
Die zahlreichen Deals, die diese Woche verkündet wurden, sind Symptom wie Beleg für die dynamische Veränderung der Märkte. Wachstumsstories werden von neuen Playern geschrieben, nicht zuletzt ändern sich die Geschäftsmodelle, mit denen das Geld verdient wird.
Die meiste Aufmerksamkeit fand diese Woche sicherlich Puma. Der Kauf der Beteiligung durch Anta ist in erster Linie ein Verkauf durch Artemis/Kering. Der neue CEO Luca de Meo trat 2025 mit viel Vorschusslorbeeren und einem fetten 20 Millionen Euro-Startbonus in Paris an. Der frühere Renault-Chef räumt das Markenkonglomerat nun auf, baut die Organisation und die Führung im großen Stil um, mit dem Ziel, den Konzern schneller, effizienter und innovativer zu machen.
Das kostet zunächst viel Geld, das u.a. über Desinvestments beschafft wird. Allein der Verkauf von vier erstklassigen Liegenschaften in Paris und New York brachte im vergangenen Jahr insgesamt 1,55 Milliarden Dollar ein, der Verkauf der Beauty-Sparte an L'Oreal 4,7 Milliarden Euro. Als eine seiner ersten Amtshandlungen verschob de Meo die bereits verkündete Übernahme der restlichen Valentino-Anteile (was Kering und Investmentpartner Mayhoon nicht davor bewahrte, im vergangenen Jahr 100 Mio. Dollar nachschießen zu müssen).
Der Verkauf des 29 Prozent-Anteils an Puma durch Kerings Dachgesellschaft Artemis bringt nun weitere 1,5 Milliarden ein. Mit dem Kaufpreis von 35 Euro je Aktie (immerhin 60% mehr als die Aktie zuletzt wert war), können die Franzosen nicht wirklich zufrieden sein. Bei ihrem Einstieg 2007 hatten sie für ein Paket von zunächst 27 Prozent stolze 330 Euro je Aktie bezahlt. So gesehen hat Anta die Kontrollbeteiligung günstig erworben.
Als die Gerüchte über einen bevorstehenden Einstieg der Chinesen vor Wochen aufflackerten, schwang gleichzeitig Sorge mit. Ausgerechnet Chinesen? Ist so ein Deal in diesen Zeiten politisch opportun? Der Ruf der bei ihren hiesigen Engagements häufig sehr bestimmt auftretenden Manager aus Fernost ist nicht immer der Beste.
Andererseits entwickelt sich die Amer Sports Corporation, die 2019 mit Marken wie Axt'eryx, Salomon und Atomic von Anta übernommen wurde, sehr dynamisch. Was aus dem 2025 akquirierten Jack Wolfskin unter Anta wird, ist noch nicht raus. Die deutsche Traditionsmarke Puma ist fürs Erste sicherlich die prominenteste Ergänzung von Antas europäischem Portfolio.
Man habe Vertrauen in den von Puma-CEO Arthur Hoeld betriebenen Sanierungskurs, ließen die Chinesen verlauten. Mit drakonischen Einschnitten in Produkt und Vertrieb versucht der 56jährige eine Gesundschrumpfung, Refokussierung und Neupositionierung. Aufsehen erregten die zahlreichen Verpflichtungen von Ex-Adidas-Leuten, die – so will es die Herzogenaurach-Folklore – die Puma-Leute traditionell als Gegner ansehen.
Der Verzicht auf Umsatz und Gewinn ist zudem eine Wette, die die Puma-Aktionäre erstmal mitgehen müssen. Zwischenzeitlich war der Kurs unter dem neuen CEO um rund ein Drittel gefallen, bis er sich vor dem Hintergrund der Übernahmegerüchte berappelt hat. Hoeld hatte Adidas 2023 wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem von Puma kommenden Vorstandschef Björn Gulden nach 26 Jahren verlassen. Dass er es seinem Ex-Arbeitgeber jetzt zeigen möchte, gehört zwar in den Bereich der Küchenpsychologie. Aber echte Sportler möchten halt immer gewinnen.
