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Das Business und Berlin

XWas war die­se Woche nicht alles los! Hugo Boss ver­liert sei­nen Ver­triebs­vor­stand. Migros stellt die Glo­bus-Waren­häu­ser zum Ver­kauf. Kauf­hof plant wei­te­re 1000 Arbeits­plät­ze abzu­bau­en. About You will sei­nen Umsatz bis Ende des kom­men­den Jah­res auf eine Mil­li­ar­de ver­dop­peln. Zalan­do spannt die Nach­barn als Paket­sta­ti­on ein. Insek­ten­for­scher tau­fen eine neu ent­deck­te Spin­nen­art nach Lager­feld: „Jotus karl­la­ger­fel­di“ hat gro­ße, schwar­ze Augen und einen wei­ßen “Kent­kra­gen”.

Und dann war da noch Berlin.

Es war wie im Vor­feld geunkt wur­de: Die Mes­sen schwä­chel­ten. Die Besu­cher­zah­len sind im Som­mer meist nied­ri­ger, zum Auf­takt am Diens­tag war die Fre­quenz indes erschre­ckend schwach. Auch auf Aus­stel­ler­sei­te war der Zuspruch spür­bar nach­las­send. Die Gän­ge auf der Pan­ora­ma waren gefühlt brei­ter, die Relax-Zonen sind mehr und grö­ßer gewor­den. Das lag nicht an den Mes­se­ma­chern. Die leg­ten sich wie immer voll ins Zeug und sorg­ten für eine tadel­lo­se Orga­ni­sa­ti­on und einen anspre­chen­den Rah­men. Aber gegen den Markt ist schwer anzukommen.

Kurz­fris­tig hat sich das rigi­de Kos­ten­ma­nage­ment von Han­del und Indus­trie aus­ge­wirkt. 2018 steckt vie­len immer noch in den Kno­chen. Die Geschäfts­ent­wick­lung war im ers­ten Halb­jahr erneut nega­tiv: Nach sechs Mona­ten liegt der sta­tio­nä­re Han­del laut TW im Schnitt bei minus 1.

Lang­fris­tig bil­det sich der Struk­tur­wan­del der Bran­che ab – die Kon­zen­tra­ti­on, die Vir­tua­li­sie­rung, die Digi­ta­li­sie­rung – das sind alles Ent­wick­lun­gen, die ten­den­zi­ell gegen die Mes­sen lau­fen. Aus Sicht der Ver­an­stal­ter ist es wahr­schein­lich frus­trie­rend und viel­leicht sogar ärger­lich: Da beschwört die Bran­che bei jeder Gele­gen­heit die Not­wen­dig­keit eines star­ken Markt­plat­zes, der Ange­bot und Nach­fra­ge kom­pe­tent zusam­men­bringt und den Mode­stand­ort Deutsch­land reprä­sen­tiert. Aber wenn es dar­um geht, die­sen Markt­platz durch einen eige­nen Bei­trag zu stär­ken, gewin­nen in den Unter­neh­men kurz­fris­ti­ge Kos­ten-Nut­zen-Erwä­gun­gen die Oberhand.

Es gibt indes immer noch genug Anläs­se, die einen Besuch in Ber­lin loh­nend mach­ten. Wer woll­te, konn­te auf den Mes­sen nicht nur vie­le Lie­fe­ran­ten tref­fen, son­dern auch neue Brands und Pro­duk­te ent­de­cken – für Fach­händ­ler eigent­lich eine Pflicht­übung, gera­de in einer Situa­ti­on, wo man dem Preis­wett­be­werb am bes­ten dadurch ent­kommt, indem man der Kon­kur­renz in punc­to New­ness vor­aus ist.

Schau­en zeig­ten nicht nur Jung­de­si­gner, deren Namen man nächs­tes Jahr größ­ten­teils wie­der ver­ges­sen haben wird, son­dern auch markt­star­ke Play­er: Bei Ria­ni und Marc Cain rie­ben sich die Cele­bri­ty-Ärsche, bei Sport­alm tän­zel­te Oli­ver Pocher über den Lauf­steg. Rene Lezard und Marc O’Polo luden zum Früh­stück. Hugo Boss ver­zich­te­te auf eine Show und bot statt­des­sen einen Live Gig von Liam Pain – äh: Pay­ne, des­sen Musik eben­sol­che ver­ur­sacht, aber egal, den Fans scheint es gefal­len zu haben.

Der Fashion Coun­cil Ger­ma­ny, die Stif­tung der Deut­schen Beklei­dungs­in­dus­trie, der Vogue Salon und das neue For­mat „The Net­work“ trom­mel­ten für den Nach­wuchs. Die Zeit, die Vogue, die Gala und die Bun­te luden ihre Anzei­gen­kun­den zum Essen, zur Par­ty oder zur Kon­fe­renz. Wolf­gang Joop pro­mo­te­te sei­ne Meis­ter­wer­ke für Van Laack in der Lebens­mit­tel­ab­tei­lung des Kadewe; zwi­schen all dem jun­gen Gemü­se fühl­te sich der 74jährige sicht­lich wohl. Micha­el Mich­alsky ent­deck­te sein Herz für die Mensch­heit (“all humans share one pla­net”) und die Peta-Akti­vis­ten zogen mal wie­der gegen Pel­ze blank. Was kom­plett unnö­tig war, da Fel­le in der Som­mer­mo­de bekannt­lich eher sel­ten ein­ge­setzt wer­den. Wahr­schein­lich ist der Ber­li­ner Win­ter ein­fach zu kalt für Nackt-Demos.

