
Samstag, 17. Januar. Von wegen "Stationär isch over". Amazon (!) plant in Orland Park nahe Chicago die Eröffnung eines Mega-Stores. Der Laden soll nach Medienberichten über 21.000 m² und damit größer als ein typisches Walmart-Supercenter werden. Genaues weiß man nicht. Aber es wäre schon eine bittere Pointe, wenn die Onliner erst den Stationären den Garaus machen, um dann selbst Läden zu eröffnen.
Dieser Tage hat zudem Louis Vuitton einen spektakulären Store in Peking eingeweiht. Erst vor ein paar Monaten hatte der Konzern in Shanghai sein ‚The Louis‘-Flagship vom Stapel gelassen. Diese Landmark Buildings sind natürlich faszinierend anzusehen. Als Vorbild für Otto-Normal-Einzelhändler taugen sie trotzdem nicht. Denn es geht dort nicht primär ums Umsatzmachen, sondern vor allem auch um Branding. Wenn schon ein Zara-Store daher kommt wie ein Designerladen, muss eine Luxusmarke wie Louis Vuitton eben noch einen draufsetzen.
Aber auch für Zara fungieren die Stores zunehmend als Markenbotschafter. Inditex betrieb 2025 rund 2000 Läden weniger als 2019 (Ende Oktober waren es 5527), der Umsatz stieg gleichzeitig um rund 10 Milliarden auf 38 Milliarden Euro (2024). Die Strategie heißt: weniger Läden, dafür größere Läden, immer mehr Online-Geschäft. Neueröffnungen haben bei Zara jetzt schon mal 5000 m² (Lissabon), 6000 m² (Oberhausen) oder 8000 m² (Rotterdam) Verkaufsfläche. Wie konsequent Zara diese Linie verfolgt, zeigt die Schließung des Stores in La Coruna; diese Keimzelle des Konzerns war im vergangenen Jahr noch fürs 50. Jubiläum hergerichtet worden. "Unromantisch, aber ehrlich", kommentiert Jörg Nowicki die Entscheidung in der TW.
Stationär ist bestimmt nicht vorbei. Aber in einer Omnichannel-Welt ändert sich die Funktion von Läden.
+++++
Montag, 19. Januar. „Ciao, Valentino“ schreibt die Zeit. „Ein Mann liebt Rot“, der Stern (was dann doch etwas unpassend bemüht nach Charles Bronson klingt). BoF besingt in Anspielung auf das 2008 gedrehte Filmportrait „Italys Fashion Emperor“. Die FAZ würdigt Valentino als den „letzten großen Couturier“.
Und es stimmt ja. Innerhalb weniger Jahre sind viele große Namen der Haute Couture gegangen, die die Mode in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt haben: Hubert de Givenchy, Oscar de la Renta, Karl Lagerfeld, Giorgio Armani.
So ist auch Valentino Garavanis Tod wieder Anlass für sentimentale Rückblicke auf die vermeintlich gute alte Zeit. Als Kleidung noch von kunstfertigen Meistern oder wenigstens Kreativen vom Fach entworfen, glamourösen Frauen wie Jacky Kennedy, Elisabeth Taylor oder Sophia Loren auf den Leib geschneidert und von Hochglanzmagazinen wie der Vogue zur Mode geadelt wurde. Und nicht wie heute von einer anonymen Schar von Marketingleuten, Industriedesignern oder demnächst gar mit Hilfe von KI im Verbund mit unterbezahlten Näherinnen in Bangladesch produziert und von Influencern und B‑Promis zu Markte getragen wird, die womöglich auch noch eine T‑Shirt- oder Wäschelinie unter ihrem eigenen Namen herausbringen.
Aber sparen wir uns die Jammerei. Wer dem Modediktat nachtrauert, wählt womöglich auch Autokraten. Die Mode ist mit den Couturiers nicht gestorben. Sie wird nur von anderen Leuten gemacht.
+++++
Mittwoch, 21. Januar. „Extrem diffus. Nicht konsistent und ohne klaren Markenkern. Von extrem feminin und angezogen bis hin zu einer reinen Casual-Welt, begleitet von zu vielen Themen und zu wenig Ästhetik. Von der Glitzerpaillette bis zum verwaschenen Hoodie. Einmal quer durch den Gemüsegarten. Wer sich den Instagram-Feed angeschaut hat, konnte als Endverbraucher am Ende nur denken: Die machen wohl irgendwas mit Mode. Aber was eigentlich? Aus markentechnischer Sicht eine absolute, ich sage nicht Katastrophe, aber Herausforderung.“
Selten so etwas treffend Selbstkritisches in der TW gelesen wie Johannes Relleckes Einschätzung zu S.Oliver. Man könnte das auch über viele andere Brands sagen, die sich im Markt tummeln. Seit September 2025 sind er und sein Bruder Julian in Rottendorf in der Verantwortung. Jetzt ziehen sie dort Einiges gerade. Die Marke S.Oliver soll zu 100 Prozent Casual werden. Die angezogenere Linie S.Oliver Black wird in Lala Berlin umbenannt. Das dürfte einige Tränen geben bei Lala-Fans, konzediert Rellecke. Aber so viele werden es nicht sein, sonst wäre das Label 2023 nicht pleite gegangen.
Wie auch immer der Markt den Rottendorfer Move bewertet – die Relleckes haben frischen Wind nach Rottendorf gebracht. Das dürfte am kommenden Wochenende auch im S.Oliver-Showroom in Halle 29 für mehr Frequenz sorgen.