter­schaf­ten.

Und natür­lich die Ver­lei­hung der Oscars.

Letz­te­re fand am Sonn­tag zum 98. Mal statt. Laut WWD gene­rier­te die Bericht­erstat­tung im letz­ten Jahr 104 Mil­lio­nen Inter­ak­tio­nen auf Social Media – mehr als der Super­bowl. Beim Ame­ri­can Foot­ball-Fina­le gibt es halt auch bloß zwei Vari­an­ten des­sel­ben Out­fits zu sehen. Bei den Aca­de­my Awards saßen die­ses Jahr in den USA fast 18 Mil­lio­nen ganz ana­log vor dem Fern­se­her. Selbst in Deutsch­land ver­folg­ten noch 340.000 das nächt­li­che Spek­ta­kel live auf Pro Sie­ben.

Ein Schwarz­weiß-Fern­se­her hät­te es die­ses Mal auch getan, denn die­se bei­den Nicht­far­ben domi­nier­ten die Out­fits. Jes­si­ca Buck­ley gehör­te zu denen, die sich – oder bes­ser gesagt: bei der ihr Sty­list sich etwas getraut hat. Sie hat denn auch prompt den Oscar für die bes­te Haupt­dar­stel­le­rin gewon­nen. Und mit ihr Cha­nel, das zu den meist­ge­tra­ge­nen Mar­ken im Dol­by Theat­re gehör­te. Offen­sicht­lich macht in der Rue Cam­bon nicht nur Mat­thieu Bla­zy einen guten Job, son­dern auch die Mar­ke­ting­leu­te, von deren Exis­tenz Karl Lager­feld nichts gewusst haben woll­te.

Ob es an der feh­len­den Far­big­keit der Out­fits lag, wes­halb die Bericht­erstat­ter die dies­jäh­ri­ge Oscar-Ver­lei­hung lang­wei­lig fan­den? Bemän­gelt wur­de außer­dem, dass abge­se­hen von einem für sei­ne Ver­hält­nis­se sehr zurück­hal­tend kri­ti­schen Jim­my Kim­mel und einem „No a la Guerra“-Sticker tra­gen­den Javier Bar­dem sich nie­mand poli­tisch posi­tio­nie­ren woll­te. Das war bekannt­lich bei der Ber­li­na­le anders, aber das war uns dann ja auch wie­der nicht recht.

Die Kri­ti­ker über­sa­hen frei­lich das State­ment von Sean Penn: Statt sei­nen drit­ten Oscar (als bes­ter Neben­dar­stel­ler für "One Batt­le After Ano­ther") ent­ge­gen­zu­neh­men und in die­sem ulti­ma­tiv gla­mou­rö­sen Augen­blick die Ver­hält­nis­se zu bekla­gen, bereis­te der Schau­spie­ler die Front in der Ukrai­ne.

Stil war noch nie nur eine Fra­ge des Out­fits.