Und natür­lich misch­te auch die Poli­tik mit. Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler besuch­te die Pan­ora­ma, Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler die Neonyt. Digi­tal-Staats­se­kre­tä­rin Doro­thee Bär zeig­te sich in einer Art Won­der Woman-Kos­tüm. Das war zwar auf der gleich­zei­tig statt­fin­den­den Ver­lei­hung des Deut­schen Com­pu­ter­spiel­prei­ses, pass­te aber den­noch zur loka­len Fashion Week-Berichterstattung.

Ber­lin ist zual­ler­erst eine Büh­ne. Für alle, die eine Bot­schaft an ihre Ziel­grup­pe brin­gen wol­len – Mar­ken­an­bie­ter, Desi­gner, Cele­bri­ties, Medi­en, Poli­ti­ker. Die Mes­sen sind dabei nur ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­mat neben ande­ren. Das ist kei­ne neue Erkennt­nis. Die Fra­ge ist frei­lich, ob die Platt­form Ber­lin ohne Mes­se und die Busi­ness Com­mu­ni­ty funk­tio­nie­ren wür­de. Eher nicht. Die Pro­fis sor­gen nicht nur für Fre­quenz. Sie ver­schaf­fen Ber­lin als Mode­stadt auch die Glaubwürdigkeit.

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4 Antworten zu “Das Business und Berlin

  1. Ich hat­te mit Home­boy einen Stand auf der SEEK. Grund: die Bot­schaft zu ver­kün­den, dass die BAGGY (natür­lich von Home­boy) inzwi­schen ange­kom­men ist. Das wis­sen die Kids aus der Sze­ne, aber die Händ­ler nicht. Um Wis­sen zu ver­mit­teln, näm­lich das Wis­sen dar­über, was die Sze­ne wirk­lich zu einem Trend denkt, der den Hosen­fach­händ­ler wie­der ins Ren­nen bringt, bedarf es einer Mes­se UND einem Mes­se­be­such sei­tens der Fach­händ­ler. Bei einem locke­ren Gespräch mag es sein, dass der Händ­ler etwas auf­nimmt, dass ihm einen Vor­teil ver­schafft: die Sze­ne trägt jetzt Bag­gi­es. Allen vor­an die Girls! Die Skin­ny ist für sie lang­wei­lig geworden.
    Wie will er das aber erfah­ren, wenn er zuhau­se hocken bleibt??????????????????????????????????????
    Eine Hose hat Online eine Rück­sen­de­quo­te von 60%. Sie will anpro­biert wer­den. Es bedarf bei Neu­hei­ten einer Bera­tung. Der Händ­ler könn­te das bie­ten und sei­nen Vor­teil dar­aus ziehen.
    Auf der SEEK war gäh­nen­de Lee­re. Selbst im rie­si­gen Stand von Cham­pion. Wie kann in einem Land wie Deutsch­land so etwas pas­sie­ren? Mode ist sprung­haft. Sport übri­gens auch! Gera­de hier haben plötz­li­che “Erschei­nun­gen”, wie Beckers Wim­ble­don Sieg, Phil Knights Jog­ging Idee, Inline­ska­ting, Car­ving Ski, etc. dem Sport­fach­han­del mehr­fach den Arsch geret­tet! Die SKINNY hat dies 2005 getan und jetzt wird es die BAGGY sein. Wie will ich das aber in Erfah­rung brin­gen und mich in mei­nem Ein­zugs­ge­biet früh­zei­tig posi­tio­nie­ren, wenn ich kei­ne Mes­se besu­che????????????????? Der Fach­händ­ler muss Stim­mun­gen aus­wer­ten und dar­auf reagie­ren. Wenn alle 10 Jah­re ein Mega Trend kommt reicht das. Wen ich den aber ver­pas­se, wird es eng. Zu fort­bil­den­den Maß­nah­men gehört auch der Aus­tausch mit ande­ren Händ­lern. Die­ser men­ta­le Schul­ter­schluss darf nicht ver­lo­ren gehen. Für all das braucht es Mes­sen UND Händ­ler, die sie besu­chen! Man kann aber lei­der nie­man­den zum Jagen tragen.….…..

    1. Fra­ge ist ob im digi­ta­len Zeit­al­ter Mes­sen noch wich­tig sind.
      Allei­ne die Tat­sa­che, dass es in Deutsch­land immer noch 3 Mes­se­stand­or­te gibt
      beweist ja, dass Geld genug vor­han­den ist.….3x ein Kol­lek­ti­ons­teil anzu­schau­en bevor
      man kauft, das ist in ande­ren Bran­chen unvorstellbar.
      Order­ab­wick­lung kann heu­te auch anders gehen. Vir­tu­el­les Shop­ping kommt.
      Ers­te Fir­men nut­zen das schon für Nachbestellungen.
      Mes­sen kos­ten Geld und Zeit und es wird viel bla bla vertan.
      “Rauch­ver­zeh­rer” und “Häpp­chen­ver­til­ger” rei­chen sich die Hände.
      Visu­el­le Dar­stel­lung geht digi­tal und aus­führ­lich via Internet.
      Kom­mu­ni­ka­ti­on läuft heu­te über chats und viel­leicht noch per E‑Mails.
      Die “Wich­ti­gen” tele­fo­nie­ren miteinander.
      Trends ent­ste­hen nicht auf Mes­sen – das Publi­kum gibt Trends vor
      und Influ­en­cer etc. ver­su­chen Trends zu kre­ieren. Händ­ler kön­nen sich und ihr Geschäft
      via Inter­net dar­stel­len und das kommunizieren -
      kau­fen muss der Kon­su­ment, sei­nen Nerv muss man tref­fen – will man das auf Mes­sen lernen?


      1. WordPress.com pro­fa­shio­nals <> h

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