Das waren weniger „100 Fragen“ als ein ziemlich präziser Seismograf der Branche. Ich beantworte sie kompakt, pointiert und thematisch gebündelt – so, wie man Ende 2025/Anfang 2026 wirklich darüber spricht.
1.Wie wird 2026? Krise, Kollaps oder Comeback? Kurzfassung: 2026 wird nicht schlimmer, aber auch nicht bequem. Ja, es kann besser werden – aber nur für die Richtigen. Nein, es wird nicht mehr so wie früher (Fläche, Frequenz, Margen). Die Deutschen haben nicht die Lust auf Mode verloren, sondern sie haben keine Lust auf Beliebigkeit, auf schlechte Preis-Leistungs-Versprechen, auf austauschbare Fachhandelskonzepte. Der Fachhandel stirbt nicht. Aber der Durchschnitt wird sterben.
2.Shein & Temu – Endgegner oder Übergangsphase? Shein ist kein Zukunftsmodell, sondern ein Übergangsphänomen mit Ablaufdatum. 3‑Euro-Zölle stoppen China nicht, aber, sie verlangsamen, verteuern und professionalisieren den Markt. Temu & Co verkaufen nicht Erlebnis, sondern Dopamin, Spiel und Transaktion. Das ist kein Retail, das ist Gamification-Commerce.
3.TikTok Shop ist relevant – aber kein Allheilmittel. Stationär IST der ehrlichste Social Commerce: mit Menschen, an Orten, mit echter Reibung.
4.AI-Shopping-Agenten brauchen: Klarheit (nicht Auswahl), Haltung (nicht Neutralität), Vertrauen (nicht nur Preis). Wir googeln noch 3–5 Jahre. Danach fragen wir Agents. ChatGPT wird nicht Amazon. Aber Amazon wird mehr ChatGPT.
5.Ist Künstliche Intelligenz Jobkiller oder Erlöser? Beides. Es verschwinden Backoffice, Planung, Content-Mittelmaß. Wir hrauchen: Kuratoren, Editoren, Strategen. Kreativität wird knapper – und dadurch wertvoller. Ob wir Meta-Brillen tragen werden? Ja. Aber nicht alle, nicht sofort, nicht ständig.
6.Wie sich die Luxus-Konzerne schlagen? LVMH: Talsohle fast erreicht. Kering: Strategie klarer, Umsetzung offen. Gucci: kann noch tiefer sinken, aber nicht mehr lange. Prada & Versace: Risiko, aber auch Befreiung. Armani nach Armani: Wird kleiner, nicht irrelevanter. Made in Italy hat gelitten, aber nicht verloren. China kann vieles genauso gut, aber nicht alles emotional aufladen.
7.Nachhaltigkeit bleibt – aber leiser, nüchterner, messbarer. Sustainability-Manager werden Compliance-Profis und Lieferketten-Controller. Diversity ist nicht tot, sondern entideologisiert. Hinter dem Pelz-Comeback stecken Provokation und TikTok-Ästhetik. Vegan & Pelz – das ist natürlich ein Widerspruch, aber Mode war nie logisch. Second Hand wird aus Umweltschutzgründen getragen. Noch mehr aus Preis- und Stil-Gründen.
8.Designer-Karussell: Man blickt nicht mehr durch. Und das ist Teil des Problems. Viele Moves sind Defensivwechsel, keine Vision. Die spannendsten sind Blazy zu Chanel und Anderson zu Dior. Sabato? Kommt wieder. Gosha? Bleibt Nische. Lucy & Luke Meyer? Pause vor Neustart.
9.Deals: Der nächste Milliarden-Deal kommt aus Outdoor, Footwear oder Athleisure. Puma chinesisch? Möglich, aber nicht zwingend. Anta greift wieder zu – Europa bleibt Jagdgebiet. L Catterton setzt weiter auf Premium-Contemporary. Die Platform Group bleibt im Roll-up-Modus. Breuninger hat seine Pläne nicht aufgegeben, nur vertagt. Eine P&C‑Wiedervereinigung ist emotional denkbar, rational aber schwierig. H&M von der Börse? Ja, irgendwann. Zalando & About You: Konsolidierung statt Eitelkeit.
10.Mittelstand: Papenbreer mit Eckerle? Immobilien + Marke. Katjes mit Bogner: Emotionalisierung statt Expansion. Holzer/Böck mit Closed: Solides Weiter-so. Victrix mit Gerry Weber: Kleiner, aber klarer. Gabor unter Arklyz: professioneller, internationaler. Hunkemöller, Palmers: Chance auf Reset.
11.Insolvenzen: Der Schuhmarkt ist noch nicht durch. Wormland braucht Profil, nicht nur Kapital. Pieper, Polo, Titus werden schrumpfen, aber nicht scheitern. Eterna ist stabil, aber kein Wachstumsmotor.
12.CEOs: Daniel Grieder (Hugo Boss): Ziel erreicht, Spannung bleibt. Patrick Spethmann (Marc Cain): Modernisieren ohne DNA-Verlust. Jonas Gnauck (New Yorker): Kontrolle statt Glamour. Thorsten Mindermann, Patrick Zahn, Maximilian Bittner: kommen zurück. Der Galeria-Exodus hält an.
13.Internationale Filialisten expandieren, weil Deutschland kaufkräftig, unterdigitalisiert und strukturstark ist. Decathlon wächst weiter zweistellig. NKD gejt mit Mr. Price auf Angriff. Action, Woolworth, Tedi, Takko wachsen ebenso weiter. Kik und C&A schließen, aber kontrolliert. Galeria wird zur Multi-Tenant-Plattform.
14.Messen: Die ISPO Amsterdam funktioniert, aber anders. Shift in Offenbach ist Nische, aber mit Relevanz. Der Juli-Termin der Munich Fabric Start: schwierig. Die Berlin Fashion Week bringt kaum Geschäft, aber viel Haltung.
15.Hypes: Labubu? Noch ein Jahr. Schlangen vor Uniqlo? Ja, weiter. „Der Teufel trägt Prada 2“: Nostalgie trifft Zeitgeist. Wolfgang Grupp kommt wieder, irgendwann. René Benko bleibt lange weg. Trägt der nächste Fußball-Weltmeister Zalando? Nein. Aber Zalando verdient trotzdem mit.
Fazit: 2026 wird kein Jahr der Euphorie. Aber eines der Entscheidungen. Wer jetzt Profil, Mut und Klarheit hat, gewinnt. Der Rest verwaltet das Ende.