Der Puma-CEO wird nun fürs Erste froh sein, dass die Hängepartie in seiner Inhaberschaft beendet ist. Der Deal bringt Klarheit und möglicherweise neue Perspektiven, was die Expansion in Antas Heimatmarkt China angeht. Ob er in Herzogenaurach auch Ruhe bringt, wird man sehen.
Noch mehr Deals…
Neben Puma wurden diese Woche noch eine ganze Reihe weiterer Deals bekannt:
So übernimmt Snipes-Gründer Sven Voth den österreichischen Sportfilialisten Hervis, gemeinsam mit Factory Berlin-Gründer Udo Schloemer. Das ist insofern bemerkenswert, als dass Voth gerade erst im Dezember Insolvenz für sein Start-up Higgins angemeldet hat. Dass er die ersten Monate abwarten wolle, bevor er über den weiteren Roll-Out von Higgins entscheidet, hatte Voth indes bereits im Interview mit profashionals gesagt. Ganz offenbar ist die Testphase nicht wie erwartet gelaufen. Insofern ist die Schließung hart, aber konsequent. Perspektivisch kann Voth sich nun auf die 134 Hervis-Standorte in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern fokussieren. Da wird es genug zu tun geben.
Authentic schließt die Übernahme von Guess ab. Der US-Lizenzmarken-Gigant übernimmt die Mehrheit an den Markenrechten, das Unternehmen wird von der Börse genommen, die bisherigen Eigentümer betreiben weiterhin das operative Geschäft, zu dem u.a. rund 1500 eigene und Partner-Stores gehören – ein Umsatz von rund 6 Milliarden Dollar (zu Retailpreisen gerechnet). Es sieht fürs Erste nach Win-Win für alle aus: die Gründerfamilie Marciano macht Kasse, Authentic sichert sich einen zusätzlichen Lizenzerlösstrom und wird weitere Profite aus der Brand zu schlagen wissen. Authentic ist nicht öffentlich gelistet, aber Medienberichten zufolge soll die EBITDA-Marge des Unternehmens bei über 70 Prozent liegen.
Und dann macht auch noch Khaby Lame Schlagzeilen. Der Influencer, der es allein mit Faxen auf 360 Millionen Follower auf den diversen Social Media-Kanälen und ein Vermögen von angeblich 80 Millionen Dollar gebracht hat, hat einen komplexen Beteiligungsdeal durchgezogen, der sein Business jetzt zum Börsengang mit 975 Millionen Dollar bewertet. Mal sehen, wer so blöd ist, die Aktie zu kaufen. Der Schritt markiere den „Wandel weg von einmaligen Marken-Deals hin zu einem strukturierten, exklusiven Kommerzialisierungssystem nach Plattformlogik“, so seine Holdinggesellschaft. Unter anderem plant Lame nun einen digitalen Zwilling von sich an den Start zu bringen. Ein weitsichtiger Move, sollte das Influencer-Business eines Tages, wie manche erwarten, komplett von KI-Avataren übernommen werden. Studien zufolge sind heute bereits 50 Prozent des Contents in Social Media KI-generiert.
Und dann gab es auch noch einen Deal, der nicht zustande kam. Der Verkauf von Wormland scheiterte, nachdem keine Einigung mit den Vermietern erzielt werden konnte. Der insolvente Menswear-Filialist muss jetzt abgewickelt werden. Bitter für die 250 Mitarbeitenden.
Apropos Insolvenzen: Spannend wird jetzt, ob sich ein Übernehmer für den ebenfalls insolventen Hemdenhersteller Eterna findet. Der Investorenprozess wurde diese Woche öffentlich. Der insolvente Wohnaccessoires-Filialist Depot sucht ebenfalls Geldgeber. Last but not least mussten diese Woche auch der Membrane-Lieferant Sympatex und der Spielwarenfilialist Rofu mit über 100 Filialen den Gang zum Amtsgericht antreten.