C&A, H&M, Amazon, Kaufhof: Der brutale Wandel im Handel

IMG_0468Samstag: Die Süddeutsche hat Reporter Michael Kläsgen nach Mettingen geschickt. Hintergrund sind die Meldungen von einem angeblich geplanten und vom Unternehmen sensationellerweise nicht als Unsinn dementierten Einstieg chinesischer Investoren bei C&A. 175 Jahre nach der Gründung durch Clemens & August wäre das eine bislang unvorstellbare Zäsur. Im Nachhinein lässt dies die Berufung des familienfremden CEOs Alain Gaparros und die Management-Entlassungswelle im vergangenen Jahr in einem anderen Licht erscheinen.

„Chic & Attraktiv“ war C&A in den 60er und 70er Jahren, als es der vertikale Pionier auf zweistellige Marktanteile brachte. „Cheap & Awful“ ätzte man dann in den 90ern, nachdem die flottere Konkurrenz aus Schweden und von anderswo die C&A-Häuser alt aussehen ließ. „China & Asien“ flachst man jetzt in der Heimatstadt der Brenninkmeijers, berichtet SZ-Reporter Kläsgen. Ob sich in der Belegschaft demnächst womöglich „Crisis & Anger“ breitmachen?

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Sonntag: Alexander Graf befasst sich in Kassenzone ausgiebig mit der Amazon-Bilanz. Die ist ein weiterer Beleg dafür, wie radikal und rapide sich die Welt des Einzelhandels zurzeit verändert. Nur wenige Eckdaten: Amazon hat im letzten Quartal fast 700 Millionen Dollar Umsatz gemacht – pro Tag. Der Umsatz insgesamt stieg 2017 um über 40 Milliarden Dollar auf 178 Milliarden Dollar, das sind 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Grafs Ansicht der Maßstab für die Handelsmodelle, die direkt oder indirekt mit Amazon konkurrieren. Also praktisch alle. „Wer unter diesem Wert liegt, verliert Marktanteile und kann langfristig nicht bestehen.“

Soll uns da beruhigen, dass Amazon in Deutschland lediglich um 20 Prozent gewachsen ist? Offiziell sind es jetzt 15 Millarden Euro. Inklusive Marktplatzumsatz dürften Amazon und die Third Party Seller Graf zufolge Ware für insgesamt 20 bis 23 Milliarden über die Plattform verkaufen.

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Montag: H&M meldet in Deutschland ein Umsatzminus von 9 Prozent fürs vierte Quartal und von 3 Prozent fürs Gesamtjahr. Für das erfolgsverwöhnte Unternehmen ist das ein Einschnitt und für die Medien ein weiterer Grund, das H&M-Bashing fortzusetzen. Nachdem vergangene Woche dann auch noch Ikea-Gründer gestorben ist, räsoniert Marcus Werner in der Wirtschaftswoche darüber, ob die Schweden nicht neuerdings allesamt uncool sind: Volvo sei chinesisch, Wasa italienisch, SAAB weg, ABBA Geschichte und die Fjorde in Norwegen. Da sei nur noch Spotify, „aber die lassen ihre schwedischen Wurzeln nicht raushängen“.

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Dienstag: Helena Foulkes werde die neue HBC-Chefin, melden die Ticker. Sie findet an diesem Tag sogar Zeit, Hagen Seidel ein paar Fragen für die TW zu beantworten. „Ich habe über Kaufhof noch viel zu lernen.“ Und ihre Oma sei absolute Modeexpertin gewesen, so Drogeriemarkt-Profi Foulkes.

Wenn der sympathische Kurzauftritt vertrauensbildend wirken hätte sollen, wurde dies durch die Meldungen am Mittwochnachmittag gleich wieder konterkariert. In Köln wird bis in drei Jahren jede vierte Stelle gestrichen, immerhin 400 Arbeitsplätze fallen dem Cost Cutting zum Opfer. Vorbild ist einmal mehr Karstadt, das mit weniger als 1000 Mitarbeitern in seiner Essener Zentrale auskommt. Die Süddeutsche lässt aus diesem Anlass Reporter Kläsgen kommentieren („Die Zeit spricht für die deutsche Warenhaus AG“), um gleich durch die Absage des Übernahmedeals (durch welche Seite auch immer) widerlegt zu werden. Fürs Erste jedenfalls.

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profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

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